Auftrieb dank Pop-up-Stores

Kurzfristige provisorische Läden beleben den stationären Handel. Modedesignerin Julia Nützel von NYNOLIA erklärt, was zu beachten ist, damit ein Projekt Erfolgschancen hat.
Götz Wrage
Viel Licht und Raum für das Luxus-Label NYNOLIA: Bis Ende 2023 residiert der Pop-up-Store von Julia Nützel am Alten Wall.

Von Clemens Gerlach, 11. April 2023 (HW 2/2023)

Für Julia Nützel ist die Sache klar. „Mit dem Pop-up-Store habe ich die perfekte Lösung gefunden“, sagt die Gründerin der Luxus-Modemarke NYNOLIA. Ihr Unternehmen existiert erst seit Ende 2020, doch in der Hamburger City ist es bereits am zweiten Standort. Der Pop-up-Store startete im Reese-Haus, seit Anfang dieses Jahres ist er am Alten Wall beheimatet.

Nützels nachhaltig gefertigte „Spa Wear“ mit Capes und Kleidern aus Premium-Materialien wie Seide oder Kaschmir kommt hervorragend an, seit April nutzt sie sogar eine zusätzliche Fläche im nahen Alsterhaus. Die Designerin, die NYNOLIA gemeinsam mit Nikos Kotalakidis gegründet hat, schätzt das Prinzip der Pop-up-Stores, also die temporäre Nutzung sonst leer stehender Gebäude und Flächen, insbesondere für junge Unternehmen als sehr attraktiv ein. „Solch eine Präsentations- und Verkaufsfläche passt gut zur Testphase mit dem Aufbau der Firma und kann ein Sprungbrett sein“, sagt Nützel.

nynolia_c_Götz Wrage
Götz Wrage
Modedesignerin Julia Nützel schätzt das Prinzip der Pop-up-Stores.

Wie „La Tribune Noire“ – ein Pop-up-Store für schwarze Gewerbetreibende – oder die Modedesignerin Alina Klemm profitierte auch Nützel vom „Frei_Fläche“-Förderprogramm zur Bewältigung der Corona-Folgen. Dabei spielt die stadteigene Hamburg Kreativ Gesellschaft eine entscheidende Rolle. „Sie macht es so einfach wie möglich“, betont Nützel. Denn auch Pop-up-Stores müssen den gesetzlichen Anforderungen entsprechen. So ist etwa die Anmeldung eines Gewerbes notwendig, und Fragen wie Haftung für Personen- und Sachschäden oder die Rechtsform des Unternehmens müssen ebenfalls vorab geklärt werden. Um den Zuschlag für geförderte Räumlichkeiten zu erhalten, müssen Firmen, die sich darauf bewerben, laut Ausschreibung „ein aussagefähiges Nutzungskonzept“ vorlegen.

„Es ist sehr wichtig zu wissen, wo es mit der Firma hingehen soll. Ich kannte mein Ziel und war mir sicher, was ich wollte“, beschreibt Nützel ihr Erfolgsprinzip. Und damit aus dem Start-up ein florierendes Geschäft werden kann, ist noch ein weiterer Punkt wichtig: „Unbedingt darauf achten, dass der Pop-up-Store mit überschaubaren Mitteln umzusetzen ist. Man muss die Kosten im Blick haben.“

Je klarer umrissen die unternehmerischen Vorstellungen sind, desto besser. Denn was nützt ein noch so kreatives Konzept, wenn es nicht zur Location auf Zeit passt? Nützel wurde es im Verlauf ihrer Aktivitäten immer wichtiger, von der Kundschaft vor Ort ein direktes Feedback zu ihren Kreationen zu bekommen. Anfangs hatte sie ausschließlich auf einen Online-Shop gebaut.

„Ich finde es spannend, unterschiedliche Dinge auszuprobieren“, meint sie. So hatte sie in ihrem ersten Pop-up-Store noch andere Modemarken als heute im Sortiment – und setzt jetzt auf die Lichtkünstlerin Kathrin Geller: „Die Kombination passt gut!“ Auch mit dem Standort Alter Wall ist sie zufrieden. „Bis Ende dieses Jahres ist mein Shop bewilligt, so weit plane ich.“

Für Nützel hat sich das Experiment „Pop-up-Store“ also gelohnt. „Solche Läden sind ein belebendes Element in der City. Der Mix an Shops sorgt für Abwechslung und steigert die Attraktivität“, sagt die Unternehmerin. Davon haben schließlich alle etwas – kreative Unternehmen, innovationsfreudige Vermieter und das am Einkaufserlebnis im stationären Handel interessierte Publikum.

Mit Pop-up-Stores, die manchmal nur wenige Wochen laufen, soll Leerstand in städtischen Lagen begegnet werden. In Hamburg stellte die Stadt vor knapp zwei Jahren neun Millionen Euro aus Corona-Mitteln für das Förderprogramm Frei_Fläche zur Verfügung. Beteiligt sind die Finanz- und die Kulturbehörde, die Hamburg Kreativ Gesellschaft (HKG) und der Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG). Bewerben können sich Unternehmen aus Hamburgs Kunst- und Designszene. Weitere Informationen finden Sie hier. Die Kontaktaufnahme ist telefonisch (23724350) oder per E-Mail möglich.

Beteiligen Sie sich an der Diskussion:
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
Ihr Name wird mit ihrem Kommentar veröffentlicht.
Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.
Das Kommentarformular speichert Ihren Namen, Ihre E-Mail-Adresse und den Inhalt, damit wir die auf der Website abgegebenen Kommentare verfolgen können. Bitte lesen und akzeptieren Sie unsere Website-Bedingungen und Datenschutzerklärungen, um einen Kommentar abzugeben.
0 Kommentare
Inline Feedbacks
View all comments