Prüfen mit Leidenschaft

Rund 3500 Prüferinnen und Prüfer sichern im Auftrag der Handelskammer die Qualität der beruflichen Aus- und Weiterbildung quer durch alle Branchen. Zehn von ihnen stellt die HW hier vor.
Die Diplom-Informatikerin Jutta Renfordt möchte bis zum Ende ihrer beruflichen Laufbahn ehrenamtliche Prüferin bleiben.
Karin Gerdes
Die Diplom-Informatikerin Jutta Renfordt möchte bis zum Ende ihrer beruflichen Laufbahn ehrenamtliche Prüferin bleiben.
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Text von Clemens Gerlach, Fotos von Karin Gerdes, 10. Februar 2026 (HW 1/2026)

Etwa 3500 Prüferinnen und Prüfer engagieren sich ehrenamtlich für die Handelskammer. Sie begleiten jährlich etwa 20 000 Menschen bei Zwischen-, Abschluss- und Fortbildungsprüfungen und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Sicherung qualifizierter Fachkräfte. Denn gut ausgebildetes Personal wird angesichts des Fachkräftemangels zunehmend zur Schlüsselressource.

Die Prüfenden werden jeweils für fünf Jahre berufen und kommen aus ganz unterschiedlichen Branchen. Ihr Aufgabenfeld ist breit gefächert: Sie prüfen Auszubildende ebenso wie angehende Ausbilderinnen und Ausbilder, die im Rahmen der Ausbilder-Eignungsverordnung (AEVO) ihr berufs- und arbeitspädagogisches Fachwissen nachweisen müssen. Neben der Korrektur und Bewertung schriftlicher Prüfungen beurteilen sie Arbeitsproben, Dokumentationen und Präsentationen und nehmen mündliche Prüfungen ab.

Was sie zu diesem Ehrenamt motiviert, beantworten viele von ihnen ähnlich: Sie wollen junge und engagierte Menschen auf ihrem beruflichen Weg begleiten und aktiv an deren Qualifizierung mitwirken. Nicht wenige haben selbst von individueller Förderung profitiert – und geben dieses Engagement nun als Prüferinnen und Prüfer an die Gesellschaft zurück. Weitere Informationen zum Prüferehrenamt finden Sie hier.


THOMAS FRIEDE

Im Hamburger Hafen kennt sich Thomas Friede bestens aus. „Ich bin dort seit über 45 Jahren tätig“, sagt der erfahrene Prüfer, der bei C. Steinweg Betriebsleiter ist.

So kann ich einen Beitrag zur Ausbildung und zur Bildung der jungen Menschen leisten.

 

Die Fachkräfte für Hafenlogistik (vormals Seegüterkontrolleure) nimmt er gern unter seine Fittiche.

„So kann ich einen Beitrag zur Ausbildung und zur Bildung der jungen Menschen leisten“, sagt Thomas Friede. Und er möchte darüber hinaus die Qualität der beruflichen Bildung sichern und steigern.

Sein seit 2009 bestehendes Engagement in zwei Prüfungsausschüssen bedeutet dem 64-Jährigen immer noch sehr viel. „Die Zusammenarbeit mit anderen Prüfern und Berufsschullehrern führt zu einem interessanten Wissensaustausch“, schwärmt er.


DANIELA SCHOMAKER

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Karin Gerdes
 

Ihre Ansprüche sind hoch. Für Daniela Schomaker muss das auch so sein. „Ich trage schließlich die Verantwortung und lasse die jungen Leute auf die Welt los“, sagt die 39-Jährige. „Da müssen sie es schon richtig können.“

Seit August 2013 ist Schomaker Ausbilderin bei Beiersdorf und für den Bereich Elektrotechnik verantwortlich. Gelernt hat sie Elektrikerin, an der Abendschule folgte die Weiterbildung zur Technikerin für Automatisierungstechnik.

