Bauen mit System

Sanieren und Bauen kostet Zeit, Geld und oft auch Nerven. Mit ihrer 2023 gegründeten digitalen Plattform Renaldo möchten Gregor Loukidis und Ronald Meyer für mehr Tempo und Kostentransparenz sorgen – von der ersten Kalkulation bis hin zur fertigen Immobilie. Die Redaktion wählte das Unternehmen zum „HW-Start-up“ im September.
Gregor Loukidis (li.) und Ronald Meyer sind die Gründer und Geschäftsführer der Renaldo GmbH aus Hamburg.
Gregor Loukidis/Ronald Meyer
Gregor Loukidis (li.) und Ronald Meyer sind die Gründer und Geschäftsführer der Renaldo GmbH aus Hamburg.
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Von Frank Schlatermund, 8. September 2026

Euer Start-up möchte die Planung und Durchführung von Bau- und Sanierungsprojekten digital vereinfachen. Was genau steckt dahinter? Vielleicht beschreibt ihr einmal euer Geschäftsmodell und erklärt, welchen Vorteil eure Softwareplattform bietet.

Kurz gesagt: Wir bauen das Betriebssystem für den Wohnungsbau. Alles, was zwischen Grundstück und Wohnungsübergabe passiert – kalkulieren, planen, ausschreiben, vergeben, bauen, betreiben –, läuft bei uns auf einem gemeinsamen Datenkern. Neubau und Sanierung, vom Einfamilienhaus bis hin zum Mehrfamilienhaus-Portfolio.

Der Ausgangspunkt ist eine unspektakuläre Erkenntnis: Jede Handwerkerrechnung ist am Ende Leistung x Menge x Einheitspreis. Drei Größen, und zu Projektbeginn ist keine davon belastbar. Genau da setzen wir an. Die Leistung kommt aus einer Datenbank über 20 Gewerke plus Planung und Begleitung.

Gegründet wurde das Start-up Renaldo mit Sitz in Hamburg-Sasel von Gregor Loukidis (CEO) und Ronald Meyer (COO) am 21. Dezember 2023. Kernfunktionen des Unternehmens sind unter anderem Liegenschafts- und Ankaufsanalysen mit amtlichen Daten, Kalkulation über 20 Gewerke mit echten Handwerkerpreisen, Förderprüfungen (BAFA, KfW, BEG, KFN/QNG), Leistungsverzeichnisse und Ausschreibungen, Preisspiegel, getaktete Bauzeitenpläne sowie Betrieb und Verkauf. Zielgruppen sind etwa Immobilienentwickler und Bauträger, Wohnungsbaugesellschaften und Genossenschaften, Asset Manager, Architekten und Ingenieure, Energieberater, Generalunternehmer, Handwerksbetriebe und private Bauherren.

Die Menge zieht Renaldo automatisch aus den Gebäude- und Raumdaten. Niemand zählt mehr Fenster oder rechnet Wandflächen. Und der Preis kommt aus echten regionalen Handwerkerpreisen statt aus Pauschalen von vorgestern.

Der eigentliche Vorteil entsteht danach: Aus derselben Konfiguration entstehen das ausschreibungsfertige Leistungsverzeichnis, der Preisspiegel – der nicht nur zeigt, wer günstiger ist, sondern auch, was im günstigsten Angebot fehlt – und der Bauzeitenplan. Verschiebt sich ein Vorgang, zieht der ganze Plan nach. Keine fünf Werkzeuge mit fünf Datenständen, kein Excel-Bruch zwischen Kalkulation, Vergabe und Bau.

Der Markt ist heute zweigeteilt: schwere Bauträger-ERPs mit langem Einführungsprojekt auf der einen Seite, Spezialwerkzeuge für einzelne Phasen auf der anderen. Was ein Gebäude Gewerk für Gewerk wirklich kostet, lebt dazwischen – im Excel eines Einzelnen. Diese Lücke schließen wir.

Zum Geschäftsmodell: Software im Abo, nach Rolle geschnitten, und mit zwei verschiedenen Abrechnungslogiken. Wer Renaldo als eigenes Arbeitswerkzeug einsetzt, zahlt pro Arbeitsplatz: Architekten, Ingenieure und Energieberater 149 Euro im Monat für den Einzelplatz, 299 Euro als Bürolizenz für drei Plätze; Generalunternehmer 199 Euro.

Wer hingegen ganze Projekte oder Bestände verantwortet, zahlt nach Wert statt nach Köpfen: Ein Projektentwickler zahlt eine Grundgebühr plus eine Projektgebühr je Wohneinheit, fällig erst bei Realisierung. Ein Wohnungsunternehmen zahlt je Wohneinheit im Bestand, degressiv; bei 2000 Wohneinheiten sind das rund 10 000 Euro im Jahr. Handwerksbetriebe zahlen gar nichts. Sie bekommen ihre Termine per Link, ohne eigenes Konto.

