Handelskammer Hamburg 2010

< zurück

FC St. Pauli Vermarktungs GmbH & Co. KG

Hell’s Bells läuten wieder erstklassig

Fast jeder Steppke in Hamburg kennt den FC St. Pauli – und die Hell’s
Bells, die jedes Heimspiel „einläuten“. Doch kaum einer kennt die Firmen,
die sich um das sportliche und wirtschaftliche Wohl des Vereins kümmern,
zum Beispiel die FC St. Pauli Vermarktungs GmbH & Co. KG.
Unweit der Budapester Straße, zwischen dem gelben „Firmenklotz“ der Telekom und dem Schwimmbad St. Pauli gelegen, schlägt auf dem Heiligengeistfeld das „Herz von St. Pauli“. Mit dem Wiederaufstieg des FC St. Pauli in die erste Bundesliga braucht der Verein mehr denn je ein Unternehmen, das sich auch um die Wirtschaftlichkeit und die Professionalisierung des Kiezclubs kümmert.

Das Gebäude der Geschäftsstelle des FC St. Pauli zeigt die Verbundenheit des 1910 gegründeten Vereins mit Hamburg. Der Bau erinnert an die Hammaburg. Wer davor steht, entdeckt im linken „Turm“ Clubheim und St. Pauli-Kantine, im rechten Kassen und Fan-Shop. In der Mitte, im „Tor zu Hamburg“, ist die Geschäftsstelle des Vereins untergebracht. Im ersten Stock befinden sich außerdem die Büroräume der im Jahr 2000 gegründeten Vermarktungsgesellschaft.

Michael Meeske, Geschäftsführer der FC St. Pauli Vermarktungs GmbH & Co. KG, kümmert sich um die wirtschaftlichen Belange des Vereins. Er und seine 24 Mitarbeiter der Geschäftsstelle sind unter anderem für das Sponsoring, den Kartenverkauf, den Ausbau des Stadions und den Neubau einer hauseigenen Kindertagesstätte zuständig. Eine he­rausragende Rolle spielen neben den Fans die über 100 Sponsoren, ohne die der Verein wirtschaftlich nicht über die Runden käme.

Der begonnene und in Teilen bereits vollendete Stadionumbau hat für den Verein und die Vermarktungsgesellschaft höchste Prio­rität. „In vier Abschnitten wird das Stadion komplett umgebaut, und das bei laufendem Spielbetrieb“, erzählt Meeske. Die Südtribüne steht, im August / September wird die Westtribüne fertig sein. Der Umbau wird fast 40 Millionen Euro kosten. Nach der Fertigstellung passen in das Stadion 28 000 Zuschauer. Auf Fanwunsch besteht die Hälfte davon aus Stehplätzen. Nur auf der Haupttribüne, die Ende des Jahres steht, wird es ausschließlich Sitzplätze geben. Der Umbau der Nordtribüne wird voraussichtlich 2014 abgeschlossen sein. Alle technischen Auflagen wie eine ­Rasenheizung wurden bereits mit der Fertigstellung des ersten Bauabschnitts ­erfüllt.

„Für die nächste Saison haben wir unsere 15 000 Dauerkarten bereits über Vorkaufsrechte vergeben“, erzählt der 38-jährige Meeske. Zehn Prozent der Karten gehen jeweils an den gegnerischen Verein, der Rest geht in den freien Verkauf. Nachdem die Kiezkicker im 100. Jubiläumsjahr wieder erstklassig spielen, werden sich die Karten allerdings um zehn bis 20 Prozent verteuern.

Im neuen Stadion wird es auch wieder sogenannte Business-Seats geben. Diese ­Firmenplätze kosten nach dem Aufstieg jetzt zwischen 2 700 und 3 200 Euro pro Saison. Die Inhaber der Business-Seats werden vor, wäh-rend und nach dem Spiel kostenfrei mit Essen und Getränken versorgt.

In Kooperation mit der Pestalozzi-Stiftung wird im November dieses Jahres zudem noch eine Kindertagesstätte gebaut. Knapp 100 „Kiezpiraten“ haben dort dann freien Blick auf die Nordtribüne. „Die Nachfrage nach einem Kindergartenplatz ist jetzt schon riesig“, sagt Meeske, selbst Vater eines Sohnes. Und signalisiert damit: St. Pauli, ein Verein, nicht nur für die Großen.

Eva Michel
eva.michel@hk24.de
Telefon 36138-306

hamburger wirtschaft, Ausgabe Juni 2010