Handelskammer Hamburg 2007

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Hamburg Summit

China und Europa wieder im Dialog

Der erste Deutschland-Besuch einer hochrangigen Politiker-Delegation aus China nach der Tibet-Krise führte in die Handelskammer. Vize-Premierminister Zhang Dejiang sprach neben dem frisch gebackenen Kanzlerkandidaten der SPD, Frank-Walter Steinmeier, und EU-Kommissar László Kovács beim Opening Dinner des Hamburg Summit.

Die Signale waren eindeutig: „China ist Ihr Partner und nicht Ihr Rivale“, erklärte der stellvertretende Ministerpräsident Zhang Dejiang zum Auftakt des „Hamburg Summit: China meets Europe“ in der Handelskammer. Sein Land könne sich nicht ohne den Rest der Welt entwickeln, und das gelte umgekehrt genauso. Auch der deutsche Außenminister und Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier betonte, wie wichtig die Kooperation gerade in schwierigen Zeiten sei. „Die Welt ist auf der Suche nach einer neuen Ordnung, und ohne den Dialog wird sie diese nicht finden“, erklärte der Minister. Dafür biete der Gipfel in Hamburg eine ausgezeichnete Plattform. Der Besuch des stellvertretenden chinesischen Ministerpräsidenten beim Hamburg Summit war die erste offizielle Reise eines chinesischen Regierungsmitglieds nach den Verstimmungen in den europäisch-chinesischen Beziehungen wegen der Tibet-Krise. Dies macht die herausragende Bedeutung des Hamburg Summit für die europäisch-chinesischen Beziehungen deutlich.

Zum dritten Hamburg Summit kamen über 380 hochrangige Gäste aus China und Europa. Themenschwerpunkt war diesmal der Klima- und Umweltschutz, eine große Herausforderung sowohl für die schnell wachsende asiatische Volkswirtschaft wie auch für Europa. Außerdem diskutierten die Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft über die Handelsbeziehungen, den Banken- und Finanzmarkt in China sowie die Wachstumsaussichten der sogenannten BRIC-Staaten.

„Mit dem Hamburg Summit als fairer Plattform für den Dialog auf Augenhöhe bauen wir neue Brücken und beleben bestehende Beziehungen“, sagte Frank Horch, Präses der Handelskammer. Dass die Hansestadt, mit über 400 Unternehmen aus der Volksrepublik der größte chinesische Standort in Europa, hervorragende Voraussetzungen für einen partnerschaftlichen Dialog bietet, zeigten die Diskussionen immer wieder. „Wir setzen den Prozess des gegenseitigen Verstehens hier fort“, sagte der ehemalige französische Ministerpräsident Michel Roccard. Auch Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust betonte, „Hamburg ist das Kompetenzzentrum für China in Europa“. Für die französische Außenhandelsministerin Anne Marie Idrac ist „Partnerschaft das Schlüsselwort“ in den Beziehungen zwischen China und Europa. Der chinesische Markt sei einer der am stärksten umkämpften in der Welt, aber mit der richtigen Strategie könnten europäische Firmen erfolgreich sein. Das Potenzial beim Ausbau der Infrastruktur, der Energieversorgung und beim Umweltschutz ist riesengroß, das bestätigten die Vorträge und Diskussionen ausnahmslos.

Altbundeskanzler Helmut Schmidt appellierte in seiner Rede an die Europäer, nicht auf die Chinesen herabzuschauen, sondern voneinander zu lernen. Der gewaltige Fortschritt des Landes sei nur vor dem Hintergrund der großartigen Geschichte zu begreifen. Schmidt: „Mangelndes Wissen über Chinas historische Errungenschaften ist ein Grund für den fehlenden Respekt des Westens.“

Am letzten Tag des Hamburg Summit unterstrich der amerikanische Wirtschaftsnobelpreisträger Edmund Phelps noch einmal, wie wichtig der Aufstieg Chinas für die Weltwirtschaft ist: „Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass uns eine Periode mit mehr Innovationen als bisher bevorsteht.“ Und Singapurs Staatsgrüner Lee Kuan Yew ist sicher, die Regierung in Peking werde alles für eine stabile Entwicklung tun, denn „jedes Jahr in Frieden hilft ihnen, die Lücke zu den entwickelten Ländern zu schließen“.

Traditionell werden auf dem Hamburg Summit zwei Preise vergeben: Den „China-Europe Friendship Award“ erhielt Michel Rocard für seine Verdienste um die sino-europäische Verständigung. Den „China-Europe Sustainability Award“ bekam Xie Qihua, frühere Chefin des Stahlkonzerns Baosteel und Chairwoman des China Federation for Industrial Economics Präsidiums, für Ihren großen Einsatz für eine umweltfreundliche Produktion.

Rainer Hupe
redaktion@hamburger-wirtschaft.de
Telefon 36 13 8 305

Infos und Kontakte

Die Reden des Hamburg Summit sowie eine umfangreiche Fotogalerie finden Sie auf der Konferenzwebsite
www.hamburg-summit.com

hamburger wirtschaft, Ausgabe Oktober 2008