Handelskammer Hamburg 2010

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Commerzbibliothek

Neue Zeiten

In diesem Jahr wird die Commerzbibliothek 275 Jahre alt. Neben einem vielfältigen Veranstaltungsprogramm ist das wohl größte Projekt des Jubiläumsjahres ein umfangreicher Umbau.
Umbauten und Umzüge sind für die Commerzbibliothek nichts Neues. In ihrer turbulenten Geschichte wechselte sie mehrfach ihren Standort, bevor sie 1962 die heutigen Räume bezog. Doch der Wandel durch das Internet und die neue Aufgabe als Hochschulbibliothek der HSBA Hamburg School of Business Administration stellt sie vor weitere Herausforderungen. Damit bleibt die Commerzbibliothek ihrer Tradition treu, Wissen für die Wirtschaft bereitzustellen, die sich stets im Wandel befindet.

Zwei Jahre nach ihrer Gründung fand die Bibliothek ihre erste Heimat in der Alten Ratswaage am Nikolaifleet. Schon bald platzte sie aus allen Nähten, und das Gebäude erhielt ein weiteres Stockwerk. Baumeister war der damalige „Stararchitekt“ Ernst Georg Sonnin, der Erbauer der Michaeliskirche. Er übernahm auch die Innenausstattung der Commerz­bibliothek, die so prächtig war, dass in den Räumen sogar Prinzen und Fürsten empfangen wurden. Doch schnell wurde der Platz schon wieder knapp, und der Bibliotheksverwalter verwahrte einen Teil der Sammlung gegen Miete bei sich daheim.

1841 zog die Commerzbibliothek schließlich in das neue Börsengebäude am Adolphsplatz, das auch im Hinblick auf den Platzbedarf der Bibliothek erbaut wurde. Zu den reich verzierten Räumlichkeiten gehörten unter anderem zwei helle Lesesäle sowie ein Arbeitszimmer für den Bibliotheksleiter, um das ihn so mancher Kollege beneidete. 1872 wurde die Bibliothek in den Südostflügel des Gebäudes umgesiedelt. Als dieser 1907 für den Bau der U-Bahn abgerissen werden musste, wurde sie übergangsweise in der Domstraße untergebracht.

Das Provisorium währte allerdings länger als geplant, da im wiederaufgebauten Flügel der Börse kein Platz mehr für die Bibliothek war. Zwölf Jahre lang war sie in den feuchten, dunklen und unbeheizten Häusern der Domstraße untergebracht, bis 1919 endlich ein Flügel des Johanneums am Speersort bezogen werden konnte. 1939 musste die Commerz­bibliothek einen Teil ihrer Flächen an die Stadtbibliothek abgeben und lagerte Teile ihrer Bestände in den Keller der Neuen Börse aus. Dies erwies sich im Nachhinein als Glücksfall, da 1943 das Gebäude des Johanneums und mit ihm die gesamte Bibliothek durch Bomben zerstört wurde.

Die Neue Börse blieb verschont – und so kam die Commerzbibliothek nach 36 Jahren zurück an den Adolphsplatz. Die Arbeitsbedingungen damals waren schwierig, weil nur ein einziger Raum zur Verfügung stand, der zugleich Lesesaal und Büro für die Mitarbeiter war. Fast zwanzig Jahre sollte es dauern, bis die Commerzbibliothek wieder einmal umzog, und zwar in den Westflügel des Börsengebäudes, wo sie bis heute zu finden ist.

Der geplante Umbau wird viel Neues bringen, die Leser dürfen sich auf eine Commerzbibliothek freuen, in der das Arbeiten und Schmökern noch mehr Spaß machen wird. Während einer mehrwöchigen Schließungsphase wird die Bibliothek modernisiert und komplett neu gestaltet, damit sie den Bedürfnissen ihrer Leser und ihrer Rolle als Hochschulbibliothek der HSBA noch besser gerecht wird. Es werden Gruppen- sowie Einzelarbeitsplätze eingerichtet und der Lesesaal vergrößert, zudem wird die Bibliothek künftig verstärkt auf elektronische Medien setzen. Nach dem Umbau wird es Führungen durch die „neue“ Commerzbibliothek geben.
Rebecca Schwenck
rebecca.schwenck@hk24.de
Telefon 36138-518
hamburger wirtschaft, Ausgabe Februar 2010