Individueller lernen mit KI

Künstliche Intelligenz hält Einzug in die Aus- und Weiterbildung. Der persönliche Zuschnitt und der Austausch der Generationen sind dabei entscheidend.
Die Teilnehmenden der „KI-Arena“ des ARIC mussten etliche Challenges meistern – zum Beispiel Roboter für einen Parcours programmieren.
ARIC e.V.
Die Teilnehmenden der „KI-Arena“ des ARIC mussten etliche Challenges meistern – zum Beispiel Roboter für einen Parcours programmieren.
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Von Birgit Reuther, 10. Februar 2026 (HW 1/2026)

Messe-Präsentation-CEO Joachim Pawlik_
PINKTUM
Pinktum-CEO Joachim Pawlik (re.) präsentierte seine Software auf der Messe „Zukunft Personal Europe“ in Köln.

„Wer junge Menschen ausbildet, kommt an Künstlicher Intelligenz nicht mehr vorbei“, erklärt Jade Schmidt. Bei der HKBiS, dem Bildungsservice der Handelskammer, leitet die Trainerin und Beraterin den Zertifikatslehrgang „Lerncoach in der betrieblichen Ausbildung“.

Dabei vermittelt sie auch, wie sich KI sinnvoll im Ausbildungskontext nutzen lässt. Vor allem kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), die keine großen Budgets in eine umfassende KI-Strategie investieren können, empfiehlt sie, damit einfach anzufangen und es auszuprobieren.

„Nicht nur in der Berufsschule, sondern auch im betrieblichen Alltag lässt sich KI in den Lernprozess integrieren, um Azubis handlungskompetent zu machen“, sagt die Bildungsexpertin.

Tools wie Googles NotebookLM oder – für originellere Anwendungen – der Musikgenerator Suno AI könnten Auszubildenden zum Beispiel dabei helfen, Notizen aus der Praxis in einer eigenen Wissensbibliothek zu sammeln und für sich passend aufzubereiten – als Karteikarten, Audio- oder Videodateien. Dabei komme es jedoch vor allem auf die Kernkompetenz an, die mit KI ermittelten Ergebnisse richtig einzuschätzen, so Schmidt.

„Auch eigene administrative Aufgaben lassen sich mithilfe von Chat GPT oder Gamma AI effizient erledigen, sodass Kapazitäten für neue Projekte in der Ausbildung frei werden“, erläutert die HKBiS-Mitarbeiterin. Ausbildende wiederum können den Lernstoff mit einer Plattform wie Kahoot beispielsweise in einem interaktiven Spiel aufbereiten. „Gamification holt die Digital Natives in der für sie normalen Online-Umgebung ab“, berichtet die Trainerin. „Das schafft Motivation.“

Entscheidend sei, dass sich die Ausbildenden auf die Technologie einließen und bereit seien, sich im Sinne eines Reverse-Mentoring neue Methoden von ihren Azubis zeigen zu lassen. „Die Perspektive der Ausbildenden wandelt sich so vom Herrschaftswissen zur erfahrenen Lernprozessbegleitung.“

Generationsübergreifend lernen Ein ganzheitliches Enablement im Umgang mit KI ist auch bei Tchibo ein wichtiges Ziel. Allerdings, betont Henning Kosmalla, Head of AI Engineering & Platform bei dem Konsumgüterunternehmen: „Wenn KI-Lösungen effektiv sein sollen, bringt es nichts, sie einfach pauschal zentral aufzusetzen.“ Das Potenzial liege in den Fachabteilungen, die auf Grundlage ihres Know-hows zum Beispiel eigene KI-Agenten erstellen.

Lehrgang Der fünftägige Zertifikatslehrgang „Lerncoach in der betrieblichen Ausbildung“ der HKBiS vermittelt praxisnah, wie sich junge Auszubildende zeitgemäß begleiten lassen. Die Teilnehmenden lernen, eine moderne Lernumgebung zu gestalten, in der digitale Medien gezielt zum Einsatz kommen – vom Video über Apps und Podcasts bis zur KI-gestützten Lernhilfe. So lernen sie, das Potenzial von Azubis frühzeitig zu erkennen und die eigene Rolle als Ausbildender neu zu definieren. 2026 finden die Lehrgänge vom 23. bis zum 27. Februar und vom 2. bis zum 6. November statt. Infos und Anmeldung hier.

