Den Nachwuchs halten – aber wie?

Damit junge Talente bleiben und ihre Ausbildung erfolgreich abschließen, entwickeln viele Firmen innovative Formate.
200 junge Talente haben 2025 ihre Ausbildung bei der Haspa gestartet – hier im Gruppenbild.
Haspa
200 junge Talente haben 2025 ihre Ausbildung bei der Haspa gestartet – hier im Gruppenbild.
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Von Birgit Reuther, 10. Februar 2026 (HW 1/2026)

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Oliver Haenel (re.), Filialleiter von Policke, mit den Azubis Jamil Ouarghi (li.) und Yusuf Dogan.

„Die Mitarbeitenden müssen Lust darauf haben, sich mit jungen Leuten auszutauschen.“ Das ist für Oliver Haenel ein Hauptkriterium, damit Azubis ihre Lehrzeit motiviert bis zum Ende meistern. Für den Filialleiter des Hamburger Herrenausstatters Policke kommt es vor allem auf die Atmosphäre an, um Auszubildende im Unternehmen zu halten. „Wir wollen diese Art von Inspiration.“ Und eine positive Haltung gegenüber der nachrückenden Generation verhindere auch, von oben herab mit den Azubis zu sprechen. „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“: Dieses Sprichwort habe ausgedient. Augenhöhe sei das Zauberwort – und ein gesunder Mix aus Lockerheit und Leitlinien.

Fünf Azubis bildet Policke mit seinen 63 Mitarbeitenden derzeit aus. „Zu Beginn laufen sie erst einmal mit, erleben Verkaufsgespräche und lernen, die verschiedenen Charaktere unserer Kunden einzuschätzen“, erzählt Haenel. Wichtig sei, den jungen Menschen Schritt für Schritt mehr Verantwortung zu übertragen. „Das schafft Erfolgserlebnisse. Wir wollen die Azubis schnell als vollständige Mitglieder in unserem Team haben. Dazu braucht es Vertrauen.“

Regelmäßige Feedback-Gespräche sind essenziell. Pünktlichkeit, so Haenel, sei ebenso ein Thema wie die Pflege der Berichtshefte. Gerade bei Herausforderungen gelte es, die Auszubildenden ernst zu nehmen, sie zu fordern und zugleich zu fördern. Dabei sei das Miteinander verschiedener Generationen besonders wertvoll. Und da günstiger Wohnraum in Hamburg knapp ist, stellt Policke eine Azubi-Wohnung bereit. Hinzu kommen Benefits wie Sachgutscheine, Prämien, Urlaubs- und Weihnachtsgeld.

Viele Unternehmen der Stadt sind sehr engagiert und einfallsreich, um ihren Nachwuchs erfolgreich zum Abschluss zu bringen. Für junge Talente ist neben einer angemessenen Vergütung vor allem die Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit von Bedeutung. So betont etwa Aurubis auf seiner Ausbildungswebseite: „Unsere Metalle sind die Grundlage für Energiewende, Digitalisierung und Technologien der Zukunft.“

Bezahlbarer Wohnraum für Auszubildende und dual Studierende wird dringend benötigt. Die Handelskammer informiert über Angebote in Hamburg. Das Azubiwerk zum Beispiel betreibt Wohnheime in Wandsbek, Harburg, Altona und im Münzviertel beim Hauptbahnhof, Freizeit- und Bildungsangebote inklusive. Die Firma „The Fizz“ bietet bundesweit Apartments an. Zu den Häusern in Altona und Hammerbrook gehören auch gemeinsame Lernräume. In Eimsbüttel können Menschen im Alter von 16 bis 26 beim Sozialverband Kolping günstigen Wohnraum erhalten. Die si! soziales & innovation gGmbH ermöglicht sozialpädagogisch begleitetes Jugendwohnen in Neugraben.

Der Kupferproduzent sorgt unter anderem mit einer Nachhaltigkeitswoche dafür, dass sich seine Azubis innovativ in die Entwicklung des Unternehmens einbringen können. Eine hohe Übernahmequote eröffnet zudem individuelle Perspektiven und schafft ein Gefühl von Sicherheit.

