Handelskammer Hamburg 2009

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Bilanzierung

Worauf es ankommt

Für die Aktivierung von Vermögensgegenständen im Rahmen von Leasing ist nach dem neuen Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz grundsätzlich die rechtliche und wirtschaftliche Zurechnung entscheidend.
Leasing kann der Liquidität nützen. Der „Mieter“ verfügt ab der ersten Rate über ein Objekt, das er nicht ab Nutzungsbeginn komplett bezahlen muss. Er überweist Monat für Monat seine Raten und kann sein Geld anderweitig einsetzen. Eventuell kann bei Liquiditätsengpässen eine Anschaffung überhaupt nur so erst realisiert werden. Die Erwartung ist, die Leasingraten aus den künftigen Erträgen bezahlen zu können, die das gemietete Objekt erwirtschaftet.

Viele Unternehmen sehen im Mietkauf eine zusätzliche Kreditquelle. Leasinggesellschaften prüfen Kunden jedoch nach den gleichen Bonitätsgrundsätzen wie die übrige Kreditwirtschaft. Um Liquidität zu gewinnen, arbeiten manche Unternehmen nach dem Sale-and-lease-back-Verfahren: Sie verkaufen beispielsweise eine eigene Immobilie oder Mobilie an eine Leasinggesellschaft und mieten sie anschließend zurück. Da beispiels­weise Immobilien eine hohe Kapitalbindung bedingen, kann es durchaus sinnvoll sein zu prüfen, ob ein Leasingmodell nicht günstiger wäre.

Um sich Liquidität zu beschaffen und Steuervorteile auszuschöpfen, arbeiten manche Unternehmen bereits nach diesem Verfahren: Dadurch können sie beispielsweise in selbst geschaffenen immateriellen Gütern gebundene Werte erfolgswirksam aufdecken. Aber auch stille Reserven in Immobilien oder Ausrüstungsgegenständen können auf diese Weise gehoben werden. Hier ist bei der Ausgestaltung des zugrunde liegenden Vertrages aber auch Vorsicht ge­boten: Unerlässliche Voraussetzung einer Gewinnrealisierung ist der Übergang des wirtschaftlichen Eigentums, damit der Leasingvertrag als echter Miet- oder Pachtvertrag zu qualifizieren ist. Nach den geltenden Leasingerlassen der Finanzverwaltung ist das entscheidende Kriterium für die steuerliche Zurechnung des Leasingobjektes die Länge der Grundmietzeit: Beträgt sie zwischen 40 und 90 Prozent der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer des Leasingobjektes, wird es grundsätzlich dem Leasinggeber zugerechnet. Nur dann können die vollen Leasingraten als Betriebsausgaben abgesetzt werden.

Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass bei Vertragslaufzeiten von weniger als 40 Prozent oder mehr als 90 Prozent der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer Vorsicht geboten ist, da der Leasingvertrag steuerrechtlich wie ein Darlehen behandelt werden kann. Steht nämlich im Vertrag, dass der „Mieter“ die Anlage bei Vertragsende zum Restwert kaufen muss, gilt der Vertrag als Abzahlungsgeschäft, mit der Folge, dass der Leasingnehmer das Wirtschaftsgut in seinen Büchern zu bilan­zieren hat. Diese Regelungen sind durch das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz ins Handelsrecht aufgenommen worden. Dadurch ändert sich jedoch an den Leasingerlassen der Finanzverwaltung nichts.

Durch das Unternehmensteuerreformgesetz 2008 ergaben sich bereits Änderungen bei der gewerbesteuerlichen Behandlung von Leasingverhältnissen. Unternehmen sollten diese Veränderungen im Auge behalten, um Entscheidungen zwischen „Kauf“ und „Leasing“ im Rahmen der Anschaffung von Wirtschaftsgütern neu zu überdenken. Die Bemessungsgrundlage für die Gewerbesteuer hat sich dadurch erhöht. Der nach den Grundsätzen des Einkommensteuer- beziehungsweise Körperschaftsteuergesetzes ermittelte Gewinn erhöht sich um die Hinzurechnungen von 25 Prozent der Finanzierungsanteile bestimmter Aufwendungen für Geld- und Sachkapitalüberlassungen. So müssen seit 2008 25 Prozent der pauschalierten Finanzierungsanteile von Mieten, Pachten und Leasingraten für bewegliches und unbewegliches Anlagevermögen hinzugerechnet werden. Der Gesetzgeber hat für das bewegliche Anlage­vermögen den Finanzierungsanteil mit 20 Prozent und bei den unbeweglichen Wirtschaftsgütern mit 65 Prozent pauschaliert. Die IHK-Organisation setzt sich dafür ein, diese Besteuerung von Kosten, die zur Substanzbesteuerung führt, zurückzunehmen. Gerade in der aktuellen wirtschaftlich angespannten Situation wirkt dies für die Unternehmen krisenverschärfend.

Jutta Thormann
jutta.thormann@hk24.de
Telefon 36138-351

hamburger wirtschaft, Ausgabe November 2009