„Als ich in Deutschland angekommen bin, habe ich anfangs sehr viel Ablehnung erfahren. Erst mit der Ausbildung bei BUDNI hat sich das geändert“, erzählt Mohammad Jawad Hussaini, der aus Afghanistan nach Deutschland kam und 2017 mit einem Praktikum bei BUDNI einstieg. Schritt für Schritt baute er eine Karriere bei der Hamburger Drogeriemarktkette auf, vom Mitarbeiter stieg er schließlich zur stellvertretenden Teamleitung des BUDNI-Markts im Überseequartier auf.
„Ich übernehme gern Verantwortung und kann meinen Kollegen helfen. Ich bin stolz darauf, dass mir die Position anvertraut wurde“, sagt der 36-Jährige, der sich heute maßgeblich darum kümmert, den Standort in der HafenCity weiterzuentwickeln und die Warenpräsentation zu verbessern.
Besonders am Herzen liegt ihm der Austausch mit Kundschaft und Mitarbeitenden. „Durch das viele Reden kann ich meine deutsche Sprache jeden Tag verbessern.“
Hussaini gehört zu den rund 2000 Mitarbeitenden aus insgesamt 94 Nationen, die in den 188 BUDNI-Filialen tätig sind. Für die Traditionsmarke ist eine internationale Belegschaft integraler Bestandteil der Unternehmenskultur.
„Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen, Sprachen, Lebenserfahrungen und Perspektiven bereichern unser Team täglich und spiegeln die weltoffene, vielfältige Gesellschaft wider, in der wir tätig sind“, erklärt BUDNI-Personalleiter Garvin Vollmer.
Dabei setzt sich das Unternehmen bewusst dafür ein, auch Menschen mit Fluchtgeschichte in den Arbeits- und Ausbildungsmarkt zu integrieren, etwa durch eine berufsbegleitende Sprachförderung sowie Hilfe bei bürokratischen Prozessen. Vorangetrieben wird dieses Engagement durch enge Kooperationen mit Jobcentern, Behörden, dem gemeinnützigen Verein „Arbeitsgemeinschaft selbstständiger Migranten e. V.“ (ASM) und dem bundesweiten Netzwerk „Unternehmen integrieren Flüchtlinge“.
Anlaufstelle Das Hamburg Welcome Center (HWC) ist die zentrale Anlaufstelle rund um die berufliche Integration. Sie richtet sich an Arbeitgeber und an Menschen aus dem Ausland, die beruflich nach Hamburg ziehen wollen oder schon hier sind. Das Gemeinschaftsprojekt von Wirtschafts- und Innenbehörde, Arbeitsagentur und Jobcenter unterstützt Firmen bei der Fachkräftegewinnung und ausländerrechtlichen Fragen. Zugewanderte erhalten Hilfe bei der Suche nach Arbeits-, Aus- und Weiterbildungsplätzen.
„Für uns ist Vielfalt kein modisches Zusatzprogramm“, betont Christoph Wöhlke, Geschäftsführer von BUDNI. „Sie ist Teil unseres Selbstverständnisses als Hamburger Unternehmen: respektvoll miteinander umgehen, Unterschiede aushalten, Gemeinsamkeiten suchen und jedem Menschen mit Würde begegnen. Dahinter steht ein sehr freiheitlicher Gedanke, der heute vielleicht aktueller ist denn je.“
Diese Haltung sei zudem ein klarer Vorteil im Wettbewerb gerade um junge Arbeitskräfte, die zunehmend Wert legten auf ein Unternehmen, das Diversität aktiv fördert.
Gut 41 Prozent der Menschen in Hamburg haben einen Migrationshintergrund, sagt das Statistikamt Nord. Und rund 14,8 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Metropolregion besitzen eine ausländische Staatsangehörigkeit (Hamburg; 17,7; Bundesschnitt: etwa 17 Prozent), so eine Auswertung der seit März 2025 aktiven „Koordinierungsstelle zur Fachkräftesicherung in der Metropolregion Hamburg“ von Mai 2026.
Laut der Studie leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Sicherung des Fachkräftebedarfs. Und knapp 560 000 der rund 2,3 Millionen abhängig Beschäftigten der Region werden in den kommenden Jahren in Rente gehen: Das Gewinnen weiterer Fachleute ist also dringend erforderlich.
