Mit ihren Auslandshandelskammern (AHKs) verfügt Deutschland über eines der dichtesten internationalen Wirtschaftsnetzwerke. Es vertritt die Interessen der hiesigen Unternehmen an 150 Standorten in über 90 Ländern. Wie die drei Hamburg-Repräsentanzen in Dubai, Mumbai und Shanghai helfen die AHKs Betrieben bei Fragen zum Markteintritt, vermitteln Kontakte zu lokalen Unternehmen und bieten umfassende Länderinfos, etwa zu Rechts- und Zollfragen.
Gerade in Zeiten, da traditionelle internationale Märkte unter Druck stehen, sind Kreativität und Diversifikation gefragt – und Auslandsvertretungen stehen dabei manchmal im Zentrum des Geschehens. Zum Beispiel in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE).
Seit Ende Februar 2026 hält der Krieg der USA und Israels gegen den Iran die Region in Atem, denn der islamische Staat nimmt immer wieder auch strategische Ziele in den VAE ins Visier, um den eng mit dem Westen verknüpften Wirtschaftsstandort zu schwächen.
„Wenn man das erste Mal einen Raketenalarm erlebt“, sagt Kirsten Staab, „erwischt einen das emotional schon.“ Die studierte Islamwissenschaftlerin lebt seit 1998 am Persischen Golf und leitet seit 2008 die Hamburg-Repräsentanz in Dubai. Laut der Expertin steuerten ausländische Fluglinien die Region zeitweise kaum noch an, der Tourismus ist spürbar eingebrochen.
Doch jede Krise eröffnet auch Möglichkeiten, denn sie lenkt den Fokus auf Themen wie Resilienz und Diversifikation – zum Beispiel von Handelsrouten und Transportwegen. So setzt man in den VAE nun verstärkt auf die Schiene: Ende Juni wurde der erste Personenzugverkehr der Region eröffnet – von Abu Dhabi nach Dubai kommt man nun mit 200 km/h in 57 Minuten. Insgesamt wird das Netz elf Städte und Regionen per Zug verbinden.
Die Lage eröffnet damit auch Chancen für intensivere Beziehungen mit der Hansestadt und weitere Markteintritte von Unternehmen. Staab sieht hier vor allem drei Zukunftsfelder. Neben „Hamburgs Expertise bei der Verteidigung von und der Sicherheitstechnik in Häfen“ gehört dazu die intermodale Logistik, „denn diese ist nun auch in den VAE sehr gefragt“. Hamburg könne sich zudem „als europäischer Knotenpunkt für den Import und die Versorgung mit grünem Wasserstoff etablieren“.
Exportpapiere Welche Exportdokumente brauche ich für welchen Markt? Für die rechtssichere und effiziente Abwicklung internationaler Geschäfte und den grenzüberschreitenden Warenverkehr sind Exportdokumente wie Ursprungszeugnisse oder Carnets erforderlich. Diese erhalten sie beim Team Bescheinigungen der Handelskammer, das auch bei Fragen unterstützt. Neue Dokumentformate wie das volldigitale Ursprungszeugnis und das digitale Carnet-Verfahren erleichtern die Abwicklung erheblich. Mehr Informationen beim Team „Bescheinigungen“ (040 36138-703) und hier.
Die AHKs und die Repräsentanzen vor Ort sind dabei willkommene Gesprächspartner, da kaum jemand die jeweiligen Regionen so gut kennt wie sie. Meist sind sie bilateral besetzt: mit Deutschen und Fachleuten, die ihre Wurzeln im Land haben.
Starke Verbindungen für Ideen, die in die Welt hinauswollen, schafft aber auch die Handelskammer Hamburg, die regelmäßig zu unterschiedlichsten Ländern informiert. So gab es im September 2026 Infoveranstaltungen zu Brasilien, Indien, Mexiko, Malaysia und den Veränderungen im China-Geschäft.
Besondere Perspektiven bieten die neuen EU-Freihandelsabkommen mit Indien sowie den Philippinen, die vermutlich Anfang 2027 in Kraft treten sollen. Das Abkommen zwischen der EU und den südamerikanischen Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay (EU-Mercosur) ist seit Mai vorläufig in Kraft und schafft durch massiven Zollabbau eine der größten Freihandelszonen der Welt. Neue Verbindungen und Chancen auf neue Märkte schaffen auch Hamburger Delegationsreisen wie 2026 nach Finnland zum Thema Resilienz. Wer im Auslandshandel tätig ist, hat dank des AHK- und HK-Angebots umfassende Möglichkeiten, an Infos und Unterstützung zu kommen.