Die zweite Logik hat einen Grund, an dem Zusammenarbeit in unserer Branche sonst regelmäßig scheitert: Wo über das Projekt oder den Bestand abgerechnet wird, arbeiten externe Projektbeteiligte kostenlos mit. Ein Projektentwickler oder ein Wohnungsunternehmen holt Architekt, Energieberater, Statiker und Finanzierer in dasselbe Projekt, ohne für jede Beteiligung nachzuzahlen – mit Rollen und Rechten, aber ohne Sitz-Zählen. Sonst überlegt man bei jedem Zusatzbeteiligten, ob er die Lizenz wert ist, und schickt am Ende doch wieder PDFs hin und her.

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Gregor Loukidis/Ronald Meyer
Vor der Gründung von Renaldo hat Ronald Meyer (COO) unter anderem die Baulogistik für die Fernsehsendung „Zuhause im Glück“ verantwortet.

Ein monatelanges Einführungsprojekt braucht es dafür nicht: registrieren, 60 Tage ohne Kreditkarte testen, am selben Tag das erste eigene Projekt durchrechnen. Wer es größer aufziehen will, bekommt aber selbstverständlich Unterstützung.

Für Organisationen richten wir auf Wunsch gemeinsam ein, übernehmen Bestandsdaten und begleiten einen Piloten. Niemand soll ein Beratungsprojekt beauftragen müssen, nur um zu sehen, ob die Software taugt. Gehostet wird in Deutschland.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, eine Plattform wie Renaldo zu entwickeln? Spielen persönliche Erfahrungen und Erlebnisse möglicherweise eine Rolle?

Wir kommen beide aus der Praxis, nicht aus der Software. Kennengelernt haben wir uns 2019 bei ecoworks, einem Anbieter für serielles Sanieren. Im Oktober 2023 schrieb mein Mitgründer Ronald Meyer auf LinkedIn über seinen Sanierungssprint in Hamburg-Duvenstedt – eine Methode, die er selbst erfunden hat: ein Haus nicht über ein Jahr hinweg stückweise sanieren, sondern am Stück durchtakten. Ich habe zum Hörer gegriffen, aus dem geplanten Kurzgespräch wurde eine Stunde, und am 21. Dezember 2023 haben wir Renaldo gegründet.

Dann kam der Teil, der uns geprägt hat. 2024 haben wir drei Sanierungssprints selbst als Generalunternehmer gestemmt, zweimal in Hamburg, einmal in Markkleeberg bei Leipzig: komplette Einfamilienhaus-Sanierungen in 22 Tagen statt in einem Jahr. Dabei haben wir sehr viel über die Taktung von Baustellen gelernt. 2025 haben wir als digitales Planungsbüro zahlreiche Projekte in Planung und Ausführung begleitet. Wir haben also erst selbst gebaut und saniert und dann das Werkzeug entwickelt, nicht umgekehrt. Jede Funktion in Renaldo hat einen Vorgänger in einer Excel-Tabelle, die uns auf einer echten Baustelle zu langsam war.

Dass Renaldo heute den ganzen Wohnungsbau abdeckt, haben strenggenommen nicht wir entschieden, sondern unsere Nutzer.

 

Wir sind ein ungleiches Duo, und genau das ist der Punkt. Wohngebäude-Projekte verlieren Zeit an zwei völlig verschiedenen Stellen: bei der Abstimmung, lange bevor der Bagger kommt, und beim Warten, wenn der Bagger längst da ist.

Ich komme von der ersten Stelle, zehn Jahre Sanierungs-Projektmanagement, und verantworte die Plattform. Ronald kommt von der zweiten, über 30 Jahre am Bau. Vor Renaldo hat er unter anderem die Baulogistik für die Fernsehsendung „Zuhause im Glück“ verantwortet.

Wenn ein Haus in wenigen Tagen fertig sein muss, lernt man Taktung von Grund auf. Genau die bringt er ein. Wer wann wie lange auf welcher Fläche arbeitet, entscheidet darüber, ob ein Bau läuft oder auf das nächste Gewerk wartet. Die beiden Hälften haben wir zusammengelegt.

Angefangen haben wir bei der Sanierung von Einfamilienhäusern. Dass Renaldo heute den ganzen Wohnungsbau abdeckt, haben strenggenommen nicht wir entschieden, sondern unsere Nutzer: Projektentwickler und Wohnungsunternehmen kamen mit Mehrfamilienhäusern und mit Neubau. Fremd war uns davon allerdings wenig. Das Mehrfamilienhaus kannten wir beide aus unserer Zeit bei ecoworks, wo serielles Sanieren im Geschosswohnungsbau das Kerngeschäft ist.

