Handelskammer Hamburg 2010

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Straßenbau

Ohne geht es nicht

Sobald die Stadt Straßenbauarbeiten durchführen lässt, bekommen es vor allem die Gewerbetreibenden zu spüren: Parkplätze entfallen, Kunden bleiben weg, Lieferfahrzeuge werden behindert. In vielen Fällen kann die Handelskammer erfolgreich vermitteln.
Derzeit werden Hamburgs Autofahrer auf vielen Routen auf eine harte Probe ­gestellt. Nicht nur am Hafenrand, in der ­Speicherstadt und in der Hafencity kommt es durch Straßenbauarbeiten zu erheblichen ­Behinderungen, sondern auch an anderen wichtigen Punkten wie zum Beispiel der ­Bürgerweide und der Zweibrückenstraße vor den Elbbrücken. Das Hamburger Straßennetz umfasst eine Gesamtlänge von rund 3?900 ­Kilometern. Zuweilen muss es erneuert oder umgebaut werden, da es den Anforderungen nicht mehr gerecht wird. Allein auf dem etwa 550 Kilometer langen Hauptverkehrsstraßennetz finden täglich im Schnitt rund 100 Baumaßnahmen unterschiedlicher Art statt. Über diese Arbeiten wacht die Koordinierungsstelle für Baumaßnahmen im Hauptverkehrsstraßennetz bei der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt. Die Handelskammer erhält von den Bezirksämtern sowie vom Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer alle Straßenumbauplanungen zur Stellungnahme, sodass sie ihren Einfluss gegebenenfalls schon in der Planungsphase geltend machen kann, wenn es beispielsweise um Parkmöglichkeiten im öffentlichen Raum, um ausreichend dimen­sionierte Grundstückszufahrten und die Kapazität von Taxenposten geht. Wenn nötig, geht die Handelskammer auch direkt auf betroffene Betriebe zu und stimmt mit diesen die ­Interessenslage vor Ort ab.

Geplant und gebaut wird aber nicht nur an der Oberfläche, sondern auch unter der Erde, wo unter anderem viele Ver- und Entsorgungsleitungen liegen. Werden diese erneuert, steht den Anliegern oft für Wochen oder Monate nur ein eingeschränkter Straßenraum zur Verfügung: Geänderte Verkehrsführungen erschweren die Erreichbarkeit, und Parkmöglichkeiten gehen verloren. Besonders hart trifft es in der Regel Gewerbetreibende mit Kunden- und Lieferverkehr. Oft sind Umsatzeinbußen die Folge, im schlimmsten Fall sogar die Aufgabe des Betriebes. Im Gegensatz zu Gas-, Wasser-, Strom- und Kommunikationsleitungen, die meist dicht unter den Geh­wegen liegen, befinden sich die Abwasser­leitungen, in Hamburg Siele genannt, fast immer tief unter den Straßen. Deshalb sind es gerade Sielbauarbeiten, die sich über Monate erstrecken können und damit erhebliche Beeinträchtigungen verursachen. Aus diesem Grund informiert die Hamburger Stadtentwässerung die Handelskammer rechtzeitig über sämtliche anstehenden Projekte. Sind im Rahmen der Bauarbeiten größere Behinderungen für die gewerblichen Anlieger zu erwarten, stimmt sich die Handelskammer mit den verant­wortlichen Planern über eine gesonderte und frühzeitige Information der Gewerbe­treibenden ab.

Größere Baumaßnahmen werden den Anwohnern in der Regel relativ kurzfristig durch Handzettel oder Aushänge angekündigt, die auch die verantwortlichen Personen nennen, an die Betroffene sich bei Problemen wenden können. Aber auch die Handelskammer steht bei Problemen als Ansprechpartnerin zur ­Verfügung. Sie tritt als Vermittlerin auf und versucht umgehend, gemeinsam mit den Verursachern und gegebenenfalls mit der Polizei eine Lösung zu finden. Das ist nicht immer einfach, denn auch die Kammer kann Baustellen nicht verhindern oder beseitigen. Aber die Vergangenheit hat gezeigt, dass im Einzelfall immer wieder auch kleine Verbesserungen erreicht werden können, die zur Entspannung der Lage vor Ort beitragen und somit den ­betroffenen Unternehmen helfen.
Claus Tiedemann
claus.tiedemann@hk24.de
Telefon 36138-380

Informationen


Für die Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes muss der Obere Landweg in Bergedorf den neuen Verkehrsverhältnissen angepasst werden. Die Handelskammer erhielt die Umbaupläne zur Abstimmung. Über das Geodaten-Informationssystem „Musis“ wurden die vor Ort ansässigen Mitgliedsunternehmen ermittelt. Dabei stellte sich heraus, dass ein benachbarter Getränkehandel durch die Planung unmittelbar betroffen war. Die Handelskammer nahm sofort Kontakt mit dem Inhaber auf. Es zeigte sich, dass die vorgesehene Fahrbahnverengung dazu geführt hätte, dass Lieferlastzüge das betreffende Grundstück nicht mehr hätten verlassen können. Die Handelskammer konnte sich erfolgreich für den Getränkehändler einsetzen und erreichte eine Rücknahme der angedachten Fahrbahnverengung.

Um den Radverkehr zu fördern, wurde der zu schmale Radweg im Hofweg durch einen markierten Schutzstreifen auf der Fahrbahn ersetzt. Zuvor war die Handelskammer zu einer Stellungnahme aufgefordert worden. Die Durchsicht der Pläne sowie eine Ortsbegehung zeigten gravierende Planungsmängel auf: Der Radweg sollte unmittelbar vor einem Lebensmittelmarkt auf die Fahrbahn verschwenkt werden, dadurch wäre die gesamte Ladezone entfallen. Zudem sollte der Taxenposten im Hofweg verkleinert werden. Die Probleme wurden mit dem Kaufmann und dem Taxengewerbe besprochen, und am Ende konnte sich die Handelskammer in beiden Fällen erfolgreich einsetzen: Aufgrund einer Verschiebung der Radwegableitung blieb der Großteil der bisherigen Ladezone vor dem Lebensmittelmarkt erhalten, und auch der Taxenposten blieb unverkürzt.

hamburger wirtschaft, Ausgabe November 2010