Handelskammer Hamburg 2010

< zurück

Antriebstechnologie

Grüne Alternative

Alternativ angetriebene Autos sparen Geld und sind zugleich umweltfreundlich. Bei Unternehmen spielen sie eine immer größere Rolle, doch bis zum Masseneinsatz ist es noch ein weiter Weg.
Steve Lawerenz ist einer der wenigen Menschen, die in Hamburg bereits leise und abgasfrei fahren. Täglich ist er mit seinem Kleinlaster „Ecocarrier“ für die Stadtreinigung unterwegs, um im Stadtteil St. Georg für Sauberkeit zu sorgen. Das Besondere: Das ­Auto fährt mit Stromantrieb, statt eines Benzinmotors hat es eine Bleigel-Batterie an Bord. „Diese Batterien werden mit Strom ­geladen, den wir aus unseren Solar- und Windkraftanlagen ins Netz speisen“, sagt Thomas Maas, Abteilungsleiter Technischer Service bei der Stadtreinigung. „Als größter kommunaler Energieerzeuger wollen wir uns so an der Entwicklung alternativer Antriebe beteiligen.“ Theoretisch könnte der ­„Eco­carrier“ an jeder beliebigen Steckdose aufgeladen werden. Noch befindet sich das Elektroauto, das eine Reichweite von 50 ­Kilometern und eine Höchstgeschwindigkeit von 75 Stundenkilometern erreicht, in der Testphase, doch langfristig wird es die Zukunft der Stadtreinigung bestimmen.

Immer mehr Firmen setzen auf eine umweltschonende Antriebstechnologie. Hohe Benzinpreise, knapper werdende Ressourcen und drohender Klimawandel haben zu einem ­Umdenken geführt. Schon jetzt arbeiten ­Autohersteller weltweit daran, die Leistungsfähigkeit alternativer Antriebe zu verbessern.

Dass sich dabei Umweltengagement und Wirtschaftlichkeit nicht widersprechen müssen, zeigt die Hamburger Hochbahn: Neun Wasserstoffbusse, die vorwiegend im Stadtbereich auf der Linie 6 verkehren, hat das ­Unternehmen seit 2003 im Einsatz – und machte damit ausgesprochen gute Erfahrungen. So beförderten die Citaro-Busse auf ­bislang etwa 500 000 zurückgelegten Kilometern rund 1,5 Millionen Passagiere und sparten dabei 625 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) ein. Ein Erfolg, der sich sehen ­lassen kann – und der ab Mitte des Jahres noch weiter ausgebaut wird. Eine neue Technologie soll bewirken, dass die Busse mit der gleichen Energiemenge statt nur 220 künftig bis zu 450 Kilometer fahren können.

Doch trotz der Fortschritte auf diesem Gebiet fehlt es bundesweit an einer Infrastruktur, die ­einen flächendeckenden Erfolg der Wasserstofftechnologie ermöglicht. Allein in ­Hamburg gibt es derzeit nur zwei Wasserstofftankstellen – im Sommer wird in der ­Hafencity eine dritte eröffnet. Viel zu wenig, um den Bedarf zu decken. Experten sehen die Zukunft der Mobilität deshalb beim Elektroantrieb.

Davon geht auch die Bundesregierung aus. Sie will, dass bis zum Jahr 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen unterwegs sind. Um dieses Ziel zu erreichen, hat sie acht Modellregionen für Elektromobilität ins Leben gerufen, die anteilig mit Mitteln aus dem Konjunkturprogramm II unterstützt werden. Hamburg ist eine dieser Regionen und bekommt neun Millionen Euro. Kürzlich haben Senat, Hochbahn, Vattenfall und einige andere Hamburger Unternehmen dafür das Projekt „hh=more“ ins Leben gerufen. Ziel: Bis 2020 sollen auf den Straßen der Hansestadt 100 000 Elektrofahrzeuge rollen.

„Im kommenden Jahr wollen wir ein Pilotprogramm mit 70 Elektroautos starten, die im Stadtgebiet vorzugsweise bei Behörden, ­Kurierdiensten und ausgewählten Unternehmen zum Einsatz kommen“, sagt Peter Lindlahr, Geschäftsführer der Hysolutions GmbH, die als Leitstelle für das Projekt arbeitet. Weitere Unternehmen sollen durch Fördermittel beteiligt werden. Erst in einigen Jahren könnten dann auch Privatpersonen – etwa per ­Carsharing – in die umweltfreundlichen Fahrzeuge einsteigen. Der Strom dafür soll aus ­regenerativen Quellen kommen, das Tanken an den Säulen über alle Stromanbieter abgerechnet werden können. Ein Ansatz, der Hoffnung macht. Dennoch setzen Unternehmen bislang vor allem auf Mischantriebe, die zwei Antriebsarten miteinander verbinden.

So etwa Hamburg Wasser. Seit 2008 setzt der Wasserver- und -entsorger bei 75 Fahrzeugen Erdgasantriebe ein. Die Erdgasfahrzeugflotte ist nicht nur die größte der Stadt, sondern das Unternehmen arbeitet auch an einer speziellen Technologie, Bioerdgas aus Klärschlamm zu gewinnen. „So können wir in unseren Fahrzeugen künftig einen Kraftstoff einsetzen, der als Abfallprodukt bei der Abwasserreinigung entsteht“, so Fuhrparkleiter Helge Raddatz. Pro Jahr spart Hamburg ­Wasser bei gleicher Fahrleistung insgesamt rund 40 000 Euro an Spritkosten ein. Die Erdgasfahrzeugflotte stößt zudem 25 Prozent weniger CO2 aus als benzinbetriebene Autos, die Emission von Schwefeldioxid und anderen Abgasen entfällt ganz. Zudem besteuert der Staat Erdgasautos günstiger als Dieselfahrzeuge. Dennoch sieht Hamburg Wasser den Erdgasantrieb nur als Zwischenlösung. ­Raddatz: „Es bleibt weiterhin unser Ziel, langfristig auf Elektromobilität zu setzen.“
Heiko Meinssen
redaktion@hamburger-wirtschaft.de
Telefon 36138-305

hamburger wirtschaft, Ausgabe Mai 2010