Wer sein Auto an der Tankstelle mit Kraftstoff befüllt, denkt kaum über die Technologie der Zapfpistole nach, die gerade im Einfüllstutzen hängt. Auch fragen wir uns in der Regel nicht, aus welchem Material der Betankungsschlauch eines Flugzeugs besteht. Oder wie Verbindungsstücke beschaffen sein müssen, um Chemikalien oder pharmazeutische Substanzen gefahrlos durchzuleiten.
Die Forschenden bei ELAFLEX hingegen stellen sich solche Fragen. Es ist Teil ihrer täglichen Arbeit, Materialien und Techniken auf die Spur zu kommen, die sich für den sicheren Umschlag von flüssigem oder gasförmigem Gefahrgut eignen, diese gegebenenfalls anzupassen oder zu optimieren.
Das international tätige Familienunternehmen mit Hauptsitz in Hamburg ist einer der führenden Spezialisten für Betankungs- und Verbindungstechnik in den Bereichen Wasserstoff (H2), CNG (komprimiertes Erdgas), LNG (verflüssigtes Erdgas), Propan und konventionellen Kraftstoffen. Es entwickelt und produziert, wartet und vertreibt hochwertige Schläuche, Armaturen, Kompensatoren (Verbindungsstücke) und Zapfventile etwa für Schifffahrt, Flughäfen, Marine, Tankstellen und Industrie.
Patente sind für die ELAFLEX-Gruppe, zu der inzwischen 27 Firmen weltweit mit insgesamt rund 1000 Mitarbeitenden gehören, essenziell. „Allerdings müssen sie Sinn machen und von Nutzen sein“, sagt Geschäftsführer Stefan Kunter. „Das ist der Fall, wenn es sich um Erfindungen in zukunftsträchtigen Bereichen handelt wie Wasserstoff, Flüssiggas oder alternativen Energien.“
Etwa fünf bis zehn Patente bringt die Firmenleitung jedes Jahr auf den Weg. 2025 reichte ELAFLEX zum Beispiel ein „Flexibles Leitungselement zum Transport von wasserstoffhaltigen Fluiden“ unter der Nummer EP4410531 beim Europäischen Patentamt ein.
„Wir haben entdeckt, wie wir gasförmigen Wasserstoff mithilfe eines weichen, beweglichen Schlauches, der nicht aus Metall besteht, permeationsfrei, also ohne Ausdringen des Gases, befördern können“, erläutert Kunter. „Zuvor haben wir starre Metallschläuche verwendet, um zu verhindern, dass Wasserstoff die Wände durchdringt und nach außen gelangt.“
Das Transportvolumen von Wasserstoff habe sich in den vergangenen Jahren stark verändert.
Stefan Kunter
Das Material: ein Spezialgummi, das zum einen von dem durchgeleiteten Gas nichts nach außen dringen lässt und zum anderen beständig ist gegenüber beispielsweise mechanischen Beanspruchungen, Abrieb, UV-Strahlung und Ozon.
Die Erfindung von ELAFLEX ist geeignet für Bereiche, in denen Wasserstoff mit niedrigem Druck weitergeleitet wird wie bei der Elektrolyse und in Gasversorgungsnetzen sowie bei der Zuleitung von – zumindest teilweise – mit Wasserstoff betriebenen Schiffsmotoren. Für das Betanken von Schiffen oder Fahrzeugen hingegen bedarf es eines höheren Druckes, weshalb dort weiterhin metallverstärkte Schläuche zum Einsatz kommen.
Das Transportvolumen von Wasserstoff habe sich in den vergangenen Jahren stark verändert, berichtet Stefan Kunter, der „Digitale Signalverarbeitung“ studiert und ein Unternehmen für Sensoren geleitet hat, bevor er 2008 als CEO und Managing Director bei ELAFLEX eingestiegen ist. „Früher wurde Wasserstoff in kleinen Einheiten an Einrichtungen wie Labore und Krankenhäuser geliefert, inzwischen handelt es sich um wesentlich größere Mengen, die bewegt werden.“ Ein entscheidender Grund für ELAFLEX, das „Flexible Leitungselement zum Transport von wasserstoffhaltigen Fluiden“ nach dreijähriger Entwicklung mit einem Patent abzusichern.
