Handelskammer Hamburg 2009

< zurück

Schiedsgericht

Ein Jahr CEAC

Das vor einem Jahr gegründete Chinese European Arbitration Centre (CEAC) ist zwar noch jung, aber schon jetzt ein viel beachtetes Schiedsgericht.
Die Idee ist ganz einfach: Wirtschaftskonflikte zwischen Europäern und Chinesen sollen durch ein internationales Schiedsgericht gelöst werden, dem Parteien aus beiden Kulturkreisen vertrauen und das beide Seiten als kompetent und neutral ­akzeptieren können. Welcher Standort wäre hier besser geeignet als Hamburg oder „Hanbao“, wie die Chinesen sagen? Die Hansestadt ist wichtigster Standort für chinesische Firmen in Europa.

Da Hamburg auch ein weltweit anerkanntes Schiedsgerichtszentrum ist, stieß die Gründung des Chinese European Arbitration Centre im vergangenen Jahr auch in der Hamburger Wirtschaft auf großes Interesse. „Immer mehr Firmen schließen Verträge, wonach im Streitfall das CEAC angerufen werden soll“, sagt Rechtsanwalt und Mitinitiator Eckart Brödermann. Firmen schätzen die Einzigartigkeit des neuen Schiedsgerichtes, nämlich dass die CEAC-Gremien gleich stark mit Personen aus China, Europa und der Welt besetzt sind. So muss keine Partei fürchten, benachteiligt zu werden. Noch immer scheuen viele Vertragsparteien, ein Schiedsgericht im Land der jeweils anderen Partei zu akzeptieren. Selbstverständlich ist das Schiedsgericht so konzipiert, dass die Schiedssprüche, die wie ein Urteil verbindlich sind, sowohl in China als auch in Europa vollstreckt werden können.

Der erste Geburtstag des CEAC wurde mit einem Empfang und einer internationalen Konferenz, die Fragen der Schiedsgerichtsbarkeit mit chinesischen Partnern beleuchtete, in der Handelskammer begangen. Teilnehmer aus sieben Nationen und viele Hamburger Unternehmer hatten die Gelegenheit genutzt, Informationen zu sammeln und neue Geschäftskontakte zu knüpfen. Aber auch die umfangreichen Aktivitäten des CEAC im vergangenen Jahr können sich sehen lassen: Neben verschiedenen Informationsveranstaltungen und Vorstellungen des neuen Schiedsgerichtes unter anderem in Deutschland, China, Spanien, Großbritannien und den USA sind auch erste Kooperationsgespräche mit anderen Schiedsgerichtsinstitutionen aufgenommen worden. Im September wurde ein Kooperationsabkommen mit dem bekannten Hong Kong Inter­national Arbitration Centre unterzeichnet. Beide Schieds­gerichte unterstützen sich künftig gegenseitig, zum Beispiel bei der Suche nach geeigneten Schiedsrichtern und Sachverständigen. Auch gab es bereits verschiedene Gespräche mit der größten chinesischen Schiedsgerichts­institution, der CIETAC (China International Economic and Trade Arbitration Commission). Ein Kooperationsvertrag mit dieser Institution ist eines der anspruchsvollsten Ziele des CEAC für das kommende Jahr.

Großes Engagement zeigt das CEAC auch bei der Ausbildung und Unterstützung des Nachwuchses: Seit einem Jahr gibt es „Young CEAC“. Diese Initiative soll jungen Rechtsanwälten, Beratern, Professoren und Studenten die Möglichkeit eröffnen, sich schon in einem frühen Stadium ihrer Karriere im Bereich der Schiedsverfahren mit Bezug zu China zu engagieren. „Young CEAC“-Mitglieder können Fortbildungsangebote wie zum Beispiel Seminare und Konferenzen nutzen. Außerdem soll „Young CEAC“ zu einem Netzwerk von künftigen Experten werden und ein Kommunikationsmittel für regen Austausch zwischen jungen Juristen darstellen, das den kulturellen, rechtlichen und persönlichen Austausch zwischen China, Europa und der Welt unterstützt.

Petra Sandvoß
petra.sandvoss@hk24.de
Telefon 36138-343

Internet


Weitere Informationen und Muster für geeignete Vertragsklauseln unter www.ceac-arbitration.com/.

hamburger wirtschaft, Ausgabe November 2009