Handelskammer Hamburg 2010

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Exportkreditgarantien

Sicher durch die Krise

Jeder Zahlungsausfall reißt empfindliche Lücken in die Bilanz. Fehlende Liquidität und eingeschränkte Kreditmöglichkeiten schränken die Handlungsoptionen Hamburger Exporteure weiter ein. Hermesdeckungen können helfen.
Die Finanzkrise hat in vielen Fällen das ­Vertrauen in ausländische Geschäftspartner erschüttert und zu einem größeren Risikobewusstsein geführt. Doch was können Hamburger Exporteure tun, um ihr Geschäft vor Schaden zu bewahren? Die sorgfältige Auswahl der Geschäftspartner und ein Risikomanagement mit Augenmaß helfen Unternehmen in der Krise. Hierfür stehen weiterhin Förderinstrumente des Bundes, insbesondere die Exportkreditgarantien, zur Verfügung. ­Bekanntlich schützen die Exportkredit­garantien des Bundes, die sogenannten ­Hermesdeckungen, vor einem Zahlungsausfall aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen. Dadurch erleichtern sie den Eintritt in schwierige oder risikoreiche Märkte. ­Weiterer Vorteil ist, dass in Krisenzeiten ­Geschäftsbeziehungen aufrechterhalten werden können. Die Exportkreditgarantien stehen allen deutschen Unternehmen und ­Banken offen. Es gibt keinen Mindestauftragswert, sodass auch Unternehmen mit kleineren Auslandsgeschäften Hermes­deckungen in ihre Risikosteuerung aufnehmen können.

Eine breite Palette unterschiedlicher ­Deckungsformen ermöglicht die maß­geschneiderte Absicherung von Export­geschäften. In der Regel handelt es sich um Deckungsformen, die erst für die Zeit nach dem Versand beziehungsweise nach der Auslieferung der Waren gedacht sind. Doch gerade im Spezialmaschinenbau bestehen schon während der Produktionszeit Risiken, weil diese Maschinen nur mit erheblichen Einschränkungen anders genutzt werden könnten. Mit einer Fabrikationsrisikodeckung schützen sich Produzenten vor einem Zahlungsausfall in dieser Phase.

Wenn ausländische Kunden Vorkasse oder Zahlung bei Lieferung nicht akzeptieren, ­erleichtert eine Lieferantenkreditdeckung den Vertragsabschluss. Einerseits erhalten die Besteller die Lieferung zu Kreditbedingungen, andererseits eröffnen sich dem Exporteur zusätzliche Möglichkeiten für die Refinanzierung. Die Hermesdeckung schützt nämlich nicht nur vor dem Zahlungsausfall, sondern sie macht auch eine Forderung bei Verkauf oder Forfaitierung (Ankauf von Forderungen unter Verzicht auf einen Rückgriff gegen den Verkäufer) bei Zahlungsausfall deutlich werthaltiger.

Für Projekte, die einen signifikanten Anteil des Jahresumsatzes stellen oder durch ihre Laufzeit ein Unternehmen zu lange binden, kann eine gemeinsame Lösung mit einer Bank gefunden werden. Dabei übernimmt die Bank den Kredit gegenüber dem Auslandskunden, und der deutsche Exporteur erhält die Kaufpreiszahlung direkt bei Lieferung. Die Bank wiederum sichert den Kredit mit einer Exportkreditgarantie ab. In diesem Fall braucht die Bank den Kredit nicht mit Eigenkapital in der eigenen Bilanz zu unterlegen. Interessant ist diese Variante jedoch auch für den Auslandskunden, denn oft können mit diesem Finanzierungspaket ausgesprochen attraktive Konditionen angeboten werden.

Unternehmen, die Halbfertigprodukte oder Rohwaren vertreiben, suchen oftmals eine Lösung, um die Lieferung ins Ausland auf einfache und doch flexible Art und Weise abzusichern. Dies ist mit den verschiedenen Sammeldeckungsformen leicht zu realisieren. Am häufigsten setzen Exporteure die Ausfuhr-Pauschal-Gewährleistung (APG) ein, zu der es zusätzlich eine Light-Variante für geringere Auslandsumsätze gibt. Beide Hermesdeckungen sind für Lieferungen zu kurzfristigen Zahlungsbedingungen gedacht. Ausländische Kunden in mehreren Ländern sowie jeweils mehrere Lieferungen werden in einer APG zusammengefasst abgesichert. Zunächst wird ein Rahmenvertrag mit einjähriger Laufzeit abgeschlossen. Danach muss für jeden Kunden einzeln der prognostizierte Jahresumsatz als Limit beantragt werden. Erst mit Bestätigung des Limits sind die Waren gegen den Zahlungsausfall abgesichert, und der Weg für die Lieferung ist frei.
Gero Winkler
gero.winkler@hk24.de
Telefon 36138-292

Informationen

Seit August 2009 dürfen übergangsweise Lieferungen mit einer Kreditlaufzeit von bis zu 24 Monaten in Länder der EU sowie der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) mit Hermesdeckungen abgesichert werden. Dies ist eine Reaktion der EU-Kommission auf die Finanzmarktkrise, weil kein ausreichendes Angebot der privaten Kreditversicherungen mehr bestand. Die Regelung ist zunächst bis Ende 2010 befristet. Schon zu Beginn der Krise hat die Bundesregierung die Unterstützung der Exportwirtschaft mit Exportkreditgarantien erweitert. Der Selbstbehalt, der für jede Hermesdeckung von den Exporteuren zu tragen ist, kann bei wirtschaftlichen Schäden von 10 bis 15 Prozent auf 5 Prozent gesenkt werden, wenn der Exporteur einen Aufschlag auf die Prämie zahlt. Weitere Maßnahmen sind die Erweiterung des Avalrahmens auf 300 Millionen Euro je Unternehmen und die Einführung einer Akkreditivbestätigungsrisikogarantie.

hamburger wirtschaft, Ausgabe Mai 2010