Handelskammer Hamburg 2006

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Hamburg Summit

Das Tor zum Reich der Mitte

Hamburg ist Chinas wichtigster europäischer Handelspartner. Diese Stellung auszubauen und weiter bekannt zu machen, ist Ziel des Gipfeltreffens „Hamburg Summit“: Vom 13. bis 15. September treffen sich hochrangige chinesische und europäische Teilnehmer aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik in unserer Handelskammer, darunter der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao.

Chinas Wirtschaft boomt, und der Standort Hamburg profitiert davon: Mit über 400 chinesischen Firmen ist Hamburg europaweit der wichtigste Standort für Unternehmen aus dem Reich der Mitte. Hamburg ist für die Volksrepublik der bedeutendste Hafen auf dem Kontinent, und umgekehrt ist auch China der für den Hamburger Hafen mit Abstand bedeutendste Handelspartner. Der Hafenumschlag mit der Volksrepublik wächst seit mehreren Jahren um fast 30 Prozent jährlich – und das von einem hohen Niveau aus. Gerade für Nord-, Mittel- und Osteuropa hat Hamburg eine zentrale Rolle im Chinaverkehr, denn für eine Vielzahl der Container, die dort abgesetzt werden, ist die Hansestadt Transitstation und Verteilzentrum. Damit ist ein bedeutender Teil der rund 150000 mit dem Hafen verbundenen Arbeitsplätze vom Chinahandel abhängig. Auch der Warenaustausch zwischen Hamburg und China expandiert: Hamburger Unternehmen importierten und exportierten im Jahr 2005 Waren im Wert von 5,7 Milliarden Euro aus und nach China – im Vergleich zu 2001 ein Plus von fast 50 Prozent. Nicht eingerechnet in diesen Wert sind der Transithandel und die Geschäftsabschlüsse, welche über die Niederlassungen Hamburger Firmen in China verbucht werden.

Zudem werden in keinem anderen Hafen Europas mehr Container im Verkehr mit China umgeschlagen als in Hamburg: 2005 waren es rund 25 Prozent der mehr als acht Millionen Standardcontainer-Einheiten (TEU) mit jährlichen Steigerungsraten von knapp 30 Prozent. Insgesamt, so eine Untersuchung des Ostasiatischen Vereins (OAV) aus dem Jahr 2004, lässt sich sagen, dass „Hamburg der führende Standort in Europa für den Handel mit China“ ist. Doch diese international herausragende Rolle Hamburgs ist international noch viel zu wenig bekannt. Und die Konkurrenz schläft nicht. So hat sich Düsseldorf selbst zur „China-Town“ ausgerufen und investiert erhebliche Mittel in den Ausbau der Beziehungen. Der „Hamburg Summit“ soll dies ändern: Europäische und chinesische Meinungsmacher und Unternehmer werden drei Tage lang in unserer Stadt diskutieren und sich ein eigenes Bild von der Hamburger China-Kompetenz machen.

Der „Hamburg Summit“ wird den unternehmerischen Dialog zwischen Hamburg und China intensivieren und die bereits heute guten wirtschaftlichen Beziehungen weiter voranbringen. Neben hochrangigen Rednern aus europäischer Wirtschaft, Wissenschaft und Politik ist es auch gelungen, die Spitzen der Regierung in Peking und führende chinesische Unternehmer für den Summit zu gewinnen. So gehören zu den Teilnehmern der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao und Yang Yuanqing, der Vorstandsvorsitzende des weltweit drittgrößten Computerherstellers Lenovo, der kürzlich die PC-Sparte von IBM übernommen hat.

Die intensiven Kontakte Hamburgs zu China verschaffen Hamburger Unternehmen einen strategischen Vorteil. Gerade in der Volksrepublik kommt es auf „Guanxi“ an – die berühmten „guten Beziehungen“. Diese sind einerseits traditionell Basis für Geschäfte in dem asiatischen Land, andererseits sind sie wichtig in einem Umfeld von immer noch mangelnder Rechtssicherheit. Für den, dem es gelingt, Guanxi und damit langfristige Geschäftsbeziehungen aufzubauen, wird das Risiko, in China zu scheitern, kleiner. Diesen Vorteil Hamburgs gilt es zu nutzen und weiter auszubauen.

Die Volksrepublik enthält für Hamburg auch in den kommenden Jahren ein großes Potenzial für die Ausweitung der Wirtschaftsbeziehungen. Dies aus drei Gründen:

  • China ist eine starke Exportnation, wobei hiesige Importe aus der Volksrepublik zurzeit in in erheblichem Umfang Waren ersetzen, die früher aus anderen Ländern importiert wurden, beispielsweise im Bereich der Unterhaltungselektronik. Auf einigen Gebieten befindet sich China auch im direkten Wettbewerb mit europäischen Produzenten. Aufgrund seines technologischen Vorsprungs, seiner Erfahrung und seiner Forschungsinfrastruktur kann Europa aber auch langfristig seine Position als Weltmarktführer im Bereich Investitionsgüter und Hochtechnologie-Produkte halten. Dazu muss es Europa gelingen, die jetzige Forschungsleistung und Wachstumsdynamik mindestens zu halten.
  • China als Markt für europäische Produkte. Sicher ist, dass bestimmte Schichten in China in China mittelfristig das Wohlstandsniveau Europas erreichen. In Bezug auf die absolute Wirtschaftskraft ist das Land bereits heute auf dem Niveau Großbritanniens. Mit steigender Kaufkraft wird sich sein Bedarf an hochqualitativen Produkten erhöhen, beispielsweise aus dem Bereich der Medizintechnik, der Umwelttechnik, der Fahrzeugtechnik oder der Elektrotechnik. Hier bieten sich in Zukunft gute Exportchancen für europäische Unternehmen.
  • Europa als Standort chinesischer Unternehmen. Wenn China den prognostizierten Weg geht, werden immer mehr chinesische Unternehmen Niederlassungen in Europa aufbauen. Die Regierung in Peking unterstützt die Internationalisierung ihrer Unternehmen massiv mit ihrem „Going Abroad“-Programm. Diese Entwicklung – die japanische, spanische oder südkoreanische Unternehmen wie Toyota, Olympus, Zara, und Hyundai bereits vollzogen haben, wird mittelfristig in Europa Arbeitsplätze und Wertschöpfung schaffen.