Als Prüfungsvorsitzende will Schomaker einen Teil der Aufregung bei den oftmals sehr nervösen Fachkräften in spe abfangen. Auch hier baut sie auf Teamorientierung, Sorgfalt und Kompetenz: „Wenn der Grundstein nicht richtig sitzt, dann wackelt das ganze Haus.“


SEBASTIAN HELLWIG

Seit 25 Jahren kümmert sich die bühnenwerk GmbH um die Fort- und Weiterbildung von Mitarbeitenden der Theater- und Kulturbetriebe, insbesondere Meister für Veranstaltungstechnik.

Mir macht das Prüfen einfach viel Freude.

 

Genauso lange ist Sebastian Hellwig als Prüfer dabei. „Mir macht es einfach viel Freude“, sagt der 56-Jährige, der beim Unternehmen in Jenfeld wie Christian Berghoff geschäftsführender Gesellschafter ist. Hellwig selbst ist Bühnenmeister und fühlt sich der kreativen Branche verpflichtet.

So engagiert er sich schon seit Langem in der Deutschen Theatertechnischen Gesellschaft. Einer seiner Schwerpunkte war es, die neue Fortbildung „Berufsspezialist Theatertechnik“ mitzuentwickeln. „Wir müssen flexibel bleiben“, sagt Hellwig.


JENS ENGEL

Nur wenige Menschen haben so viele Berufe ausgeübt wie Jens Engel. Der 40-Jährige war als Koch tätig, arbeitete dann kaufmännisch in einer Spedition. Inzwischen ist er Fachinformatiker für Systemintegration bei der Polizei Hamburg im Sachgebiet „Applikation Services“. „Aus- und Fortbildung haben mich mein ganzes Leben begleitet“, sagt Engel.

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Karin Gerdes
 

Er möchte nun Wissen weitergeben, aber auch selbst dazulernen. „Als Prüfer erfahre ich von Projekten, die ich selbst noch nicht kannte. Ich will so lange wie möglich dabeibleiben. Mir bereitet es sehr viel Spaß.“ Und erstmals hat die Polizei einen eigenen IT-Auszubildenden, den er anleitet. Für Engel ein sinnvolles Pilotprojekt: „So können wir dem Fachkräftemangel begegnen.“


MEIKO KAHRAU

Bis 2030 ist Meiko Kahrau als Prüfer berufen. „Die nächsten fünf Jahre sind also gesichert, das freut mich sehr“, sagt der Vorsitzende des Ausschusses für Industriemechaniker (Einsatzgebiet Instandhaltung). Seine vierte Legislaturperiode soll nicht die letzte sein.

Solange ich prüfen darf, mache ich es.

 

„Solange ich darf, mache ich es“, erklärt der 56-Jährige, der Lernbegleiter Metall bei der Deutschen Bahn am Standort in Hamburg-Ohlsdorf ist.

„Wenn der Prüfling es mit dem Abschluss schafft, sehe ich das auch als eine persönliche Auszeichnung.“ Kahrau mag es zudem, durch die Prüfungen Kontakt zu externen Firmen zu bekommen und zusätzlich Auszubildende kennenzulernen. „Das erweitert den eigenen Horizont und bringt auch anderen etwas.“


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HENDRIK ROGEL

Als Prüfer ist Hendrik Rogel in seinem Element und schon seit mehr als 25 Jahren dabei. „Durch diese Tätigkeit werde ich immer auf neue Themen gestoßen und bekomme mit, was in der Branche läuft“, sagt der Meister für Veranstaltungstechnik, der bis vor Kurzem Geschäftsführer der PM Blue GmbH war.

Rogels Motto: „Sich selbst fortbilden durch lebenslanges Lernen.“ Und deshalb blickt der 58-Jährige auch über den Tellerrand und wirkte entscheidend an der Neufassung der Prüfungsordnung für die Meister für Veranstaltungstechnik mit.

„Ich möchte das Berufsbild begleiten, verändern und entwickeln“, sagt Rogel, der seit geraumer Zeit auch im Verband für Medien- und Veranstaltungstechnik Verantwortung übernimmt.


