Vom Geheimnis der Tröpfchen

Mit winzigen Tröpfchen statt mit großen Reagenzgläsern will SURFACtoBioTech, das „HW-Start-up“ im Juli, die Biotechnologie effizienter machen. Dr. Martin Schröter erklärt, wie die Idee entstand und welche Ziele er und seine Mitgründer Dr. Jacqueline De Lora und Benedikt Eikmanns mit ihrem Start-up verfolgen.
Die beiden SURFACtoBioTech-Gründer Martin Schröter und Jacqueline De Lora
SURFACtoBioTech
Die beiden SURFACtoBioTech-Gründer Martin Schröter und Jacqueline De Lora
Anzeige - Position 1

Von Frank Schlatermund, 7. Juli 2026

Euer Start-up führt bio-inspirierte Experimente durch, heißt es auf eurer Internetseite. Was genau bedeutet das – und wozu dienen derartige Versuche? Beschreibt uns euer Geschäftsmodell und welche Ziele ihr verfolgt.

Image
SURFACtoBioTech
Martin Schröter bei einem wissenschaftlichen Vortrag

Auf unserer Seite steht „bio-inspiriert“, und dahinter steckt eine Idee aus der synthetischen Biologie. Wir bilden biologische Experimente nicht mehr im großen Reagenzglas ab, sondern in winzigen Tröpfchen. Jedes hat ungefähr den Durchmesser eines menschlichen Haares und dient als eigenes, abgeschlossenes Reaktionsgefäß.

Dadurch läuft das, wofür ein Labor früher limitiert war auf hunderte Ansätze pro Monat, bei uns millionenfach parallel. Die Experimente werden schneller und günstiger, und sie liefern sehr viel mehr Daten. Wie belastbar das ist, zeigt sich daran, dass wir unsere Technologie inzwischen mit dem European XFEL erproben, eine der anspruchsvollsten Forschungsanlagen der Welt.

Damit die Biologie im Tröpfchen intakt bleibt, braucht es die passende Chemie. Genau die entwickeln wir. Unsere Tenside, im Grunde spezielle Seifen, halten die Tröpfchen stabil, und um diese Chemie herum bauen wir eine Full-Stack-Plattform aus Verbrauchsmaterial, Gerät und Software.

Richtig interessant wird das gerade durch die KI. Man kann heute am Rechner mehr vielversprechende Varianten entwerfen, als ein Labor je durchtesten kann, etwa im Protein Engineering. Wo ein Team von Hand vielleicht 10 000Tests am Tag schafft, sind bei uns Millionen möglich. Wir liefern die Daten, an denen KI-Modelle in der Biologie sonst scheitern.

Unser Geschäftsmodell setzt genau hier an. Wir verkaufen unseren Kunden nicht in erster Linie eine Plattform, sondern die Fähigkeit, diese Experimente in einem Umfang durchzuführen, der aktuell nicht möglich ist. Das langfristige Ziel ist, tröpfchenbasierte Biotechnologie für jedes Labor zugänglich zu machen und nicht nur für die wenigen, die die Technik heute bereits kennen.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, euch mit tröpfchenbasierter Biotechnologie und Tensiden zu befassen und dann auch noch ein Unternehmen wie SURFACtoBioTech zu gründen? Gab es einen bestimmten Anlass?

IMG_1961
SURFACtoBioTech
Jacqueline De Lora hat sich auf biomedizinische Forschung spezialisiert.

Angefangen hat alles in der Forschung. Wir haben am Max-Planck-Institut für medizinische Forschung in Heidelberg mit tröpfchenbasierter Mikrofluidik gearbeitet. Diese Technik steht und fällt mit den Tensiden, die die Tröpfchen stabil halten.

Den entscheidenden Moment gab es, als meine Mitgründerin Jacqueline De Lora ein bestimmtes Experiment durchführen wollte und daran scheiterte. Es gab schlicht kein Tensid am Markt, das ihre sehr speziellen Tröpfchen stabil hielt. Ich habe daraufhin im Chemielabor ein Tensid synthetisiert, das genau auf ihre Anforderungen zugeschnitten war. Damit funktionierte der Versuch, der vorher nicht möglich gewesen war.

Das war der Nukleationspunkt für SURFACtoBioTech, der Moment, aus dem alles Weitere gewachsen ist. Uns wurde klar, dass wir mit unserer Technologie andere Labore in die Lage versetzen können, Dinge auszuprobieren und innovativ zu sein, die vorher an der Technik gescheitert sind. Genau das ist bis heute unsere Grundmotivation.

Image (3)
SURFACtoBioTech
Blick ins SURFACtoBioTech-Labor

Gegründet haben wir SURFACtoBioTech im Februar 2024 in Heidelberg. Heute sind wir zu dritt im Gründungsteam. Jacqueline kommt aus der biomedizinischen Forschung, ich aus der Chemie, und Benedikt Eikmanns deckt die unternehmerische Seite ab. Ihn haben wir bei „Deep Pioneers“ kennengelernt, einem Programm der ESMT Berlin und der Joachim-Herz-Stiftung. Zusammen sorgen wir dafür, dass aus der Technologie auch ein wachsendes Unternehmen wird. Ohne diese drei Blickwinkel gäbe es SURFACtoBioTech in dieser Form nicht.

Wie lange hat es von der ersten Idee bis zur Gründung gedauert? Habt ihr Unterstützung bekommen? Und was waren beziehungsweise sind die größten Herausforderungen?

Die Grundidee ist noch während meiner Promotion entstanden. Bis die technischen Grundlagen so weit waren, dass man darauf ein Unternehmen aufbauen konnte, hat es dann noch einmal zwei bis drei Jahre gedauert.

Ohne Unterstützung hätten wir das nicht geschafft. Die Grundlagenforschung konnten wir am Max-Planck-Institut durchführen, dessen Patente wir lizenzieren. Max Planck Innovation begleitet uns seit der Gründung und unterstützt uns im Technologietransfer. Die ersten Jahre haben wir zudem Unterstützung aus dem Hamburger Ökosystem bekommen, unter anderem von der IFB Hamburg, den „Impossible Founders“ und der Hamburger Sparkasse.

Und wir sitzen im tecHHub in Hamburg, einem der wenigen Hamburger Standorte, an dem man als Chemie- und Biotech-Startup überhaupt tätig sein kann. Unsere größte Herausforderung ist, dass es lange dauert und viel Geld kostet, bis eine Technologie marktreif ist. Dazu kommt, dass wir Laborteams von einer neuen Methode überzeugen müssen. Wer seit Jahren mit etablierten Laborarbeitsschritten arbeitet, stellt nicht von heute auf morgen um.


Anzeige - Position 2
Beteiligen Sie sich an der Diskussion:
Ihr Name wird mit ihrem Kommentar veröffentlicht.
Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.
Das Kommentarformular speichert Ihren Namen, Ihre E-Mail-Adresse und den Inhalt, damit wir die auf der Website abgegebenen Kommentare verfolgen können. Bitte lesen und akzeptieren Sie unsere Website-Bedingungen und Datenschutzerklärungen, um einen Kommentar abzugeben.
0 Kommentare
Inline Feedbacks
View all comments
Anzeige - Position 3