Seit mehr als viereinhalb Jahren tobt der Krieg in der Ukraine. Doch mit Resilienz und Kreativität gelingt es dem Land, dem russischen Aggressor zu widerstehen. Trotz immenser Probleme gelang es, das Handelsvolumen mit Deutschland zu steigern: 2025 wurden hierzulande Waren im Wert von 3,1 Milliarden Euro aus der Ukraine importiert, so viel wie im Vorkriegsjahr 2021; im selben Zeitraum stieg der Wert der deutschen Ukraine-Exporte von 5,4 auf 9,26 Milliarden Euro.
Hilfe leisten Hamburger Unternehmen, die Produkte für die Ukraine zur Verfügung stellen wollen, können sich an Malte Koerth von der Handelskammer wenden. Auch für den kommenden Winter werden unter anderem wieder Generatoren benötigt. Aktuelle Spendenprojekte, für die weiter Unterstützung gebraucht wird, finden Sie auf der Seite von WeAreAllUkrainians. Privatpersonen können Sach- und Geldspenden an den Verein Hanseatic Help.
Zusätzlich zu Wirtschaftsbeziehungen entstanden menschliche Brücken, insbesondere durch die Aufnahme zahlreicher ukrainischer Flüchtlinge – in Hamburg allein sind es rund 37 000. Schon am 24. April 2022, zwei Monate nach Beginn der russischen Vollinvasion, besiegelten Hamburgs Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher und Kyivs Bürgermeister Vitali Klitschko den „Pakt für Solidarität und Zukunft“: eine Partnerschaft, die akute Krisenhilfe mit dem Ausbau wirtschaftlicher, kultureller und gesellschaftlicher Beziehungen verbindet. Koordiniert wird sie gemeinsam mit #WeAreAllUkrainians, der Handelskammer und Hanseatic Help.
Über den Pakt sind bislang Geld- und Sachleistungen im Wert von über 1,3 Millionen Euro nach Kyiv geflossen. Dazu gehörten etwa Generatoren im Wert von über 500 000 Euro: Diese halfen, die durch russische Angriffe massiv gestörte Stromversorgung im Winter 2025/26 aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig entwickeln sich mittelfristige Kooperationen: So wurde im vergangenen Frühjahr eine zehntägige Ferienfreizeit für 24 ukrainische Jugendliche in Hamburg organisiert, und im April fand ein zweites Wirtschaftsforum der Handelskammer mit dem ukrainischen Botschafter statt. Hinzu kamen Gesundheits- und Wasserversorgungsprojekte.
Auch Hamburger Unternehmen bleiben in der Ukraine aktiv. So hat die HHLA ihr 2001 übernommenes Containerterminal Odessa auch während des Kriegs fast durchgehend betrieben; seit Juli 2026 läuft der Seeverkehr aufgrund der Sicherheitslage allerdings nur sehr eingeschränkt. Seit September 2025 ist die HHLA zudem mehrheitlich am Bahnterminal Eurobridge in der Westukraine beteiligt. Hier werden Container und Getreide zwischen Zügen mit ukrainischer und europäischer Spurweite umgeladen – und über die Bahntochter METRANS an Europa angebunden.
In der Nachkriegs-Ukraine werden wir einen lang anhaltenden Boom erleben.
Reiner Perau
Interessant für potenzielle Investoren: Die von PricewaterhouseCoopers GmbH (PwC) im Regierungsauftrag verwalteten Investitionsgarantien des Bundes sichern deutsche Direktinvestitionen im Ausland gegen politische Risiken wie Krieg ab. Ende Juni 2026 bestanden 65 solcher Garantien für Geschäfte in der Ukraine (Deckungsvolumen: insgesamt 0,6 Milliarden Euro).
Investitionsdynamik sieht Reiner Perau, Vorstandsvorsitzender der Deutsch-Ukrainischen Industrie- und Handelskammer, derzeit vor allem in Baumaterialien, erneuerbaren Energien und der Verteidigungsindustrie. Besonders Letztere hat sich in der Ukraine rasant entwickelt: „Es gibt eine Reihe von Drohnenunternehmen“, sagt Perau, „die 2022 klein angefangen haben, um der Ukraine zu helfen. Vier Jahre später sind aus diesen Minifirmen Unternehmen mit über 1000 Mitarbeitenden geworden. Die denken jetzt in Dimensionen von NATO-Märkten. Dafür brauchen sie aber Kooperationspartner im Westen und schauen dabei auch auf den deutschen Mittelstand.“
Für Hamburger Unternehmen mit Hafen-, Logistik- oder Sicherheitskompetenz ergeben sich daraus mögliche Anknüpfungspunkte. Zum Zeithorizont bleibt Perau vorsichtig optimistisch: „In der Nachkriegs-Ukraine werden wir einen lang anhaltenden Boom erleben. Daher kann sich die Investition in den Markt lohnen. Man weiß nur eben nicht, wann der Boom losgeht.“