„Zwar ist die Nachfrage der Unternehmen nach Fachkräften aufgrund der derzeit schwierigen konjunkturellen und geopolitischen Rahmenbedingungen etwas zurückgegangen. Der demografische Druck aber bleibt“, bestätigt Armin Grams, Leiter des Handelskammer-Bereiches „Fachkräfte und Lebenslanges Lernen“. „Deshalb müssen wir die Zuwanderung von Fachkräften weiter vorantreiben und internationale Fachkräfte schneller, gezielter und unbürokratischer in den Hamburger Arbeitsmarkt bringen.“
Neben staatlichen Anlaufstellen und Berufsverbänden übernehmen dabei zunehmend private Agenturen die Vermittlung internationaler Arbeitskräfte. Um Auswahlkriterien für solche Firmen bereitzustellen, hat das Netzwerk „Unternehmen integrieren Flüchtlinge“ gemeinsam mit dem Goethe-Institut eine Checkliste erstellt.
Zu achten ist zum Beispiel auf das Employer-Pays-Prinzip – also darauf, dass der Arbeitgeber die Vermittlungsgebühren und Anwerbekosten trägt, nicht die Ausbildungssuchenden.
Zudem sollte die Agentur den Spracherwerb im Heimatland über das visa-relevante Niveau B1 hinaus begleiten, um die berufliche Integration im Zielland zu gewährleisten.
Von internationalem Input profitieren innovative Branchen besonders. Bei einer Firma wie dem Hamburger Spieleentwickler InnoGames stammen rund 30 Prozent der Belegschaft nicht aus Deutschland. Das Unternehmen erhöht seine Attraktivität für Fachkräfte aus dem Ausland ganz gezielt, indem es ein vielschichtiges „Relocation Support System“ anbietet, also etwa beim Beantragen einer Arbeitserlaubnis sowie der Suche nach Wohnraum und Schulen unterstützt.
Berufsabschlüsse Für Zugezogene aus dem Ausland und Unternehmen bietet die Kammer kostenlose persönliche Beratungsgespräche zur Frage der Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse.
Große Unternehmen der Hamburger Schiff- und Luftfahrt setzen ebenso auf globales Know-how wie der Mittelstand, von der chemischen Industrie bis zur Medizintechnik. Internationale Arbeitskräfte sind laut Handelskammer zudem stark nachgefragt in Branchen mit Schichtdienst sowie bei anstrengender körperlicher Tätigkeit.
Ein Fokus liegt dabei auf der Logistik und dem Gastgewerbe. „Die Hotelbranche ist in Deutschland auf ausländische Fachkräfte angewiesen, da der inländische Arbeitsmarkt den Bedarf nicht decken kann“, erklärt Sophie Schonebeck, Senior Sales & Marketing Manager der „25hours Hotels“ in Hamburg. Wären die Teams nicht international aufgestellt, blieben viele Positionen unbesetzt. Der Pool an qualifizierten Bewerbenden vergrößere sich mit einer kosmopolitischen Ausrichtung.
Wegweiser Mit dem „Wegweiser zur Gewinnung von Fachkräften aus Drittstaaten“ informiert die Handelskammer über die Anwerbung spezialisierten Personals außerhalb des EWR.
In den beiden Hamburger Häusern, dem „25hours Hotel HafenCity“ und „Altes Hafenamt“, sind unter anderem polnische, afghanische, lettische, italienische, ukrainische, rumänische und türkische Mitarbeitende beschäftigt, insgesamt 130 Menschen und rund 20 Nationalitäten. Sie arbeiten in Bereichen wie Küche, Housekeeping, Front Office und Service.
„Ein internationales Team bringt Sprachkompetenzen und kulturelles Verständnis, die den Service noch gastfreundlicher machen“, erläutert Schonebeck. Diese Diversität erhöhe die Kompetenz im Kontakt mit den verschiedenen Gästen, die sich für einen Hotelaufenthalt entscheiden. Eine positive Willkommenskultur, die zugleich ein entscheidender Wirtschaftsfaktor ist.
