Der 20. Gesundheitstag der Hamburger Wirtschaft findet am Montag, dem 27. April, von 9 bis 15 Uhr in der Handelskammer statt und trägt den Titel „Respekt. Sicherheit. Gesundheit. Umgang mit Gewalt im Betrieb“. Um 10 Uhr werden drei Firmen, die sich bewusst zum Thema Konfliktmanagement „outen“ und damit Vorbild für die Branche sind, mit dem Hamburger Gesundheitspreis ausgezeichnet. Die Veranstaltung ist kostenfrei. Am 5. November folgt in der Handelskammer eine Veranstaltung der ArbeitsschutzPartnerschaft Hamburg über interne Konflikte. Informationen sind bei Petra Versemann von der Handelskammer erhältlich.
Wer von Gewalt im Betrieb spricht, denkt oft zuerst an körperliche Übergriffe. Ausgrenzungserfahrungen, sexuelle Anzüglichkeiten und Beleidigungen treten jedoch viel häufiger auf – das belastet die Mitarbeitenden, senkt nachweislich deren Leistung und steigert ihre Fehlzeiten.
Hilfe beim Konfliktmanagement bieten hier Firmen wie das Hanseatische Zentrum für Arbeitsmedizin (hanza) an, bei dessen Psychologiepartner hanza resources sieben festangestellte psychologische Fachkräfte arbeiten. Zur Klientel zählen beispielsweise Krankenhäuser oder Pflegeeinrichtungen, denn in zentralen Notfallambulanzen kam es in letzter Zeit vermehrt zu Auseinandersetzungen zwischen Personal und Patienten oder Angehörigen und in Pflegeheimen zu Übergriffen.
Nach Vorfällen dieser Art wird hanza resources beauftragt, Mitarbeitende oder Teams in Einzel- oder Gruppenberatung zu betreuen. „Individuelle Angriffe sind die Minderheit; häufiger sind es psychologische Belastungen, die ganze Teams betreffen“, erklärt die geschäftsführende Gesellschafterin Dr. Amina Özelsel, die beim Gesundheitstag am 27. April in der Handelskammer an einer Fachrunde mit dem Titel „Interne Gewalt – wir sehen hin und handeln!“ teilnimmt.
Es kursieren viele Namen, der Bekannteste ist Mobbing. Diesem Wort begegnet man in der Psychologiepraxis mit einer gewissen Hassliebe. Es sei zwar wichtig, dass es einen Begriff und durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) seit 2006 gesetzliche Regelungen zumindest gegen manche Formen von Mobbing gebe, so Özelsel. Gleichwohl passe dieser Begriff für die meisten Fälle nicht: „Weil er von einem strengen ,Täter-Opfer‘-Bild ausgeht – was in der Realität oft nicht zutrifft, weil im System jeder eine Rolle spielt.“
Und deshalb spricht das hanza-Team im Arbeitskontext lieber von „Konfliktbearbeitung“ und entsprechend von „Medianden“ oder „Konfliktparteien“. Für die Mitarbeitenden ist es hilfreicher zu sagen „Es gibt einen Konflikt, ein System, das sich ungünstig verhakt hat.“ „Aber jeder im System ist auch ermächtigt, mit seinem Beitrag das System zu verändern“, erklärt Özelsel.
Wichtige Arbeitselemente sind für die psychologischen Fachkräfte die Vorgespräche, das aktive Zuhören auf Augenhöhe, die Zielvereinbarungen und Folgegespräche (Follow-ups). Am Anfang des Aufarbeitungsprozesses steht die Entscheidung, wer an der Mediation teilnehmen sollte.
Freiwilligkeit und Neugierde sind die Grundvoraussetzung für eine Lösung. Je höher die Bereitschaft, desto eher sei die Arbeit von Erfolg gekrönt, berichtet Amina Özelsel. „Wenn es gelingt, eine Gruppe zum aktiven Zuhören zu bringen, die Kommunikation zu verlangsamen und Vereinbarungen für die Zukunft festzulegen, dann wirkt die Situation im Raum fast magisch.“
Um die vereinbarten Ziele zu erreichen, ergebe es auch Sinn, Führungskräfte mit einzubeziehen – vor allem, wenn die Probleme in den unteren Abteilungen mit Herausforderungen in der Chefetage zusammenhängen, etwa mit mangelnder Entscheidungsfreudigkeit.
Scheitert eine Mediation, gilt es eventuell, unbequeme Entscheidungen zu treffen, wie die Kontrahenten getrennt werden können. Zunächst kann eine Versetzung helfen, eine Kündigung hingegen ist nur die letzte Maßnahme. „Aber schöner für alle Beteiligten ist es, wenn sich die Konflikte durch einen Mediationsprozess auflösen lassen“, meint Özelsel.