Dr. Wulf-Erich Damrau vom Innovations- und Patent-Centrum der Handelskammer (IPC) betont, wie wichtig Patente sein können: „Sie gewähren ein zumindest zeitlich begrenztes Monopolrecht, das vor Plagiaten schützt.“ Das IPC berät vor allem KMU und Start-ups bei Fragen rund um gewerbliche Schutzrechte und stellte das Patent EP4410531 von ELAFLEX kürzlich in seiner Reihe „Patent des Monats“ vor.
Grundsätzlich empfiehlt Damrau Unternehmen, die Innovationen auf den Markt bringen oder es planen, rechtzeitig eine Strategie für geistiges Eigentum („Intellectual Property“) zu entwickeln, denn ohne Schutzrechte sei Innovation kaum möglich. „Diese Strategie sollte auch Prioritäten festlegen, wann eine Anmeldung von Schutzrechten sinnvoll erscheint, sodass künftige Entwicklungen schneller und besser vermarktet werden können.“
Für die ELAFLEX-Gruppe, zu der unter anderem MannTek und Air Traffic Trade in Schweden, DANTEC in Großbritannien oder Oasis in Neuseeland zählen, ist das Einreichen von Patenten Routine. Ihre Produkte sind größtenteils sicherheitsrelevant. Es zählen daher vor allem Qualität, Langlebigkeit und Zuverlässigkeit, die Auflagen für eine Zulassung sind in der Regel hoch.
Von Karl Max Cäsar Ehlers 1923 als technischer Handel für Schiffs- und Werftbedarf gegründet, wandelte sich der Betrieb sukzessive zum Spezialisten für Betankungs- und Verbindungstechnik. 1940 zum Beispiel brachte Ehlers den ersten europäischen Zapfschlauch ohne Metallauskleidung und ohne Baumwollumflechtung auf den Markt.
Die Mitarbeitenden des Innovations- und Patent-Centrums (IPC) der Handelskammer unterstützen bei Fragen rund um gewerbliche Schutzrechte und das Patentmanagement. Basierend auf patentstatistischen Analysen ermittelt das IPC zudem die aktuellen Techniktrends für das monatliche IPC-Technologiebarometer und kürt regelmäßig ein herausragendes Patent zum „Hamburger Patent des Monats“. Kontakt: 040 36138-376, ipc@hk24.de
Der große Durchbruch erfolgte 1948 mit der „Berliner Luftbrücke“. „Damals fehlte es an Betankungsschläuchen für die ‚Rosinenbomber‘“, berichtet Stefan Kunter. „Karl-Heinz Ehlers, der Sohn des Gründers, entwickelte daraufhin vollkommen neue Schlauchleitungssysteme für die Flugzeugbetankung.“
In den 1950er-Jahren machte der Sohn des Gründers erneut von sich reden, als er für Tankstellen das Zapfventil mit Abschaltautomatik herausbrachte. „Zuvor wurde so lange getankt, bis das Benzin überlief“, so der heutige CEO. „Weil es immer mehr Autos gab, ist irgendwann das Umweltministerium eingeschritten – und Ehlers hatte die Lösung.“
Forschung findet bei ELAFLEX in den unterschiedlichsten Bereichen statt, darunter Chemie und Physik, Maschinenbau, Elektronik und Materialwissenschaft. Einer der Schwerpunkte liegt auf Wasserstoff und seinen Transportmöglichkeiten. In Hamburg entwickelt das Unternehmen Schläuche und Kompensatoren aus Gummi. Bei ditec im unterfränkischen Kitzingen entstehen große Kompensatoren für die Elektrolyse.
Bei MannTek in Schweden hingegen geht es um Kupplungssysteme, denen Wasserstoff, der bei minus 253 Grad Celsius verflüssigt wurde, nichts anhaben kann, und bei Oasis in Neuseeland um Hochdruck-Wasserstoffkomponenten. Zuweilen gesellen sich auch neue Firmen zur Unternehmensgruppe hinzu. „Voraussetzung ist, sie passen ins Profil und erweitern das Portfolio“, betont Stefan Kunter. „Und sie müssen familiengeführt, sein – darauf legen wir viel Wert.“
