Die „umfassend gebildete Persönlichkeit“ galt lange als Bildungsideal, und schon in Zeiten, in denen der technologische Fortschritt etwas weniger rasant als heute verlief, war ständige Weiterbildung wichtig, um im Arbeitsalltag flexibel zu bleiben. Angesichts der immer schnelleren Veränderungen ist lebenslanges Lernen allerdings inzwischen zu einem entscheidenden Faktor der Zukunftssicherung geworden.
Das weiß etwa Frank Kottler, freier Dozent an der HKBiS, dem Bildungs-Service der Handelskammer. Der Experte für Künstliche Intelligenz, der sich auf KI-Technologien und deren Einsatz in Unternehmen spezialisiert hat, kommt ursprünglich aus der IT-Strategieberatung und kennt die aktuellen Wünsche der Betriebe.
„Mir fällt vor allem auf, wie stark die Ansprüche an Technologiemündigkeit im Beruf steigen“, sagt er. „Skills, die wir früher an die IT-Abteilung ausgelagert oder von extern eingekauft haben, werden jetzt zum integralen Bestandteil des Jobs.“ Oft gehe es um Geschäftsprozesse. Jeder träume davon, Abläufe im Büro zu automatisieren.
Kottlers jeweils einwöchige Zertifikatskurse „KI User IHK“ und „KI Manager IHK“, die sich auch zum „AI Professional IHK“ kombinieren lassen, sind derzeit der Renner. „Aktuell konzentrieren sich die Unternehmen stark auf die Zukunft, um gut aufgestellt zu sein“, sagt Christian Hameister, der bei der HKBiS das Marketing verantwortet. „Deshalb sind alle Angebote rund um KI sehr gefragt.“
Aber auch Themen wie Betriebliches Gesundheits-, Klimaschutz- oder Nachhaltigkeitsmanagement seien ausgesprochen beliebt. Kurse, die nicht gebucht werden, gebe es bei der HKBiS praktisch nicht, da sich ihr Weiterbildungsangebot konsequent am Bedarf der Unternehmen ausrichte.
Michaela Beck ist seit Januar Geschäftsführerin der HKBiS. Gemeinsam mit Armin Grams, Leiter des Handelskammer-Geschäftsbereiches „Fachkräfte und Lebenslanges Lernen“, hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, mit Kursangebot und Abschlüssen, die bis zum Bachelor und Master reichen, auf die Bedarfe der Wirtschaft zu reagieren.
Neben Fachkräftemangel spürt man derzeit vor allem eine Verschiebung von Tätigkeiten und Kompetenzprofilen: KI, Automatisierung und digitale Tools verändern Aufgaben in nahezu allen Funktionen, besonders in Verwaltung und Backoffice, Kundenservice, Projektarbeit und Führung. In vielen Betrieben entsteht eine neue Realität, in der Mitarbeitende im Tandem mit digitalen Mitarbeitenden und Agenten arbeiten.
Wer Weiterbildung strategisch denkt, bleibt handlungsfähig.
Michaela Beck
Für Michaela Beck stehen daher Tätigkeitstransformationen im Mittelpunkt der Bedarfe. Sie beobachtet beispielsweise, dass Firmen derzeit systematisch entscheiden müssen, welche Aufgaben gut durch KI unterstützt oder sogar automatisiert werden können – und welche nicht: Dauerhaft humanzentriert bleiben etwa Fähigkeiten wie Urteilskraft und Verantwortung, Kundenbeziehungen, Verhandlungs- und Führungsgeschick, Kreativität und Abwägungen in Compliance-Fragen.
Um die nötigen Kompetenzen zu entwickeln, braucht es aus Sicht von Bildungsfachleuten ein breites Spektrum an Formaten: vom kompakten Seminar über Live-Online-Trainings und Blended Learning – eine Kombination aus Präsenz- und Digitalunterricht – bis hin zur höheren Berufsbildung und zu IHK-Qualifikationen. Für zahlreiche Arbeitgeber ist relevant, dass solche Baukastensysteme sowohl kurzfristige Qualifizierung als auch langfristige Karrierepfade ermöglichen.
„Wer Weiterbildung strategisch denkt, bleibt handlungsfähig“, ist Beck überzeugt. „Unternehmen sichern ihre Zukunft, Mitarbeitende ihre Perspektiven.“ Sie ist sicher, dass man in einer sich immer rasanter verändernden Arbeitswelt exakt diese schnellen und zuweilen auch „kleinen“ Lösungen benötigt.
Dass diese nicht immer nur mit KI und Automatisierung zu tun haben, sondern auch mit Psychologie und Kommunikation, zeigt die BRUNATA-METRONA-Gruppe. Das Unternehmen mit rund 600 Mitarbeitenden in Hamburg ist Dienstleister für die verbrauchsabhängige Heiz- und Wasserkostenabrechnung.
Das Weiterbildungsangebot der HKBiS Handelskammer Hamburg Bildungs-Service gemeinnützige GmbH umfasst derzeit mehr als 170 Kurse. Die Info-Hotline ist täglich unter 040 36138777 oder per E-Mail zu erreichen. Exklusive Weiterbildungsangebote als Inhouse-Lösung für Unternehmen erhalten Sie hier.
Sonja-Aileen Jaren, Referentin für Personalentwicklung, spürte, dass es zwischen den 14 Ausbildungsverantwortlichen und den Auszubildenden immer mal wieder zu Konflikten kam. „Die junge Generation hat eine andere Lebenseinstellung in Bezug auf Arbeit und Freizeit, Verbindlichkeit und Sinnhaftigkeit“, sagt sie. „Es fehlt ihr nicht am Engagement, aber man muss sie begeistern.“ Früher habe man nicht so sehr nach dem Sinn einer bestimmten Maßnahme gefragt, aber das sei inzwischen vollkommen anders. „Da können wir auch von den Jüngeren lernen.“
Um die Probleme zu lösen, wünschte sich das Unternehmen eine Weiterbildung zum Thema „Generationenverständnis“ und trat mit dem Wunsch einer eintägigen Inhouse-Intensivschulung an die HKBiS heran. Diese entwickelte daraufhin das Seminar „Auszubildende führen und fördern“. „Es war ein voller Erfolg, da wir einige neue Ansätze für die zukünftige Arbeit mit unseren Auszubildenden kennenlernen durften“, berichtet Sonja-Aileen Jaren, die davon überzeugt ist, dass BRUNATA-METRONA mit ähnlichen Bildungsmodellen in Zukunft noch intensiver arbeiten wird.
Nicht nur Künstliche Intelligenz schafft heute Herausforderungen in der Arbeitswelt, sondern auch die menschliche Intelligenz benötigt zuweilen ein Update, das den Horizont unseres Lebens und Erlebens erweitert.
