Handelskammer Hamburg 2010

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Serie: Elblabor

Das Unsichtbare sichtbar machen

Fehler bei der Produktion von Solarzellen verkürzen deren Leistung und Lebensdauer. Das junge Unternehmen mbj-Solutions entwickelt Prüfgeräte.
Strom aus Sonnenlicht wird immer wichtiger. Allein im Jahr 2008 wurden weltweit Photovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 5,6 Gigawatt installiert. Zum Vergleich: Das Kernkraftwerk Krümmel hat eine Nettoleistung von 1,3 Gigawatt. In den nächsten zehn bis 20 Jahren erwarten Experten für diesen Markt jährliche Zuwächse im zweistelligen Prozentbereich.

Doch bei der Herstellung und Verarbeitung von Solarzellen kann eine Vielzahl von Fehlern auftreten, die die Leistung und Lebensdauer der Solarzellen beeinträchtigen. Dazu gehören beispielsweise Kratzer und Feuerfehler, die durch ungleichmäßiges Erhitzen der Solarzellen in den Herstellungsöfen entstehen. Aber auch Einschlüsse und sogenannte Mikrocracks sind problematisch, denn aus diesen winzigen Rissen können durch mechanische oder thermische Belastungen größere Risse entstehen.

Je später im Produktionsprozess derartige Fehler entdeckt werden, desto höher sind die Kosten für die Hersteller von Solarzellen und Solarmodulen. Abhilfe können hier Produkte eines jungen Hamburger Unternehmens schaffen: Im Erdgeschoss eines modernen Gebäudes am Merkurring in Rahlstedt ist die mbj-Solutions ansässig. Der Betrieb wurde im September 2009 von Michael Fuß gegründet und soll sich noch in diesem Jahr in eine GmbH wandeln. Auf etwa 150 Quadratmetern befinden sich Büro-, Labor- und Fertigungsflächen. „Unsere Geräte prüfen Solarzellen, Solarstrings sowie Solarmodule auf defekte Zellen mittels Elektrolumineszenz“, erklärt Fuß. Bei diesem Verfahren werden Solarzellen – entgegen ihrer eigentlichen Nutzung – mit Strom angeregt. Das dabei entstehende sehr schwache Licht wird mit einer Spezialkamera aufgenommen und ausgewertet. Am Monitor können so für das menschliche Auge unsichtbare Defekte sichtbar gemacht werden. Fuß: „Unser Entwicklungsziel ist die vollautomatische und zugleich zuverlässige Bildauswertung.“

Zusätzlich zu den Geräten bietet die mbj-Solutions als Dienstleistung auch eine unabhängige Beratung rund um die industrielle Bildverarbeitung an, bei der die Auftraggeber bei der Auswahl und der Bewertung von Angeboten von der Kompetenz des Teams profitieren können. Das Team der mbj-Solutions besteht zurzeit aus drei Personen: Michael Fuß – ein promovierter Maschinenbauingenieur – hat in den letzten 15 Jahren vor der Unternehmensgründung in leitender Position die Entwicklung, das Marketing und den Vertrieb von industriellen Bildverarbeitungssystemen in einem international tätigen Unternehmen geleitet. Der promovierte Physiker Dieter Lorenz ist ein Experte für die Entwicklung von Bildverarbeitungssystemen, und sein Kollege, der studierte Elektrotechniker Volker Biemann, war über zehn Jahre lang in der industriellen Bildverarbeitung tätig, zuletzt im Produktmanagement für Prüfsysteme der Photovoltaik-Industrie.

Fianziert wird mbj-Solutions zu einem Drittel durch Eigenkapital, zu einem Drittel durch Banken und zu einem Drittel durch Fördermittel. „Der ‚Pro Ideenfonds‘ war für uns eine große Hilfe, da wir zusätzlich zur finanziellen Förderung von der guten Beratung profitiert haben“, so Fuß. Ein Anschlussprojekt wird mit fast 200 000 Euro von der Innovationsstiftung Hamburg gefördert. Ziel ist es, ein Inline-Testsystem für die Fehlersuche während der Produktion von Solarzellen zu entwickeln.

Die bereits existierenden Produkte werden international von Partnern in den USA, in Indien, Taiwan und China vertrieben. mbj­Solutions ist auch auf Fachmessen präsent. „Wir sind zuversichtlich, im September während der PVSEC in Valencia, der größten Messe für Solar-Equipment, weitere Interessenten für unsere Produkte zu finden“, so Fuß. Der Optimismus wirkt sich auch auf die Anzahl der Mitarbeiter aus: Ende des Jahres soll das Unternehmen weiter wachsen.
Wulf-Erich Damrau
wulferich.damrau@hk24.de
Telefon 36138-797

hamburger wirtschaft, Ausgabe September 2010