Menschen, die bereit sind, in einer Schlafkapsel zu übernachten, benötigen nicht viel. Vor allem keinen Luxus. Sie verzichten auf persönliche Dusche und WC, Fernsehanschluss und Minibar. Sie legen keinen Wert auf Kleiderschrank oder Schreibtisch, brauchen weder Fenster noch Balkon. Auch dass sie in einer solchen Kabine, im Schnitt etwa drei bis sechs Quadratmeter groß, oftmals nicht stehen können, stört sie nicht. Für sie zählt allein die günstige Unterkunft, nicht selten nur für eine einzige Nacht. Der Eingang ist eine Luke in der Front. Durch sie steigen sie hinein – direkt ins gemachte Bett.
Die Mitarbeitenden des Innovations- und Patent-Centrums (IPC) der Handelskammer unterstützen bei Fragen rund um gewerbliche Schutzrechte und das Patentmanagement. Basierend auf patentstatistischen Analysen ermittelt das IPC zudem die aktuellen Techniktrends für das monatliche IPC-Technologiebarometer und kürt regelmäßig ein herausragendes Patent zum „Hamburger Patent des Monats“. Mehr Informationen unter www.handelskammer-hamburg.de/patent und www.handelskammer-hamburg.de/ipc. Kontakt: 040 36138-376, ipc@handelskammer-hamburg.de
Bei der klassischen Schlafkapsel, die ursprünglich aus Japan stammt und vor allem in Asien weit verbreitet ist, liegen niedrige Materialkosten im Fokus und weniger Design. Meist bestehen diese Modelle aus Plastik und dünnen Wänden, Schallschutz bieten sie kaum. „In Japan sind die Leute unglaublich diszipliniert und leise, daher mag das dort funktionieren“, sagen Dr. Mathias Krahl und Lasse Lütjens. „In Deutschland hingegen sind die Menschen generell etwas lauter, darum ist bei uns Schallisolierung in Schlafkabinen ein wichtiges Thema.“
Die beiden Geschäftsführer der Fährhaus Investment Group, ein Hamburger Unternehmen, das unter anderem in Ferien-, Wohn- und Gewerbeimmobilien sowie in Hotelprojekte investiert, haben lange über die perfekte Schlafkabine nachgedacht. Ihr Bautyp lässt sich nicht nur besser nutzen als herkömmliche Modelle, sondern kommt auch mit hochwertigen Materialien daher, zeichnet sich durch Design und Ambiente aus und verfügt über eine optimale Schalldämmung inklusive Schallentkopplung. Gemeint ist damit eine bauliche Trennung der einzelnen Kabinenteile, um Geräusche nicht nur zu dämpfen, sondern um auch zu verhindern, dass sich Schallwellen als Vibration in angrenzende Bereiche ausbreiten.
„Die traditionelle einfache Schlafkapsel, wie wir sie aus Fernost kennen, gibt es inzwischen auch vielfach in Deutschland“, erzählt der Physiker und Wirtschaftsingenieur Mathias Krahl. „Unsere Schlafkabine hingegen bietet mehr Raum, mehr Eleganz und mehr Privatsphäre und ist deutschlandweit bislang einzigartig.“ Es gebe zwar einen Mitbewerber, der jedoch nicht so designorientiert sei wie Fährhaus.
Krahl und Lütjens legen vor allem Wert auf Atmosphäre und ein gewisses Maß an Komfort: viel Holz, warmes Licht, Kofferablage, Fenster mit Jalousie, Handtücher, Bademäntel, WLAN. Eine wirkliche Besonderheit ist der Eingangsbereich der Schlafkabine, in dem es möglich ist zu stehen. Um sie langfristig zu schützen, haben die beiden Geschäftsleute ihre Entwicklung im Juni 2023 mit der Bezeichnung „Schlafkabine und Anordnung“ unter der Nummer DE102023115845 beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) in München angemeldet.
Sich frühzeitig mit dem Schutz von Intellectual Property zu befassen, bietet viele Vorteile.
