Wettbewerbsfähig durch Wandel

Wie gelingt nachhaltige Transformation in einer unsicheren Welt? Wie gelingt nachhaltige Transformation in einer unsicheren Welt? Diese Frage beschäftigt zahlreiche Unternehmen im Alltag – und steht im Mittelpunkt der dritten „Hamburg Sustainability Conference“ sowie des „Future Economy Day“.
Im Jahr 2015 haben die Vereinten Nationen 17 Nachhaltigkeitsziele definiert, die bis 2030 erreicht werden sollen. Neben ökologischen Zielen stehen dabei auch soziale und wirtschaftliche Fragen im Mittelpunkt.
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Im Jahr 2015 haben die Vereinten Nationen 17 Nachhaltigkeitsziele definiert, die bis 2030 erreicht werden sollen. Neben ökologischen Zielen stehen dabei auch soziale und wirtschaftliche Fragen im Mittelpunkt.
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Von Katrin Mayer, 5. Juni 2026 (HW 3/2026)

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Kati Jurischka
Die HSC wird 2026 bereits zum dritten Mal in der Hamburger Handelskammer und im Rathaus stattfinden. Die erste HSC war im Oktober 2024, die zweite im Juni 2025.

Nachhaltigkeit ist heute eine zentrale Managementaufgabe. Banken fordern Klimadaten, Geschäftspartner verlangen Transparenz in der Lieferkette, die Kundschaft achtet zunehmend auf Herkunft, Ressourceneinsatz und Klimabilanz von Produkten. Parallel steigen die Anforderungen an Energieeffizienz, Versorgungssicherheit und Resilienz.

Geprägt wird dies nicht nur durch Marktmechanismen und geopolitische Veränderungen, sondern auch durch internationale Zielsetzungen. Eine zentrale Rolle spielt die „Agenda 2030“ der Vereinten Nationen mit ihren 17 „Sustainable Development Goals“ (SDGs) aus dem Jahr 2015. Sie definiert zentrale Nachhaltigkeitsziele – von Klimaschutz über menschenwürdige Arbeit bis hin zu sozialer Teilhabe – und richtet sich längst nicht mehr nur an Staaten, sondern zunehmend auch an Unternehmen.

Erheblicher Aufwand Für die Wirtschaft werden diese Ziele vor allem über die sogenannten ESG-Kriterien greifbar: Environmental (Umwelt), Social (Soziales) und Governance (Unternehmensführung). Mit diesem Instrument messen und steuern Betriebe, Banken und Investoren Nachhaltigkeitsleistungen. Während die SDGs beschreiben, was die Welt erreichen will, operationalisieren ESG-Kriterien diese Anforderungen für Unternehmen, etwa bei Reportingpflichten oder Investitionsentscheidungen. Die SDGs definieren das „Wohin“, die ESG-Kriterien hingegen das „Wie“ der wirtschaftlichen Umsetzung.

Die „Hamburg Sustainability Conference“ (HSC) bringt Entscheidungsverantwortliche aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammen. Sie findet am 29. und 30. Juni in Handelskammer und Rathaus statt und ist eine Initiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen, der Stadt Hamburg sowie der Michael Otto Stiftung. Rund 1600 Teilnehmende aus aller Welt werden erwartet. Ziel ist es, aus globalen Nachhaltigkeitszielen wirtschaftliche Allianzen und skalierbare Lösungen zu entwickeln.

Für viele Firmen ist der Aufwand erheblich. Der „Carbon Border Adjustment Mechanism“ beispielsweise, ein CO₂-Grenzausgleichssystem, verlangt detaillierte CO₂-Nachweise für importierte Waren, das Verpackungsgesetz greift tief in Produktions- und Logistikprozesse ein. Mit dem im Februar verabschiedeten „Omnibus-I-Paket“ hat die EU ihre Vorgaben zur Nachhaltigkeitsberichterstattung und Sorgfaltspflicht nun deutlich entschärft.

Berichtspflichten nach der „Corporate Sustainability Reporting Directive“ (CSRD) greifen künftig erst ab mehr als 1000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von mehr als 450 Millionen Euro, bei der Lieferkettenrichtlinie CSDDD sogar erst ab 5000 Beschäftigten und 1,5 Milliarden Euro Umsatz.

Nach Schätzungen der Europäischen Kommission fallen damit rund 80 Prozent der bisher berichtspflichtigen Unternehmen aus dem Anwendungsbereich heraus. Doch die Grundrichtung bleibt bestehen: Nachhaltigkeitsinformationen sollen weiterhin stärker in Unternehmenssteuerung und Finanzierung einfließen.

