Die Zahl der Auszubildenden in Hamburg sei auf den niedrigsten Stand seit fast einem Vierteljahrhundert gesunken, hieß es noch im Sommer 2025 in der Antwort auf eine „Schriftliche Kleine Anfrage“ an den Hamburger Senat. Seit einem Zwischenhoch im Ausbildungsjahr 2008/2009 liege das Minus bei rund 17 Prozent.
Umso erfreulicher fiel dann die Bilanz aus, die zum Jahresende für den Ausbildungsmarkt 2025 vorgelegt wurde: Die Nachfrage nach dualer und schulischer Ausbildung ist in Hamburg gestiegen. Insgesamt haben im vergangenen Jahr 17 725 junge Menschen in Hamburg eine Berufsausbildung begonnen.
Das sind 1,8 Prozent mehr als im Jahr zuvor. 11 916 von ihnen starteten dabei in eine betriebliche und 5809 in eine schulische Ausbildung – ein Plus von 2,1 beziehungsweise 1,4 Prozent. Insgesamt 7264 junge Menschen kamen über die Handelskammer an einen Ausbildungsplatz (plus 13 Prozent) und 2305 über die Handwerkskammer (plus 0,6 Prozent).
Ein Plus auch bei der Agentur für Arbeit. Sie registrierte 8077 Bewerbende, über 1000 mehr als im Jahr zuvor. Gleichzeitig wurden der Arbeitsagentur über 10 100 Ausbildungsstellen gemeldet. Ein Rückgang zwar, aber immer noch ein Ergebnis, das fast an die beiden Vorjahre heranreicht.
Die schlechte Nachricht hinter den Zahlen der Agentur: Trotz der theoretisch guten Ausgangslage blieben 950 Ausbildungsstellen unbesetzt und 1400 Ausbildungssuchende ohne Vertrag. Von einem „Mismatch“ sprach Sönke Fock, Chef der Hamburger Agentur für Arbeit, bei der Vorstellung der Zahlen.
Bessere Integration Das Handelskammer-Positionspapier „Bessere Integration in den Hamburger Arbeitsmarkt“ enthält zahlreiche Handlungsansätze, Positivbeispiele und Forderungen, um den Fachkräftemangel zu mildern.
Die Gründe dafür sind vielfältig. So erfüllen einige junge Menschen die notwendigen Anforderungen der Unternehmen aufgrund unzureichender Schulqualifikation oder ungenügender Sprachkenntnisse nicht. Andere lassen sich zu wenig auf Ausbildungen jenseits ihrer Wunschberufe ein.
Betriebe setzen auf Nachwuchs Nicht nur aus den Statistiken, sondern auch aus den Unternehmen gab es 2025 Rückmeldungen mit leicht positiver Tendenz. So vermeldete die Drogeriekette Budni den größten Ausbildungsjahrgang seit Jahren. 52 neue Auszubildende kamen in Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein hinzu, insgesamt lernen dort nun 112 Nachwuchskräfte in drei Jahrgängen – ein neuer Rekord. Alle Ausbildungsplätze konnten außerdem so früh wie nie zuvor besetzt werden.
Doch über die Bewerberseite allein erklärt sich dieser Erfolg nicht. „Wir haben im letzten Recruiting-Jahr unsere Ansprache an potenzielle Kandidaten verstärkt und unsere Ausbildungsplätze auf Messen, Social Media und über Schulkooperationen, Praktika oder Jobbörsen beworben“, sagt Garvin Vollmer, Personalleiter der Iwan Budnikowsky GmbH & Co. KG. „Somit ist es für uns nicht einfacher geworden, passende Azubis zu finden, jedoch haben wir ein Vorgehen entwickelt, das zu dem entsprechenden Erfolg beigetragen hat.“
Gezielt ansetzen Für die Handelskammer ist es ein positives Zeichen, dass Hamburgs Unternehmen mit großem Engagement in Ausbildung investieren und sich aktiv um Auszubildende bemühen. „Das Plus bei den neuen Ausbildungsverträgen zeigt: Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten setzen viele Betriebe bewusst auf Nachwuchs“, sagt Sascha Schneider, Chief People Officer und Member of the Executive Board bei Montblanc sowie Vizepräses der Handelskammer. Das sei ein starkes Signal für den Standort. Gleichzeitig bestehe weiterhin die Herausforderung, genügend Bewerberinnen und Bewerber zu gewinnen, denn noch immer blieben Hunderte Plätze unbesetzt.
Die Handelskammer bringt junge Menschen und Unternehmen gezielt zusammen, zum Beispiel beim erfolgreichen Format „Meet&Match“. Oder über die virtuelle Hanseatische Lehrstellenbörse, die auf großes Interesse stößt.
Die duale Ausbildung bietet exzellente Perspektiven und ist eine echte Alternative zum Studium.
Sascha Schneider
Digitale Angebote eröffnen neue Zugänge und machen Ausbildung erlebbar, etwa wenn Industrieunternehmen über Virtual Reality Einblicke in Berufe geben, die sonst hinter Werkstoren verborgen bleiben.
Ausbildung intensiver darstellen Für Sascha Schneider ist es wichtig, mit diesen modernen Formaten noch stärker an die Schulen zu gehen, insbesondere an Gymnasien, um zu zeigen: „Die duale Ausbildung bietet exzellente Perspektiven und ist eine echte Alternative zum Studium.“ Denn parallel zu den Azubi-Zahlen steigt die Zahl der Studierenden in Hamburg weiter an und erreichte im Wintersemester 2024/2025 einen Rekordwert von mehr als 121 000. Zugleich gibt es hier aber auch hohe Abbruchzahlen.
Der Einstieg in eine Karriere würde für viele aus dieser Gruppe vermutlich besser über eine Ausbildung gelingen. Für leistungsstarke Auszubildende, die eine (Fach-)Hochschulreife mitbringen, bietet sich an der Beruflichen Hochschule Hamburg zum Beispiel auch die Verknüpfung der dualen Ausbildung mit einem Bachelorstudium.
Qualifikation verbessern Trotz eines ersten regionalen Lichtblickes am Horizont in diesem Jahr wird sich Hamburg nicht von den generellen bundesweiten Trends entkoppeln können. Viele Betriebe in ganz Deutschland leiden nach wie vor unter Bewerbermangel, so das Ergebnis der letzten Online-Unternehmensbefragung der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK).
Zwar gab es einen leichten Rückgang in den vergangenen Jahren, aber fehlende Bewerbungen bleiben nach dem Mangel an geeigneten Fach- und Nachwuchskräften das zweithäufigste Besetzungsproblem.
Im Jahr 2040 könnten in Hamburg insgesamt rund 173 000 Fachkräfte fehlen, so das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI). Und das aktuelle Konjunkturbarometer der Kammer ermittelte, dass immer noch 41,4 Prozent der teilnehmenden Unternehmen den Fachkräftemangel als eines ihrer größten Geschäftsrisiken sehen – auch wenn die Sorge, Stellen nicht besetzen zu können, in den letzten Quartalen zurückgegangen ist. Umso dringender erscheint es, die Ausbildung zu stärken und zu forcieren.
Grundsätzliche Fragen der Schulbildung müssen dabei ebenso mitbedacht werden wie die bessere und unbürokratische Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in die Ausbildung. Die Kammer hat hierzu 2025 ein Positionspapier vorgelegt – unter anderem mit den Forderungen, die duale Ausbildung stärker zu bewerben, internationale Auszubildende dauerhaft in Hamburg zu halten oder das Bleiberecht für gut integrierte Zugewanderte zu erleichtern (siehe auch hier).
