Wie entstand die Idee zu euren nachhaltigen Pflegeprodukten – und welche Haltung leitet euch dabei? Ihr sprecht von „Resilienz für Haut und Haar, für Menschen und Umwelt“. Was bedeutet dieser Ansatz konkret?
Die Idee entstand 2018 aus einer Mischung aus Frust und Neugier heraus. Wir beide hatten damals das Gefühl, dass die Beautybranche etwas Grundlegendes verpasst: weniger Perfektionsdruck, mehr Ehrlichkeit – und vor allem Produkte, die nicht nur gut aussehen, sondern wirklich besser für Mensch und Umwelt funktionieren.
Wir wollten Pflege schaffen, die reduziert, statt zu überreizen. Die Hautbarriere braucht oft nicht „mehr“, sondern Ruhe und Stabilität – also Resilienz.
Für uns bedeutet das Resilienz auf drei Ebenen: für die Haut, indem wir mit minimalistischen Rezepturen arbeiten, ohne synthetische Düfte oder unnötige Füllstoffe. Für die Umwelt, indem wir feste, wasserfreie Produkte entwickeln, die Verpackung reduzieren und Ressourcen sparen. Und für Menschen, indem wir zeigen, dass man auch als kleines Unternehmen Haltung bewahren und Krisen überstehen kann.
Resilienz ist für uns kein Marketingwort, sondern eine Haltung: Kompliziertes vereinfachen, Verantwortung übernehmen und sich nicht verbiegen, nur weil es vermeintlich einfacher wäre.
Euer Unternehmen startete unter dem Namen „terrorists of beauty“. Warum habt ihr euch damals für diesen provokanten Namen entschieden – und was führte schließlich zum Rebranding?
Als wir begonnen haben, wollten wir die Schönheitsindustrie wachrütteln. „terrorists of beauty“ war bewusst radikal gewählt – nicht, um zu schocken, sondern um Aufmerksamkeit auf die absurden Schönheitsnormen und die ökologischen Folgen vieler Produkte zu lenken. Der Name wurde schnell zu einer Diskussion über Ideale, Konsum und Mut zur Veränderung – und wir wurden damit deutschlandweit sichtbar.
Zugleich führte die Provokation zunehmend zu Hürden. Ab 2022 wurden wir aufgrund des Namens auf wichtigen Plattformen wie Google und Meta blockiert, was unseren zentralen Wachstumskanal lahmlegte. Wir hatten nur zwei Optionen: stehen bleiben oder uns neu erfinden.
Das Rebranding zu „therefore beauty“ war schmerzhaft, aber notwendig. Der neue Name beschreibt, wofür wir heute stehen: klare Logik, nachhaltige Entscheidungen und die Konsequenz, mit der wir weitermachen – trotz Gegenwind. Die Produkte und Werte blieben dieselben; nur die Verpackung hat sich verändert.
Wie finanziert ihr euch aktuell – und was braucht ihr im kommenden Jahr am dringendsten? Auf eurer Website schreibt ihr, dass schnelles Wachstum nie euer Ziel war. Wie passt das zu klassischen Erwartungen an ein Start-up?
Wir finanzieren uns derzeit komplett aus eigenen Einnahmen und sehr schlanken Strukturen. Seit der Gründung haben wir ohne große Investorengelder gearbeitet – einerseits aus Überzeugung, andererseits, weil wir unabhängig bleiben wollten.
Nach dem Rebranding war das eine Herausforderung, aber auch eine Chance, das Unternehmen radikal zu fokussieren. Was wir im nächsten Jahr am dringendsten brauchen, ist Stabilität: verlässliche Partnerschaften im Handel, eine stärkere Sichtbarkeit online und genügend Ressourcen, um unser Sortiment sinnvoll zu erweitern. Wir planen bewusst keine hyper-aggressive Skalierung. Nicht, weil wir Wachstum ablehnen, sondern weil wir glauben, dass Nachhaltigkeit und Geschwindigkeit sich nur bedingt vertragen.
Wir sehen uns als Purpose-Start-up, das langfristig wirken will. Unser Ziel ist nicht, in kurzer Zeit möglichst groß zu werden, sondern ein Unternehmen zu bauen, das Bestand hat – für uns, für Kundinnen und Kunden sowie für eine Branche, die sich dringend weiterentwickeln muss. Wenn wir wachsen, dann solide, sinnvoll und so, dass unsere Werte nicht verloren gehen.