In der internen Weiterbildung wird KI bei Tchibo unter anderem genutzt, um das Wissen von Mitarbeitenden in Datenbanken zur Verfügung zu stellen. Auch das Onboarding von Azubis lasse sich dank des unternehmenseigenen KI-Chats, bei dem sie Informationen im Dialog abfragen können, effizienter gestalten.

Grundsätzlich sei KI bei Tchibo keine reine Management-Entscheidung von oben, sondern verbreite sich „bottom up“. „Dass KI angenommen wird, hängt auch stark davon ab, dass die Mitarbeitenden Spaß daran haben“, sagt Kosmalla.

Die Frage des verantwortungsbewussten und nachhaltigen Einsatzes von KI in Unternehmen beschäftigt auch Anselm Fehnker, Senior AI Project Manager beim Artificial Intelligence Center Hamburg (ARIC). Er berät Start-ups, KMU und Konzerne bei der erfolgreichen Umsetzung von KI-Projekten. Dabei setzt das ARIC-Team auch verstärkt bei den Azubis von morgen an und bietet eine Reihe von Lernformaten. Highlight dieses Engagements war eine mit der Universität Hamburg veranstaltete KI-Arena: Schülerinnen und Schüler sowie Mitarbeitende großer Unternehmen traten hier gegeneinander an, um unterhaltsame KI-Challenges zu bewältigen – von Robotik bis zu Bildgenerierung.

Angesagt ist also wechselseitiges Lernen unter den Generationen. „In den Unternehmen hat kaum jemand schon seit zehn Jahren oder länger mit KI gearbeitet“, sagt Fehnker. „Gerade sind wir an einem Punkt, wo viele Firmen eigene Pilotprojekte zum Lernen mit KI starten und Fortbildungsanbieter das Thema vorantreiben.“

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Sascha Wiemer, Commercial Director ICS & Hospitality bei Elis

Im Dialog mit dem KI-Coach Einer dieser Anbieter ist das in München und Hamburg ansässige E-Training-Unternehmen Pinktum, das auf die Verbesserung von „Soft Skills“, also etwa Gesprächs- und Führungskompetenzen, spezialisiert ist. Dazu hat es den dialog-basierten KI-Coach PINKpro entwickelt: Damit durchlaufen die Nutzenden digitale Lernpfade, die auf ihren individuellen Entwicklungsbedarf ausgerichtet sind.

Eingesetzt wird der KI-Coach etwa beim Hamburger Textildienstleister Elis, der an 49 Standorten in Deutschland und Österreich präsent ist. „Vor zwei Jahren haben wir begonnen, unsere Weiterbildungsangebote vor Ort mit Online-Trainings zu kombinieren“, erklärt Sascha Wiemer, Commercial Director ICS & Hospitality bei Elis. „Die Menschen lernen heute einfach anders. Sie nutzen kurze Formate auf dem Smartphone und sind daran gewöhnt, Inhalte über Podcasts aufzunehmen.“

Bei Elis können sich zum Beispiel Mitarbeitende aus dem Vertrieb unterwegs mit PINKpro unterhalten und so auf bestimmte Zielgruppen und Situationen vorbereiten. „Sie können im Rollenspiel ein Gespräch mit potenziellen Kunden simulieren und so ihren Pitch und ihre Argumentation trainieren“, erläutert Wiemer. Im Anschluss gibt das Voice-to-Voice-Modell noch ein schriftliches Feedback.

Führungskräfte wiederum können damit unter anderem Meetings produktiv planen. „Zu jeder Fragestellung liefert PINKpro konkrete Ideen, persönlich zugeschnittene Lösungsvorschläge und vertiefende Angebote, etwa ein ausführlicheres Training zu Konfliktmanagement“, erklärt Kristina Behrend, Head of Communications bei Pinktum. So individualisiert KI das Lernen im Unternehmen Schritt für Schritt.


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