Ein Hauch von Italien

Seit mehr als zwei Jahrzehnte verwöhnen Fausto und Susanne Fadda ihre Kundschaft mit sardischen Spezialitäten. Um wieder mehr Zeit für sich zu haben, möchten sie ihr Restaurant mit angeschlossenem Ladengeschäft in Eimsbüttel nun verkaufen.
Seit 1996 ist „Fadda Sardische Spezialitäten“ im Heußweg Anlaufstelle für Freunde der sardischen Küche.

Von Frank Schlatermund, 4. 2. 2022 (HW 1/2022)

Es fällt ihnen nicht leicht, sich von Trattoria, Ladengeschäft und Catering-Service zu trennen. Im Gegenteil, die Entscheidung, zu verkaufen, haben der gebürtige Sarde Fausto Fadda und seine aus Flensburg stammende Frau Susanne monatelang hinausgezögert. Zu viel Herzblut, sagen sie, sei in mehr als zwei Jahrzehnten in ihr Unternehmen im Heußweg geflossen. Seit 1996 bringen die beiden mit hausgemachten Antipasti, Käse, Schinken, Salami, Pasta, Olivenöl, Weinen und anderen Spezialitäten ein Stück Sardinien nach Eimsbüttel, sind im Stadtteil und darüber hinaus bekannt.

Für die Gastronomie muss man geboren sein

„Das ist unser Lebenswerk“, erzählt Susanne Fadda, „es in andere Hände abzugeben und ein neues Kapitel aufzuschlagen, tut in der Seele weh.“ Doch nun, so die 64-Jährige weiter, seien die Würfel gefallen. „Wir wollen kürzertreten und keine Verpflichtungen mehr.“ Der Plan: Sich ein Jahr Zeit nehmen, die Welt mit dem Wohnmobil erkunden, Kraft tanken. „Was danach kommt, wird sich zeigen.“ Sicher wäre es eine Freude gewesen, hätte Tochter Anna Caterina den Familienbetrieb übernommen. Doch die 27-Jährige hat gerade ihre Schauspielausbildung in Stuttgart beendet und geht ihren ganz eigenen Weg. „Das können wir gut verstehen“, berichten die Eltern, die ihre Tochter in jeder Hinsicht unterstützen. „Für die Gastronomie muss man geboren sein.“

Nach vielen Jahren in Eimsbüttel möchten Fausto und Susanne Fadda in Zukunft etwas von der Welt sehen.

Als Fausto Fadda 1979 als 21-Jähriger nach Deutschland kam, wollte er hier eigentlich nur die Sprache lernen und danach weiterziehen. Der gelernte Hotelfachmann war bereits viel herumgekommen, hatte in Mailand gearbeitet, in der Schweiz und in London, auch Hamburg sollte nur eine Etappe sein. Doch irgendwie kam alles anders. Fadda jobbte bei unterschiedlichen Restaurants im Service, war unter anderem im legendären „Paolino“ an der Alster tätig und lernte 1991 seine Frau Susanne kennen, die er zwei Jahre später heiratete. Bereits 1994 kam Anna Caterina zur Welt. Aus einem kurzen Zwischenstopp wurde ein Aufenthalt fürs Leben.

Vom Fischgeschäft zum Restaurant

Susanne Fadda ist ebenfalls seit Jahren in der Gastronomie zu Hause. Die gelernte Zahnarzthelferin arbeitete bis zur Geburt der Tochter im Block House in der Dorotheenstraße. „Irgendwann kam uns die Idee, gemeinsam ein Geschäft zu eröffnen“, erinnert sie sich. „Im Heußweg haben wir die passende Räumlichkeit entdeckt – ein ehemaliger Fischladen, in dem wir zunächst tatsächlich auch weiter Fisch verkauft haben. Unsere Wohnung lag praktischerweise direkt darüber.“

Wir wollen kürzertreten und keine Verpflichtungen mehr.

Susanne Fadda

Sukzessive flog der Fisch raus, und die Faddas etablierten einen italienischen Catering-Service. Sie gestalteten den Laden um, schafften Bistrotische an und Vitrinen für sardische Produkte, die sie bis heute selbst importieren. „Früher fuhr ich persönlich regelmäßig mit einem Transporter nach Sardinien“, sagt Fausto Fadda, der neben Italienisch und Deutsch auch gut Französisch, Englisch und Spanisch spricht. „Aus Zeitgründen lassen wir die Waren inzwischen aber liefern.“ Geblieben ist eine Ferienwohnung in Pula bei Cagliari im Süden der Insel, die der Familie, wann immer möglich, als Refugium dient.

Unbeschadet durch die Corona-Krise

Als Fausto und Susanne Fadda im Jahr 2008 die Möglichkeit hatten, den Laden nebenan ebenfalls zu übernehmen, griffen sie zu und eröffneten auch noch die Trattoria mit 42 Sitzplätzen. Auf der Terrasse können sie etwa 30 weitere Gäste bewirten. „An Freizeit ist da natürlich nicht mehr zu denken.“ Aufgrund von Corona sei die Zahl der Gäste zwar ein wenig zurückgegangen, aber im Großen und Ganzen sei der Betrieb bislang relativ gut durch die Krise gekommen.

Wenn Sie sich für das Unternehmen von Fausto und Susanne Fadda interessieren, wenden Sie sich unter Nennung der Chiffrenummer HH-A-21100007 an Sabine Pilgrim von der Handelskammer (Telefon 36138-787).

Zahlreiche Ratschläge und Informationen zu den Beratungsangeboten der Handelskammer sind je nach Ihrem Vorhaben hier zusammengestellt.

Auch wenn sie nun verkaufen und ein wenig zur Ruhe kommen wollen – ganz aufhören möchten die Faddas noch lange nicht. Einige Ideen für die Zukunft haben sie bereits. Zum Beispiel denken sie daran, die Kundschaft über einen Online-Shop weiter mit sardischen Produkten zu beliefern, vielleicht sogar von Sardinien aus. Auch einen Catering-Service mit der heimischen Küche als Basis könnten sie sich vorstellen. „Kochen können wir überall, dafür benötigen wir kein Geschäft oder Restaurant.“

Beteiligen Sie sich an der Diskussion:
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
Ihr Name wird mit ihrem Kommentar veröffentlicht.
Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.
Das Kommentarformular speichert Ihren Namen, Ihre E-Mail-Adresse und den Inhalt, damit wir die auf der Website abgegebenen Kommentare verfolgen können. Bitte lesen und akzeptieren Sie unsere Website-Bedingungen und Datenschutzerklärungen, um einen Kommentar abzugeben.
0 Kommentare
Inline Feedbacks
View all comments