STEFAN SCHMOLDT

Die Aurubis AG bietet Ausbildungen in 15 unterschiedlichen Berufen. Bis zum 1. September war Stefan Schmoldt beim Kupferproduzenten und -wiederverwerter Ausbilder der Elektronikerinnen und Elektroniker, inzwischen ist er Teamleiter Operative Ausbildung.

Es ist sinnvoll, als Ausbilder auch Prüfer zu sein.

 

„Wir bilden unsere Fachkräfte selbst aus, somit sind sie eingearbeitet. Die Person muss zum Unternehmen passen und umgekehrt.“ Beim 39-Jährigen ist das der Fall. „Ich bin seit 2004 hier und habe nie das Verlangen gespürt, Aurubis zu verlassen.“

Der Meister für Elektrotechnik und Vorsitzende im Ausschuss für Elektroniker ist nun auch noch Berufspädagoge. „Es ist sinnvoll, als Ausbilder auch Prüfer zu sein, um zu wissen, wie Prüfungen ablaufen“, sagt Schmoldt. „Ich mache es sehr gern.“


JUTTA RENFORDT

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Karin Gerdes
 

Ursprünglich hat sie Medizin studiert, doch dann wechselte Jutta Renfordt zur Informatik. An der Beruflichen Schule ITECH Elbinsel Wilhelmsburg unterrichtet die 62-Jährige Software- und Anwendungsentwicklung.

„Es macht mir großen Spaß, mit jungen Menschen zu tun zu haben“, sagt sie. „Mein Engagement als Prüferin ist zudem eine gute Möglichkeit mitzubekommen, was in den Betrieben passiert und welche Schwerpunkte es dort gibt.“

Ans Aufhören denkt sie nicht: „Ich werde bis zum Ende meiner beruflichen Laufbahn tätig bleiben.“ Die Diplom-Informatikerin freut es immer wieder aufs Neue, ihre Schützlinge zum Erfolg zu führen: „Es ist einer der schönsten Momente, wenn die Abschlussprüfung bestanden wurde.“


TOBIAS GIESE

Über das Fernsehen und die Markthalle ist Tobias Giese im Sommer 2017 zur Elbphilharmonie gekommen. Dort ist er Ausbilder für die Fachkräfte für Veranstaltungstechnik.

Ich möchte weitergeben, was ich selbst gelernt habe.

 

„Ich möchte weitergeben, was ich selbst gelernt habe“, sagt der 41-Jährige. „So können wir junge Leute entwickeln, damit Fachkräfte nachkommen.“ Beleuchtung, Ton, Video und Bühnentechnik sind sein meisterlicher Beritt. Prüfer zu werden, war für Giese stets eine klare Sache.

„Ich habe nach einem Ehrenamt gesucht, weil ich etwas Sinnvolles tun will. Ich möchte mich einbringen und mache es mit Lust.“ Die Elbphilharmonie als Arbeitsplatz reizt ihn mehr denn je. „Es ist definitiv ein besonderes Haus. Phänomenal, was Wände und Struktur mit den Schallwellen machen.“


KAI ROTHERMUND

Die Leidenschaft für Schiffe hat sich Kai Rothermund bewahrt, auch wenn er nicht mehr auf einer Werft wie vormals Pella Sietas arbeitet. Deshalb ist er Vorsitzender im Prüfungsausschuss für Schiffbau. „Uns liegt das sehr am Herzen, denn wenn wir es nicht mehr machen, wird es vorbei sein“, sagt der 41-Jährige, der seit Juni 2023 Leiter Schweißlabor bei DINSE in Norderstedt ist.

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Karin Gerdes
 

Für Rothermund hat sich damit ein Kreis geschlossen. „Ich habe seit meiner Lehrzeit mit deren Werkzeugen gearbeitet und war immer ein großer Fan“, gesteht der Experte, der auch für Schweißtechnik-Prüfungen zuständig ist. Warum er es macht? „Ich bekomme so einen guten Einblick und kann durch wertvolle Kontakte das Branchennetzwerk vergrößern.“


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