Wie sich eine künftige Chef-Position anfühlen kann, erlebten im vergangenen November die Auszubildenden von Möbel Höffner auch in Hamburg. Für einen Tag übernahmen sie die Vertriebsleitung der Einrichtungshäuser, dokumentiert unter anderem auf Instagram unter dem Motto „Hier erlebst du, wie viel Verantwortung, Teamwork und Leidenschaft schon in unserer Ausbildung steckt“.

Eine weitere Motivation kann darin bestehen, die eigenen Erfahrungen weiterzugeben. Bei OTTO etwa schreiben Azubis einen eigenen Blog oder engagieren sich als Jobbotschafter, indem sie Schülerinnen und Schüler bei deren Berufswahl unterstützen. Oftmals spiegelt sich im Umgang mit den Auszubildenden wider, wie sich Betriebe insgesamt verändern und wie sie aktuellen Themen wie Fachkräftemangel und Life-Work-Balance begegnen.

„Die Haspa befindet sich seit zehn Jahren im Kulturwandel“, erklärt Dr. Kamilla Zak, Leiterin des „Talent Hub“ bei Hamburgs größtem Geldinstitut. Und zur Unternehmenskultur gehöre es unbedingt dazu, den Azubis und dual Studierenden von Anfang an Wertschätzung entgegenzubringen. „Wir wollen Verbundenheit schaffen“, erläutert Zak. „Deshalb haben wir unsere Onboarding-Woche noch stärker emotionalisiert.“

Finn Schmidt Student Haspa
privat
Finn Schmidt hat im Jahr 2024 eine Ausbildung bei der Haspa und ein BHH-Studium begonnen.

In der Haspa-Zentrale am Gänsemarkt fahren Auszubildende an ihrem ersten Tag die Rolltreppe empor und werden dabei von der Belegschaft bejubelt. Für sogenannte „Kennenlernspiele“ hat das Unternehmen 2025 sogar eine ganze U-Bahn gemietet. Nach dem ersten Vernetzen folgen dann mehrere Tage mit Input zu Unternehmen und Ausbildung. „Neben ganz viel Haspa-Spirit bekommen die Azubis auch ganz konkret ein Technik-Paket von uns“, berichtet Kamilla Zak. Das alles schaffe einen entscheidenden Moment, um sich aufgenommen zu fühlen.

200 junge Leute starteten im vergangenen Jahr ihre „Young Talents Journey“. Mit mehr als 2000 Bewerbungen erhielt die Haspa damals doppelt so viele Bewerbungen wie zuvor. Unter anderem mit dem Berufsbild „Digitaler Bankkaufmann“ bleibt die Sparkasse attraktiv für die online-affine „Generation Z“. „Diese Azubis haben bei uns im Haus eine Pionierfunktion“, so Zak. „Auch unsere eigene KI, die intern bald zum Einsatz kommen soll, wird dazu gehören.“

Um jungen Menschen das Leben in der Großstadt überhaupt erst zu ermöglichen, hat die Haspa mit „Young Urban Living“ (YUL) eigenen Wohnraum für sie geschaffen. Neue Auszubildende haben seit 2024 die Möglichkeit, zu einer geringen Miete in zentral gelegene Apartments in Altona zu ziehen. Derzeit sind es pro Jahrgang etwa 50 Personen.

Die Anregung dazu stammt aus dem Format „Azubis beraten den Vorstand“, bei dem wie bei der TV-Show „Höhle der Löwen“ Ideen gepitcht werden. „Da Wohnraum in Hamburg knapp ist, war das YUL ein wesentlicher Entscheidungsfaktor für mich“, sagt Finn Schmidt, der im August 2024 eine Ausbildung bei der Haspa und ein BHH-Studium begonnen hat. Die Apartments seien „modern und gemütlich“ und hätten ihm den Start in Hamburg erheblich erleichtert.

Die Haspa hat verschiedene Formate entwickelt, um ihre Talente zu halten. Dazu zählt auch der „Perspektiventag“, bei dem sich einmal im Jahr alle Unternehmensbereiche mit den Auszubildenden vernetzen – eine interne Messe, die vor allem klärt: Welche Schritte muss ich gehen, um im Unternehmen wohin zu kommen? Denn zur Strategie der Haspa zählt auch der Blick über das Ausbildungsende hinaus. „Wir haben Karriere-Dialoge eingeführt, um Wege nach persönlichen Stärken zu planen“, erzählt Kamilla Zak – einer von vielen Bausteinen für ein gutes und stabiles Verhältnis zwischen Haspa und Azubis.


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