Dr. Hanna Blaschke
„Patente sind wichtig“, konstatiert Lasse Lütjens, auf den die Idee mit der designorientierten Schlafkabine zurückgeht. „Das mag keine Allzweckwaffe sein, aber wir haben Geld, Zeit und Arbeit in dieses Projekt investiert, sodass wir uns so gut es geht schützen wollen.“ Der studierte Architekt rät allen, die Innovationen auf den Markt bringen, ihr geistiges Eigentum („Intellectual Property, IP“) mithilfe von Patenten zu sichern.
„Sich frühzeitig mit dem Schutz von Intellectual Property zu befassen, bietet viele Vorteile“, betont auch Dr. Hanna Blaschke vom Innovations- und Patent-Centrum der Handelskammer (IPC), das vor allem KMU und Start-ups bei Fragen rund um gewerbliche Schutzrechte unterstützt. „Insbesondere technische Neuentwicklungen, die oft mit großen Investitionen verbunden sind, können durch die Anmeldung zum Patent vor Nachahmung geschützt werden.“
Angelegt ist die Schlafkabine von Mathias Krahl und Lasse Lütjens für den modularer Aufbau. Jedes Modul besteht aus zwei übereinander liegenden Kabinen, wobei die obere nicht wie bei der klassischen Kapsel über eine Leiter, sondern über eine bequeme, seitlich angebrachte Treppe erreichbar ist. Beide Kabinen sind entgegengesetzt ausgerichtet. Dort, wo unten das Kopfende des Bettes mit niedrigerer Deckenhöhe liegt, befindet sich oben der Eingangsbereich mit mehr Deckenhöhe – und umgekehrt.
Weil Mathias Krahl und Lasse Lütjens von ihrem Projekt absolut überzeugt sind, beliefern sie nicht andere mit ihrer Schlafkabine, sondern haben in Hamburg gleich ihr erstes eigenes Kabinen-Hotel eröffnet. Das „CAB20“ (www.cab20.de) liegt in St. Georg in der Nähe des Hauptbahnhofes und verfügt über insgesamt 180 Kabinen auf vier Etagen.
Die Handschrift der beiden Fährhaus-Geschäftsführer zieht sich durch das gesamte Haus. Selbst der Schilder mit den Kabinennummern haben sich Krahl und Lütjens angenommen und für diese ein eigenes Design entwickeln lassen, die großen Wasch- und Duschräume sind denen eleganter Spas oder Fitnessstudios nachempfunden.
Das Grundstück in der Brennerstraße hat Mathias Krahl schon vor langer Zeit erworben. Geplant hatte er dort ursprünglich etwas ganz anderes. Ein Studentenwohnheim oder ein ganz normales Hotel. „Das scheiterte dann aber an der deutschen Bürokratie“, berichtet der 65-Jährige. „Es hat einfach alles viel zu lange gedauert.“
Irgendwann kam Lasse Lütjens die Idee des Kabinen-Hotels, dem die hiesigen Gesetze weniger Hürden bereiteten – und das Projekt in St. Georg nahm Fahrt auf. Die Eröffnung war 2021, kurz vor dem zweiten Corona-Lockdown, sodass der Betrieb erst 2022 richtig durchstarten konnte.
„Wir waren überrascht, wie hoch der Zulauf war“, erzählt Lasse Lütjens. „Mit einem derart guten Auftakt konnten wir kaum rechnen.“ Theoretisch könnte im „CAB20“ alles elektronisch ablaufen – vom Check-in über die Frühstücksbestellung bis hin zum Check-out.
„Für eine persönlichere Atmosphäre beschäftigen wir hier aber trotzdem ein kleines Team“, so der 51-Jährige. Weil ihre Gäste größtenteils zur Gruppe der unter 30-Jährigen gehören, haben sie vor der Konzeptplanung Workshops unter anderem mit Studierenden abgehalten, um zu erfahren, worauf diese Zielgruppe besonderen Wert legt.
Weil sich ihre Idee bewährt hat, möchten Mathias Krahl und Lasse Lütjens mit ihrem Kabinen-Hotel-Projekt nun weiter expandieren. Zunächst im deutschsprachigen Raum. Damit es sich auf jeden Fall rentiert, suchen sie nach Flächen ausschließlich in zentraler Lage – und die sind rar, begehrt und teuer. Aber die beiden Geschäftsleute haben es nicht eilig. Geduld, wissen sie aus Erfahrung, zahlt sich in der Regel aus.
