Handelskammer Hamburg 2010

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Hamburg Summit

Der Countdown läuft

Im November versammelt sich die Elite der sino-europäischen Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum vierten „Hamburg Summit: China meets Europe“.
Zum „Beginn einer Tradition“ erklärte Altkanzler Helmut Schmidt den dritten „Hamburg Summit: China meets Europe“ im Jahr 2008. Und er sollte recht behalten: Im November treffen sich erneut hochrangige Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, um über Fragen der sino-europäischen Zusammenarbeit zu diskutieren. Ins Leben gerufen von der Handelskammer im Jahr 2004, hat sich der „Hamburg Summit“ zur wichtigsten chinesisch-europäischen Konferenz mit Wirtschaftsbezug entwickelt.

Die letzte Konferenz im September 2008 war noch geprägt von der Aussicht des nahezu unbegrenzten Wachstums der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen: Diskussionsthemen wie „China – unbegrenztes Wachstum?“ standen auf der Tagesordnung. Nach einer Zeit diplomatischer Turbulenzen in den Beziehungen zu den europäischen Partnern nutzte die chinesische Regierung den letzten „Hamburg Summit“, um mit Vizepremier Zhang Dejiang erstmals wieder einen hochrangigen Vertreter nach Europa zu senden. Die Zeichen standen erneut auf Entspannung, und die Konferenz wurde ein voller Erfolg.

Drei Tage nach dem Summit brach die Investmentbank Lehman Brothers zusammen und in der Folge das Finanzsystem der westlichen Welt. Die Krise war da. Nach fast drei Jahrzehnten des Wachstums brach die Weltwirtschaft auf breiter Front ein. Mit der Horrorvision der großen Depression der 1930er-Jahre vor Augen, begannen die Regierungen auf der ganzen Welt, Rettungspakete zu schnüren. China allein pumpte 420 Milliarden Euro in seine Wirtschaft und konnte so die schlimmsten Effekte der Krise mildern.

Nachdem die wichtige Exportindustrie durch den Einbruch der Nachfrage im Westen schwer gebeutelt wurde, konnte die Gefahr einer Massenarbeitslosigkeit unter Wanderarbeitern durch diese staatlichen Hilfen gebannt werden. Doch die Abhängigkeit der eigenen Wirtschaft von den Entwicklungen im Ausland wurde den Chinesen einmal mehr bewusst. So wurde in China die rasche Entwicklung eines robusten Binnenmarktes zu einem wichtigen Ziel. Endlich, denn Analysten hielten dies schon lange als entscheidend dafür, die globalen Ungleichgewichte im Handel auszugleichen. Ob allerdings der chinesische Markt der Rettungsanker der Weltwirtschaft sein kann, bleibt abzuwarten. Der diesjährige „Hamburg Summit“ wird dieser Frage ein eigenes Diskussionsforum widmen.

Insgesamt scheinen sich, beschleunigt durch die Krise, die globalen Kräfteverhältnisse nach Asien und seiner Führungsmacht China zu verschieben. Das von vielen beschworene asiatische Jahrhundert scheint bevorzustehen und die 500-jährige westliche Vorherrschaft zu Ende zu gehen. Besonders im wirtschaftlichen Bereich vollzieht sich der Wachwechsel rapide. Welche Schlussfolgerungen aus dieser Entwicklung zu ziehen sind und wie ein nachhaltiges Wachstum für Europa und China möglich sein kann, wird eine weitere Fragestellung des China-Gipfels sein. Ein anderes Thema, das im sino-europäischen Dialog seit Jahren ganz oben steht, ist der Umweltschutz. Durch die Krise war er zwar ein wenig in den Hintergrund getreten, durch die gescheiterte Klimakonferenz in Kopenhagen und Ereignisse wie die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko ist er aber wieder ins Bewusstsein gerückt. Wie also können Wirtschaftswachstum und Wohlstand für breite Bevölkerungsschichten gesichert und gleichzeitig die ökologische Balance des Planeten bewahrt werden? Durch die extreme Luftverschmutzung in den Städten und eine bedrohliche Wasserknappheit, verbunden mit fortschreitender Wüstenbildung, ist das Thema für China extrem relevant. Gleichzeitig muss das Land weiterhin Millionen von Menschen aus der Armut befreien. Europa kann dabei ein wichtiger Partner sein. Auch darüber wird im Rahmen des „Hamburg Summit“ diskutiert.

Während sich die Welt langsam aus dem Griff der Wirtschaftskrise löst, ist die Notwendigkeit des Dialogs zwischen Europa, dem größten Wirtschaftsraum der Welt, und China, der kommenden Supermacht aus Fernost, unverändert groß. Der „Hamburg Summit: China meets Europe“ wird dafür erneut eine hervorragende Plattform bieten.
Jonathan Vogelsang
jonathan.vogelsang@hk24.de
Telefon 36138-445

Informationen

Der „Hamburg Summit: China meets Europe“ findet vom 24. bis zum 26. November in der Handelskammer statt. Informationen unter www.hamburg-summit.com, Anmeldung unter info@hamburg-summit.com.


hamburger wirtschaft, Ausgabe September 2010