Arbeitsplätze sind wichtig, doch ebenso wichtig sind Strukturen, die Newcomern dabei helfen, sich im Alltag, in Verwaltungsverfahren und auf dem Arbeitsmarkt zurechtzufinden. Hamburg sticht hier positiv hervor: Die Stadt hat ein Umfeld geschaffen, das internationale Fachkräfte nicht nur anzieht, sondern sie auch beim Ankommen unterstützt – etwa mit Institutionen wie dem Hamburg Welcome Center (HWC).
Für mich persönlich machte diese Unterstützung einen entscheidenden Unterschied. Als ich vor vier Jahren nach Deutschland kam, war ich voller Neugier und Motivation. Doch dann bestimmten plötzlich Aufenthaltsfragen, Formulare und Unsicherheit meinen Alltag.
Statt mich auf meine beruflichen Ziele als Journalistin zu konzentrieren, war ich oft damit beschäftigt, herauszufinden, wie es überhaupt weitergeht. Es gab Zeiten, in denen ich nicht sicher war, ob ich meinen Platz hier finden würde.
Und damit war ich nicht allein. Viele internationale Fachkräfte in meinem persönlichen Umfeld mussten monate- oder sogar jahrelang auf die Anerkennung ihrer Abschlüsse warten. Andere machten Erfahrungen mit Diskriminierung oder fühlten sich im Arbeitsalltag allein gelassen.
Häufig fehlt es an Orientierung, aber auch an Führungskräften, die die Bedeutung von Vielfalt erkennen und internationale Mitarbeitende Schritt für Schritt bei ihrer beruflichen und persönlichen Integration unterstützen.
Der Weg zu meiner heutigen Arbeit als Volontärin in der Strategischen Politischen Kommunikation der Handelskammer war also alles andere als geradlinig. Doch das HWC half mir dabei, mich im deutschen System besser zurechtzufinden, auch in Bezug auf behördliche Abläufe.
Wichtige berufliche Impulse gab mir eine Beratung bei der Arbeitsagentur: So empfahl man mir etwa eine Weiterbildung in Social-Media-Management, die mir neue Perspektiven in der Medien- und Kommunikationsbranche eröffnete.
Auch die Handelskammer investierte gezielt in meine Weiterbildung, unter anderem mit Schulungen. Diese Unterstützung gab mir etwas, das oft unterschätzt wird: den Freiraum, mich auf meine persönliche und berufliche Entwicklung zu konzentrieren, statt von Unsicherheit und Bürokratie aufgerieben zu werden.
Vertrauen statt Perfektionsanspruch
Als Journalistin bin ich es gewohnt, mich über Sprache auszudrücken, doch in Deutschland ging zeitweilig etwas von meiner Sicherheit verloren. Aber ich habe bald etwas Wichtiges gelernt: Sprache und Selbstvertrauen bilden sich nicht nur im Unterricht. Sie wachsen im Arbeitsalltag, in Besprechungen, in Gesprächen am Arbeitsplatz, durch Missverständnisse, Fehler und die Bereitschaft, es immer wieder zu versuchen. Fehlten mir die passenden Worte auf Deutsch, konnte ich Ideen auf Englisch einbringen.
Mein Vorgesetzter meinte: „Wir kommen dahin. Wir arbeiten gemeinsam darauf hin.“ Dieser Satz ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben. Denn was mir geholfen hat, war nicht Perfektion. Es war Vertrauen. Dinge, die zunächst wie Umwege erschienen, erwiesen sich später als wertvolle Erfahrungen.
Obwohl ich mich noch weiterentwickelte, wurden mir bereits Aufgaben und Verantwortung übertragen. Gerade diese Verantwortung half mir, schneller zu lernen, mich anzupassen und immer sicherer zu werden. Gleichzeitig erhielt ich Raum, Fehler zu machen und aus ihnen zu lernen.
Internationalität als Stärke
Was also ist nötig, damit Unternehmen dauerhaft von der Kompetenz internationaler Fachkräfte profitieren können? Es gilt, die Anforderungen gemeinsam zu bewältigen. Die Zugewanderten müssen die Sprache lernen und bereit sein, sich auf eine völlig neue Kultur und Arbeitskultur einzulassen und sie zu verstehen.
Hindia Yaghi studierte Journalismus im Libanon und arbeitete als Journalistin, Redakteurin und Nachrichtenmoderatorin im Libanon, in Zypern und Dubai. Nach ihrem Umzug nach Deutschland sammelte sie Erfahrungen in der Medienarbeit des Deutschen Bundestages sowie bei der Deutschen Welle. Heute arbeitet sie als Volontärin im Stabsbereich „Strategische Kommunikation“ der Handelskammer Hamburg. Ihr beruflicher Blick auf Integration und Fachkräftesicherung wird durch Studieninhalte aus Diplomatie und Konfliktmanagement geprägt.
Denn die Normen, Kommunikationsstile, Entscheidungsprozesse und unausgesprochenen Erwartungen sind von Land zu Land sehr unterschiedlich. Gleichzeitig sollten Arbeitgeber und Institutionen Potenzial erkennen, Vielfalt annehmen und Orientierung, effiziente Verwaltung sowie berufliche Entwicklungsmöglichkeiten bieten, also Integration Schritt für Schritt unterstützen.
In meinem Arbeitsalltag habe ich gelernt, dass die interessantesten Diskussionen oft dann entstehen, wenn Menschen Themen aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten. Für Hamburg als internationale Wirtschaftsmetropole liegt darin eine große Chance. Denn wo man verschiedene Sichtweisen aktiv teilt, entstehen neue Ideen, Innovation und ein Arbeitsumfeld, in dem sich internationale Fachkräfte langfristig eine Zukunft vorstellen können.
Menschen bleiben dort, wo sie sich beruflich weiterentwickeln können, wo ihre Ideen geschätzt werden, wo sie Entwicklungschancen sehen und spüren, dass ihre Arbeit Sinn stiftet. Am wichtigsten ist: Sie bleiben dort, wo sie sich mit der Organisation, der Gemeinschaft und dem Ort, an dem sie leben, verbunden fühlen.
