Handelskammer Hamburg 2009

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Schulinspektion

Mehr Unterstützung gewünscht

In Hamburgs Schulen ist das 2007 eingeführte Qualitätsaudit angekommen. Die ersten Jahresberichte der Schulinspektion zeigen Positives, offenbaren aber auch, wo noch Defizite vorhanden sind.
Seit 2007 gibt es mittlerweile die von der Handelskammer jahrelang geforderte Schulinspektion für alle Hamburger Schulen. Die Schulen werden derzeit in einem Rhythmus von vier Jahren evaluiert. Die Schulinspektion umfasst insgesamt vier Teams. Neben zwei hauptamtlichen Inspektoren gehören zu jedem Team jeweils ein Vertreter der Schulleitung sowie bei Beruflichen Schulen ein Wirtschaftsvertreter. Nach der Prüfung erhält jede Schule eine individuelle Rückmeldung über die Ergebnisse. Außerdem veröffentlicht die Schulinspek­tion jährlich einen zusammenfassenden ­Bericht. Im Juni 2009 wurde der erste 80-­seitige Jahresbericht veröffentlicht, der zweite wird in diesem Jahr erwartet.

Für die Inspektion werden wissenschaftlich erprobte Methoden (Fragebögen, Gesprächsleitfäden und Dokumentanalysen) eingesetzt, die ein differenziertes Urteil über die Qualität einer Schule ermöglichen. Im Rahmen der Fragebogenerhebung werden je Schule alle Schüler, alle Eltern, alle Lehrer und auch alle Betriebe befragt. Unterrichtsbeobachtungen sind das Kernstück einer jeden Inspektion, wobei es dabei nicht um die ­Beurteilung einer einzelnen Lehrkraft, sondern vielmehr um die Unterrichtskultur an einer Schule geht. Das Inspektorenteam ist ungefähr drei Tage vor Ort im Schulbetrieb dabei und verschafft sich auf diese Weise einen Gesamteindruck. 

Qualitätsmanagement und interne Verfahren zur Evaluation von Unterricht und Entwicklungszielen sind an Hamburgs Beruflichen Schulen deutlich besser entwickelt als an den allgemeinbildenden Schulen der Hansestadt. Dagegen gibt es bei der Umsetzung der Vorgaben der Rahmenlehrpläne, die fächerübergreifend vollständige Handlungen abbilden sollen, an den Beruflichen Schulen vielfach noch Nachholbedarf.

Die Schulreform 2006 mit ihrer Neudefinition der Leitungsrolle und der gesteigerten Selbstverantwortung der Schule ist in der ­Fläche angekommen. Dies ist ein weiterer Schluss, den der Jahresbericht zulässt: Die Schulleitungen übernehmen Führungs­verantwortung und nehmen prägend Einfluss auf Ziele und Prioritäten der Schulentwicklung. Gleichzeitig erfahren Führung und Management seitens der Lehrkräfte fast durchgehend eine hohe Akzeptanz.

Klare Entwicklungsbedarfe sieht die Schul­inspektion noch für fast alle Schulen in der systematischen Personalentwicklung wie etwa in der Begleitung einzelner Mitarbeiter durch Mitarbeiter-Vorgesetzten-Gespräche oder regelmäßige Unterrichtshospitationen. Für das Kerngeschäft der Schulen – den Unterricht – stellen die Inspektionsteams nach wie vor Rückstände in der Entwicklung von Förderkonzepten für Lernschwache und Lernstarke fest und betonen, dass Schülermotivation sowie selbst organisiertes und problemlösendes Lernen an Hamburgs Schulen nach wie vor wenig angeregt wird.

Aber die Aufbereitung der Datenlage für die Beruflichen Schulen macht noch etwas anderes deutlich: Hamburgs Ausbildungsbetriebe nutzen die Chancen und die Notwendigkeiten einer externen Rückmeldung zu schulischer Qualität „noch nicht in zufriedenstellender Weise“. Durchschnittlich nur 17 Prozent der Ausbildungsbetriebe beteiligten sich an der online durchgeführten Erhebung. Hier wünscht sich die Schulinspektion von der Wirtschaft größere Unterstützung.

Die Akzeptanz der Arbeit der Schulinspektion ist an den Schulen grundsätzlich vorhanden und konnte seit den ersten Inspektionen im Frühjahr 2007 deutlich gefestigt werden. Dieses Fazit kann die Schulinspektion nach gut 160 inspizierten Schulen ziehen. Gerade die Beruflichen Schulen nutzen die Ergebnisse der externen Evaluation und bauen sie systematisch in ihr System der Qualitätsentwicklung ein.
Angela Hellberg
angela.hellberg@hk24.de
Telefon 36138-587
hamburger wirtschaft, Ausgabe April 2010