CO₂-Fußabdruck ermitteln Das zeigen auch die Leitlinien der europäischen Bankenaufsicht von 2025. Kreditinstitute sind verpflichtet, Nachhaltigkeitsrisiken verbindlich in ihr Risikomanagement zu integrieren. Was das genau bedeutet, erklärt Mieke Lindner, Teamleiterin Nachhaltigkeit bei der Hamburger Sparkasse: „Wir müssen als Bank einen CO₂-Fußabdruck ermitteln – nicht nur für unsere eigenen Emissionen, sondern auch für unser gesamtes Kreditportfolio. Bei jedem Kredit müssen wir künftig sagen können: Wie viel CO₂ wird hier verursacht?“

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Ulrich Perrey
Der Future Economy Day richtet sich insbesondere an Unternehmen, die Nachhaltigkeit in ihre Strategie einbauen wollen.

Das verändert Kreditgespräche grundlegend. Unternehmen, die bislang keine Klimabilanz erstellt haben, müssen diese Daten nun liefern – nicht wegen der CSRD-Berichtspflicht, sondern weil Banken sie für ihre Risikobeurteilung benötigen. Nachhaltigkeitsaspekte fließen damit stärker in Finanzierungskonditionen ein. Während grüne Projekte günstiger finanziert werden, ist die Kapitalbeschaffung für risikobehaftete Geschäftsmodelle teurer. „Ein Unternehmen, das von Öl- und Gaspreisen abhängig ist und nicht in erneuerbare Energien investiert, ist abhängig von äußeren Faktoren wie Marktpreisen“, so Lindner. „Als Bank sind wir angehalten, derartige Risiken im Geschäftsmodell des Kunden zu bewerten.“

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Mieke Lindner, Teamleiterin Nachhaltigkeitbei der Hamburger Sparkasse

Transformation konkret gestalten Wie Betriebe die Transformation praktisch umsetzen, zeigt zum Beispiel tesa am Hamburger Standort Hausbruch: Als einer der ersten industriellen Abnehmer wird das Unternehmen an das Wasserstoff-Industrie-Netz HH-WIN angeschlossen. Ab 2027 sollen dort die ersten Klebebänder mit grünem Wasserstoff produziert werden, bei einer jährlichen CO₂-Einsparung von rund 6000 Tonnen.

Solche Investitionen stehen exemplarisch für die Herausforderungen vieler Firmen am Standort. Klimaneutralität ist zunehmend eine Frage von Zukunftsfähigkeit. Welche Rahmenbedingungen dafür nötig sind, bündelt die Handelskammer in ihrem Standpunktepapier „Hamburg Net Zero“. Es beschreibt Klimaneutralität nicht als politische Vorgabe, sondern als wirtschaftliche Notwendigkeit – für Wettbewerbsfähigkeit, die Resilienz von Unternehmen und nicht zuletzt die Attraktivität des Standortes. Nachhaltige Transformation trotz geopolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Unsicherheit – das ist das zentrale Thema der dritten „Hamburg Sustainability Conference“ (HSC) Ende Juni.

KI-Erklärung Die auf der HSC 2025 unterzeichnete „Hamburg Declaration on Responsible AI“ nennt gemeinsame Prinzipien und Verpflichtungen, um Entwicklung und Einsatz von KI weltweit gerechter, inklusiver und nachhaltiger zu gestalten, insbesondere in weniger reichen Ländern. Dies beinhaltet auch besseren Zugang zu KI-Bildung für Frauen und Mädchen, Bekämpfung von Desinformation und den Schutz der Menschenrechte.

Die Konferenz versteht sich als globale Plattform, um die Umsetzung der SDGs zu beschleunigen und ergebnisorientierte Lösungen zu entwickeln. Dass dabei Ergebnisse entstehen, zeigt beispielsweise die „Hamburg Declaration on Responsible AI“, die 2025 verabschiedet wurde.

KI ressourceneffizient einsetzen Es ist die erste globale Erklärung zum verantwortungsvollen Einsatz von Künstlicher Intelligenz für die SDGs in internationaler Entwicklung. Regierungen, Unternehmen und Zivilgesellschaft verpflichteten sich darin, KI inklusiv und ressourceneffizient einzusetzen. Darüber hinaus setzt die Konferenz gezielt auf Allianzen, etwa zu globaler Gesundheit, Digitalisierung oder nachhaltiger Mobilität.

Auch in diesem Jahr geht es um resiliente Wirtschaftssysteme, Technologie und die Zukunft unseres Planeten. Wie geht die Welt mit wachsenden Risiken, Konflikten und Unsicherheiten um? Und wie muss multilaterale Zusammenarbeit erneuert werden, damit sie in einer zunehmend fragmentierten Welt noch trägt? Es wird deutlich: Klimawandel und der Verlust der biologischen Vielfalt sind längst keine ökologischen Randthemen mehr. Sie verändern Anbaubedingungen, Wasserversorgung, Stadtentwicklung und Lieferketten. Damit werden sie zu handfesten wirtschaftlichen Risiken.

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Andrew McLeish
John Denton, Generalsekretär der Internationalen Handelskammer ICC

John Denton, Generalsekretär der Internationalen Handelskammer ICC, benennt den Anspruch der Konferenz so: „Die ‚Hamburg Sustainability Conference‘ legt den Fokus darauf, die SDGs von einer Vision in die Umsetzung zu überführen.