Bestes Beispiel für den Beginn dieser Entwicklung ist der Boom chinesischer Firmen-Niederlassungen in Hamburg, wobei neben hafenorientierten Unternehmen wie Cosco und China Shipping auch chinesische Großkonzerne wie Baosteel ihren Europasitz in Hamburg haben. Umgekehrt setzt China bei seiner Entwicklung nicht nur auf Hamburger Produkte, sondern auch auf Hamburger Know-how im Dienstleistungssektor, wie beispielsweise bei der Planung der Stadt „Lingang New Town“ in der Nähe von Shanghai. Um bedeutender Chinastandort zu sein, muss es zudem gelingen, als europäisches Kompetenzzentrum für das Chinageschäft wahrgenommen zu werden. Auch hier spielt der „Hamburg Summit“ eine tragende Rolle: Zum einen kann chinesischen, deutschen und europäischen Entscheidern gezeigt werden, dass Hamburgs Unternehmen die idealen Partner im Chinageschäft sind: Sie kennen die chinesische Mentalität seit langem und können auf eine vielfältige Chinaorientierte Infrastruktur zurückgreifen, beispielsweise die Hamburg-Repräsentanz in der Partnerstadt Shanghai. Zum anderen zeigt die Themenwahl des Summit, dass Hamburg bereit ist, China auf dem Weg zu einer modernen, wohlhabenden und umweltbewussten Nation zu unterstützen.

Zudem muss sich Hamburg klar positionieren, wenn es um handelspolitische Fragen geht. Gerade die Hansestadt hat wie wenige andere Regionen auf der Welt die Erfahrung gemacht, dass fairer Handel und die Einhaltung internationaler Normen die Grundvoraussetzung für den Wohlstand von Menschen, Städten und Nationen bilden. Dies ist eine Erfahrung, die auch Deutschland in den vergangenen Jahren gemacht hat: Wirtschaftswachstum war nur auf Basis steigender Außenbeiträge möglich. Insofern wird der Hamburg Summit auch dazu dienen, gemeinsame Positionen der europäischen und chinesischen Wirtschaft zu entwickeln. China hat zwar im Zuge der Aufnahme in die WTO erhebliche Anstrengungen unternommen, sich als fairer Wettbewerber in den Welthandel zu integrieren. Dennoch sind noch viele Probleme zu lösen. Schwierig bleiben etwa der Dienstleistungssektor, die Rechtssicherheit – beispielsweise in Bezug auf den Schutz geistigen Eigentums – und vor allem der Zugang zum chinesischen Absatzmarkt.

Gleichzeitig muss die Forderung nach besserem Marktzugang auch für die europäische Seite gelten. Sie darf nicht durch einseitige Abschottung bestimmter Sektoren konterkariert werden, denn dies bewirkt naturgemäß protektionistische Gegenreaktionen. Aus diesem Grund hatte unsere Handelskammer den EU-Handelskommissar Peter Mandelson bereits zu Beginn des „Textilstreits“ im September vergangenen Jahres eindringlich dazu aufgefordert, die China bei ihrem WTO-Beitritt aufgezwungene Textilschutzklausel nicht anzuwenden. Europäische Handels- und Industrieunternehmen, die zum Erhalt ihrer Wettbewerbsfähigkeit auf chinesische Importe angewiesen sind, werden so selbst Opfer von Antidumpingmaßnahmen der Gemeinschaft. Insofern muss auf dem Hamburg Summit auch deutlich werden, dass die EU-Antidumping-Verordnung grundlegend revidiert und an die neuen globalen Gegebenheiten bei Handel und Herstellungsprozessen angepasst werden muss.

Alexander Neunzig
alexander.neunzig@hk24.de
Telefon 36 13 8 285

Service for our readers

You will find an English translation of this article online at: www.hamburger-wirtschaft.de

Veranstaltungen

The Hamburg Summit: China meets Europe

Der „Hamburg Summit“ bringt vom 13. bis 15. September zum zweiten Mal über 350 Führungskräfte aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in der Handelskammer zusammen. Drei Tage lang werden die aktuellen Themen des chinesisch-europäischen Dialogs diskutiert, beispielsweise Chinas Bankensektor, die Herausforderungen im Umwelt- und Logistikbereich oder Chinas Stellung zu anderen ostasiatischen Wachstumsnationen. Zu den mehr als 50 hochrangigen europäischen und chinesischen Rednern gehören unter anderem Altbundeskanzler Kohl und der Gründungsvater des Stadtstaates Singapur, Lee Kuan Yew, sowie Jürgen Fitschen aus dem Vorstand der Deutschen Bank und Allianzvorstand Werner Zedelius. Vom chinesischen Industrieverband werden 40 Führungskräfte auf Vorstandsniveau nach Hamburg kommen. Aktuelle Informationen: www.hamburg-summit.com.

hamburger wirtschaft, Ausgabe September 2006