Produktionsstopp trotz voller Bücher

Konjunkturumfrage zum Ende des viertel Quartals 2022: Geschäftslage und -erwartungen

Lieferengpässe und Fachkräftemangel sind laut aktueller Konjunkturbefragung für einen Großteil der Hamburger Unternehmen ein Hauptproblem. (4. Februar 2022, HW 1/2022)

Die Lage der Hamburger Wirtschaft erweist sich weiterhin als stabil, wie die Konjunkturumfrage der Handelskammer zum Ende des vierten Quartals 2021 belegt. Im Großen und Ganzen bewerten die 616 befragten Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage insgesamt sogar etwas besser als im Quartal zuvor. Gleichwohl darf dieses Ergebnis nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Herausforderungen, vor denen sie derzeit stehen, enorm sind und die wirtschaftlichen Aussichten für 2022 trüben. Im Herbst noch war man davon ausgegangen, das Tal sei durchschritten und die Konjunktur ziehe wieder voll an. Doch dann kam Omikron – und mit dieser neuen Corona-Variante wieder einmal Unsicherheit.

Dem aktuellen Konjunkturbarometer ist zu entnehmen, dass für sechs von zehn Betrieben der Fachkräftemangel zu den größten Risiken ihrer wirtschaftlichen Entwicklung gehört. Ungünstige Rahmenbedingungen wie Corona-Maßnahmen, Verkehrspolitik oder Lieferprobleme hemmen knapp die Hälfte der befragten Betriebe.

Lieferengpässe schwächen den Außenhandel

„Gerade die Lieferengpässe schwächen den Außenhandelsstandort Hamburg enorm“, sagt Dr. Malte Heyne, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer. Sie führen bei den meisten Unternehmen zu höheren Einkaufspreisen (67 Prozent), längeren Wartezeiten (57 Prozent) und erhöhtem Planungsaufwand (45 Prozent). Bei 14 Prozent muss die Produktion gedrosselt oder gestoppt werden. „Einige Unternehmen“, so Heyne „haben volle Auftragsbücher, müssen ihre Mitarbeiter aber trotzdem in Kurzarbeit schicken, weil das Material nicht ankommt.“

Laut Hamburgischem WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) dürften die durch Corona-Krise und Lieferenpässe ausgelösten Produktionsausfälle in diesem und im nächsten Jahr allerdings sukzessive aufgeholt werden. „Wir gehen nach wie vor von einem Wirtschaftswachstum von 3,5 Prozent für 2022 und von 2,5 Prozent für 2023 aus, wenn die Aufholeffekte nachlassen“, sagt HWWI-Geschäftsführer Dr. Dirck Süß. „Immer vorausgesetzt, dass sich die Lage nicht gravierend verändert.“ Gemeint sind zum Beispiel weitere und noch gefährlichere Corona-Varianten oder internationale Konflikte, die sich unmittelbar auf die Entwicklung bei uns auswirken könnten. „Die globalisierte Wirtschaft“, so Süß, „ist ein sehr empfindliches System, das leicht aus dem Gleichgewicht gerät.“

Laut aktuellem Konjunkturbarometer weist der Geschäftsklimaindikator für die Hamburger Wirtschaft auf einer Punkteskala von 0 bis 200 mit 114,8 Punkten zum Jahresende 2021 einen um zwei Punkte geringeren Wert als bei der Befragung ein Quartal zuvor aus. „Dieser leichte Rückgang ist auf schlechtere Einschätzungen zur künftigen Geschäftslage zurückzuführen, die nicht durch die zugleich etwas besseren Bewertungen der aktuellen Geschäftslage kompensiert werden“, sagt Dr. Torsten König, der in der Handelskammer für die Konjunkturbefragungen zuständig ist. Das aktuelle Geschäftsklima liegt noch immer oberhalb des langfristigen Mittelwertes für die Hamburger Wirtschaft (108,2 Punkte) und des Vorkrisenniveaus (108,3 Punkte zum Ende des vierten Quartals 2019).

Geschäftsaussichten für 2022 verhalten optimistisch

„Die Geschäftsaussichten für 2022 sind alles in allem verhalten optimistisch“, konstatiert König. „Während 27,3 Prozent der Unternehmen eine Verbesserung ihrer Geschäftslage in den kommenden zwölf Monaten erwarten, gehen 19,1 Prozent von einer Verschlechterung aus.“ Die meisten Unternehmen (53,6 Prozent) rechnen damit, dass sich das aktuelle Geschäftsjahr in etwa wie 2021 entwickeln wird. Bei der Betrachtung einzelner Branchen sticht insbesondere der Optimismus im Verkehrsgewerbe (Saldo: +22,6) und im Finanzsektor (+28,3) hervor.

Die Exportaussichten der Hamburger Wirtschaft für das Jahr 2022 sind generell zuversichtlich: Von den international engagierten Unternehmen gehen zum Ende des vierten Quartals 2021 36,5 Prozent von einer Erhöhung und 13,4 Prozent von einer Verringerung ihrer Exporte in den kommenden zwölf Monaten aus. Drei Monate zuvor waren allerdings die Exportaussichten sowohl im hiesigen Verarbeitenden Gewerbe (aktueller Saldo: +26,5; Vorquartal: +44,9) als auch bei Dienstleistern mit internationalem Geschäft (aktueller Saldo: +13,9; Vorquartal: +19,8) optimistischer. fs

Das vollständige Konjunkturbarometer ist abrufbar unter www.hk24.de/konjunktur, Informationen vom HWWI unter www.hwwi.org. Mehr zum Thema Lieferengpässe in der Rubrik „Pro & Kontra“.

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