Dabei erkennt sie die Wirtschaft als Umsetzungspartner an und bindet sie ein.“ Es gehe darum, was es praktisch brauche, um Investitionen zu mobilisieren, Politik auszurichten und Lösungen in der realen Wirtschaft zu skalieren.

Internationale Kooperation erforderlich Auch Tatiana Molcean, Exekutivsekretärin der UN-Wirtschaftskommission für Europa (UNECE), verweist auf die wachsende Bedeutung internationaler Zusammenarbeit: „Alle großen Herausforderungen unserer Zeit – von der Klimakrise bis hin zu wirtschaftlichen Schocks und Ungleichheiten – erfordern internationale und sektorübergreifende Zusammenarbeit.“

Einheitliche Regeln und Governance-Strukturen könnten dabei helfen, Prozesse zu vereinfachen, Doppelarbeit zu vermeiden und Vertrauen zwischen Akteuren aufzubauen. Gleichzeitig brauche es inklusive Plattformen, die Vertreter aus öffentlichem und privatem Sektor – auch aus der Finanzwelt – für praxisorientierte Diskussionen zusammenbringen.

John Denton und Tatiana Molcean diskutieren nicht nur auf der Hauptbühne der „Hamburg Sustainability Conference“, welche Wege zu einer neuen Form des Wachstums führen, sondern sind auch bei der Opening Session des „Future Economy Day“ am 1. Juli dabei, der als dritter Konferenztag anschließt.

Umsetzung in den Unternehmen Nach den Policy-Debatten der ersten beiden Konferenztage geht es bei diesem Format um die Umsetzung in den Unternehmen: Welche Transformationsstrategien funktionieren? Welche Finanzierungsmodelle tragen? Und wie lassen sich Kooperationen in der Praxis anbahnen? Thema in diesem Jahr ist die „Twin Transition“, also die Frage, unter welchen Bedingungen digitale und nachhaltige Transformation einander verstärken statt behindern. Denn ohne Dekarbonisierung der Energieversorgung treibt Künstliche Intelligenz den CO₂-Ausstoß in die Höhe, statt ihn zu senken.

Der „Future Economy Day“ am 1. Juli übersetzt die Debatten der HSC in die Praxis und präsentiert unternehmerische Impulse. Veranstaltet von Handelskammer, ICC Germany und DZ Bank, richtet er sich insbesondere an Unternehmen, die Nachhaltigkeit strategisch begreifen. Drei Panels stehen im Mittelpunkt: lokale Transformationsstrategien mit Beiträgen aus Hamburg, Kenia, China und Brasilien, nachhaltige Finanzierung für eine klimaneutrale Zukunft sowie Kreislaufwirtschaft in globalen Wertschöpfungsketten. Zur Anmeldung geht es hier.

Dabei geht es nicht nur um große Konzerne. Gerade für den Mittelstand stellt sich die Frage, wie die „Twin Transition“ praktisch zu stemmen ist – mit begrenzten Ressourcen, unter wachsendem Wettbewerbsdruck und in einer Zeit, in der technologische Entwicklungen schneller voranschreiten als betriebliche Anpassungsprozesse.

Der „Future Economy Day“ schafft dafür den Rahmen: Austausch auf Augenhöhe, Solution Pitches mit konkreten Lösungsansätzen von Unternehmen und Institutionen sowie neue Partnerschaften, die über den Tag hinaus wirken.

Die „Agenda 2030“ läuft in vier Jahren aus. Die Anforderungen an die Unternehmen werden in dieser Zeit nicht abnehmen. Doch Nachhaltigkeit muss nicht bedeuten, alle 17 SDGs auf einmal anzugehen. Die Unternehmen können dort anfangen, wo der Hebel am größten ist: eine Klimabilanz erstellen, den Energiebezug auf erneuerbare Quellen umstellen oder den „Gender Pay Gap“ (Geschlechtsspezifische Lohnlücke) schließen.

Jede dieser Maßnahmen zahlt auf die globalen Ziele ein und stärkt zugleich die eigene Wettbewerbsfähigkeit. Entscheidend ist längst nicht mehr, ob Nachhaltigkeit wirtschaftlich relevant ist, sondern wie schnell die Konsequenzen gezogen werden. Hamburg diskutiert diese Fragen nicht nur. Hamburg gestaltet sie auch mit.

Hamburg Net Zero Das Anfang 2025 veröffentlichte Standpunktepapier „HAMBURG NET ZERO“ der Handelskammer stellt eine Reihe von Ansätzen, Initiativen und Forderungen vor, die eine klimaneutrale Wirtschaft in Hamburg bis 2040 ermöglichen können und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit steigern. Dazu gehört auch die Schaffung entsprechender Rahmenbedingungen wie sicherer und günstiger Stromversorgung, Entbürokratisierung und Stärkung staatlicher Investitionen.


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