Neu war nur der Neubau. Und auch das relativiert sich, sobald man es über die Gewerke aufschlüsselt: Der Unterschied zwischen Neubau und Sanierung ist im Kern der Rohbau. Dach, Fenster, Haustechnik, Elektro, Ausbau sind dieselben Leistungen mit denselben Mengen und denselben Preisen. Und Rohbau ist für Ronald kein Neuland, er hat früher selbst Häuser gebaut. Am Schreibtisch erschlossen haben wir uns das Thema trotzdem nicht.

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Gregor Loukidis/Ronald Meyer
Gregor Loukidis (CEO) arbeitete zehn Jahre lang im Sanierungs-Projektmanagement, bevor er gemeinsam mit Ronald Meyer das Start-up Renaldo gegründet hat.

Ronald hat den ersten Neubausprint gemeinsam mit einem Projektentwickler aus dem Berliner Raum geplant, bevor die ersten Neubau-Funktionen in der App standen. Denn die Grundfrage bleibt überall dieselbe: Was kostet das belastbar, wer macht was und wann? Ob am Ende eine Wärmepumpe in ein Reihenhaus kommt oder ein Neubau auf eine Nachverdichtungsfläche, ändert die Rechenlogik nicht.

Was sind derzeit eure größten Herausforderungen, und was habt ihr für die Zukunft geplant? Habt ihr irgendwelche Ziele im Blick?

Drei Herausforderungen, ehrlich gesagt. Erstens die Datenpflege. Echte regionale Handwerkerpreise über 20 Gewerke aktuell zu halten, ist kein Projekt, das man abschließt, sondern Dauerbetrieb. Daran hängt aber unser ganzes Versprechen: „Kostenwahrheit ab Tag eins“ trägt nur, solange die Preise stimmen.

Zweitens die Baustelle selbst. Software, die für den Bauleiter funktioniert, für den Trockenbauer aber nicht, hilft niemandem. Deshalb ist unsere Handwerker-App kostenlos, und der Zugang kommt per Link mit dem Auftrag – ohne Konto, ohne Schulung. Wenn die ausführenden Betriebe nicht mitmachen, ist der schönste Bauzeitenplan Papier.

Drittens die Abgrenzung zu bestehenden Systemen. Projektentwickler wie Bestandshalter haben gewachsene Software-Landschaften, und wir werden regelmäßig gefragt, ob wir die ablösen: Nein, und das ist Absicht. Wir sind die Bau- und Investitionsseite: Grundstücke und Bestände bewerten, Maßnahmen kalkulieren, ausschreiben, bauen — und die Wirtschaftlichkeit sowohl in Verkaufspreisen als auch in Kaltmiete rechnen. Je nachdem, ob am Ende verkauft oder gehalten wird. Buchhaltung und kaufmännische Verwaltung bleiben, wo sie sind. Das zu erklären kostet Zeit, aber ohne diese Klarheit geht es nicht.

Deutschland baut und saniert zu langsam und zu teuer.

 

Unser Ziel für die nächsten Monate ist, dass die Frage „Lohnt sich das?“ vor dem Notartermin beantwortet ist und nicht erst danach. Für einen Projektentwickler heißt das: Adresse eingeben, und Renaldo schaut auf Bodenrichtwert, Flurkarte sowie Bebauungspotenzial, errechnet die maximale Bebauung und zeigt den erwarteten Verkaufserlös, die Marge und den maximal tragbaren Grundstückspreis auf Basis einer echten Gewerke-Kalkulation, nicht einer Quadratmeter-Pauschale.

Für ein Wohnungsunternehmen ist es dieselbe Maschine über den ganzen Bestand: Adressliste rein, priorisierte Chancenliste raus inklusive der vorgeplanten Konzepte aus der GdW-Rahmenvereinbarung „Serielles Bauen“. Beides funktioniert bereits, wir wollen es in die Breite bringen. Gerade in Hamburg, wo Flächen knapp und Bestände groß sind, liegt darin sehr viel ungenutztes Potenzial – heute verborgen in Einzelgutachten, die niemand für hundert Grundstücke beauftragt.

Dahinter steht der eigentliche Antrieb. Deutschland baut und saniert zu langsam und zu teuer, und beides hängt an denselben zwei Größen: Kosten, die erst viel zu spät belastbar werden, und Bauzeiten, die niemand taktet. Wenn wir daran messbar etwas ändern, ist für die Klimaziele im Gebäudebestand mehr gewonnen als durch die nächste Förderrichtlinie. Wer sehen will, ob das trägt, muss uns nicht glauben. Auf renaldo.de gibt es die volle Plattform 60 Tage kostenlos – ohne Kreditkarte und ohne Verkaufsgespräch. Ein eigenes Projekt durchzurechnen dauert eine knappe Stunde, und danach weiß man es.


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