Innovationsbooster für den Mittelstand

Scaleup Hamburg“, ein Service der städtischen Wirtschaftsförderung Hamburg Invest, unterstützt mittelständische Unternehmen bei Innovationsprojekten durch Kooperationen mit wachstumsstarken Start-ups.
Auf dem „Demo Day“ von „Scaleup Hamburg“ präsentierte Martin Siejka, Senior Innovation Manger bei Louis-Motorrad, KI-Lösungen im Betrieb.
Sophie Wolter
Auf dem „Demo Day“ von „Scaleup Hamburg“ präsentierte Martin Siejka, Senior Innovation Manger bei Louis-Motorrad, KI-Lösungen im Betrieb.
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Von Torsten Meise, 10. Februar 2026 (HW 1/2026)

Seit den 1930er-Jahren fährt die Detlev Louis Motorrad-Vertriebsgesellschaft der Konkurrenz in der Zweiradwelt voraus. Ihr Weg führte vom einstigen Hamburger Motorradgeschäft zum international tätigen Handelsunternehmen in Warren Buffets Reich der legendären Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway. In 20 Ländern bieten die Louis-Shops heute alles, was Motorradfans an Bekleidung und Technik für ihre Leidenschaft benötigen.

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Sophie Wolter
Sabina Schaal, Business Development Managerin bei altona Diagnostics

Doch wenn es bei Louis-Motorrad um das Auffinden interner Daten geht, endet die Suche dort nicht selten in einer Sackgasse. „Wenn ich Dokumente benötige, dann muss ich oft Kollegen anrufen und danach fragen, was extrem zeitraubend ist“, beschreibt Martin Siejka eine Situation, die vielen Beschäftigten heute durchaus vertraut ist: Immer mehr Daten liegen verstreut an unterschiedlichen Stellen einer komplexen Organisationsstruktur.

Doch Siejka, Senior Innovation Manager bei Louis-Motorrad, sorgt gerade für Abhilfe. Gemeinsam mit dem Hamburger Start-up Zive arbeitet er an einer KI-gestützten Lösung, die alle internen Datenbestände miteinander verknüpft und durchsuchbar macht. Für beide Seiten hat diese Kooperation Vorteile. Louis erhält eine KI-Enterprise-Search, die individuell zugeschnitten ist und bessere Ergebnisse verspricht als die Angebote großer Konzerne. Das Start-up hingegen kann seine Technologie in der Praxis eines großen mittelständischen Betriebes weiterentwickeln.

Kooperationen schließen Gefunden haben sich beide Partner im Rahmen des „Scaleup Hamburg“-Angebotes von Hamburg Invest. Der neue Service, 2025 mit einer Pilotphase angelaufen, soll etablierten Hamburger Betrieben dabei helfen, Innovationslösungen zu finden und einzuführen, indem er sie mit führenden internationalen „Scale-ups“ – junge Unternehmen, die sich bereits in einer Wachstumsphase befinden – zusammenbringt.

Angestrebt wird die gemeinsame Entwicklung eines individuellen „Use Case“ („Anwendungsfall“), basierend auf den konkreten Herausforderungen des jeweiligen Unternehmens. Über Hamburg Invest erfolgt dann die Suche nach internationalen Start-ups, die eine passende Lösung bieten könnten. Fachleute begleiten zudem einen praxisorientierten und kuratierten Prozess, um die Zusammenarbeit erfolgreich einzuleiten und umzusetzen.

Wir wollen unsere Marktposition stärken, indem wir Kunden eine einfachere und nachhaltigere Handhabung ermöglichen.

Sabina Schaal

An dieser Stelle kooperiert Hamburg Invest mit Stratosfare, einer Initiative des Clusters „it’s OWL“ mit Sitz in Paderborn, das von Unternehmen wie Miele und WAGO initiiert wurde.

Das Team arbeitet nach dem sogenannten „Venture-Clienting-Modell“, bei dem etablierte Firmen frühe Kunden von Start-ups werden, um deren Technologien auf Produkte, Prozesse oder Geschäftsmodelle des eigenen Unternehmens anzuwenden.

Sandra Zech, Head of Digital Transformation and Strategy bei Louis, beschreibt die Motivation, über Hamburg Invest eine Kooperation mit einem Unternehmen aus der Start-up-Welt zu suchen: „Ein normaler Beschaffungsprozess hätte uns nur zu etablierten Anbietern geführt.“ Louis sei auf der Suche nach einem „Speedboat“ gewesen, um eine innovative Lösung zu finden, die Zeit und Kosten spart und das Unternehmen wettbewerbsfähiger macht. Genau das habe dank „Scaleup Hamburg“ funktioniert.

Innovationshindernisse beseitigen Die Investitionsneigung mittelständischer Unternehmen in Deutschland wird von vielen Studien negativ eingeschätzt. Vor allem bei Digitalisierung und KI gibt es weiter großen Nachholbedarf. Laut KfW-Mittelstandspanel 2025 haben nur 39 Prozent der mittelständischen Betriebe in letzter Zeit Investitionsprojekte umgesetzt – ein Wert nahe dem Allzeittief. Vielen kleineren Firmen fehlen zudem leistungsstarke Innovationsabteilungen. Sie sind eher auf ihr Kerngeschäft fokussiert und haben kaum Kapazitäten, um auf „Nebenschauplätzen“ Innovationen systematisch voranzutreiben.

Ein Beispiel ist altona Diagnostics, ein molekulardiagnostisches Unternehmen, das PCR-basierte Nachweise für Infektionserreger anbietet. Es entwickelt und produziert PCR-Kits und eine PCR-Automation in Hamburg, nachgefragt von Laboren weltweit. Die PCR-Tests unterliegen im Versand hohen regulatorischen Anforderungen und benötigen eine konstant niedrige Temperatur von minus 15 Grad Celsius. Für diese Aufgabe sucht altona Diagnostics neues Verpackungsmaterial, das nachhaltiger ist als das bislang verwendete, ohne Qualität und Compliance zu gefährden.

Hamburger Unternehmen, die am Venture-Clienting-Programm interessiert sind, können sich an Sascha Jacobi (Leitung Scaleup Hamburg, HIW Hamburg Invest Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH, Wexstraße 7, 20355 Hamburg, 040 227019-47, 0152 29411994 wenden. Mehr Infos hier.

„Wir wollen unsere Marktposition stärken, indem wir Kunden eine einfachere und nachhaltigere Handhabung ermöglichen – so reduzieren wir deren Entsorgungskosten und schaffen echten Mehrwert“, erläutert Sabina Schaal, Business Development Managerin des Unternehmens, die Bedeutung des Vorhabens. „Der strukturierte Deep-Dive mit externer Unterstützung hat es uns ermöglicht, dieses Thema trotz begrenzter interner Kapazitäten zielgerichtet voranzutreiben.“

Durch die Zusammenarbeit mit Hamburg Invest und Stratosfare gelang es mithilfe des internationalen Netzwerkes der Venture-Clienting-Fachleute relativ schnell, zwei Start-ups zu identifizieren, die den hohen technischen, regulatorischen und logistischen Anforderungen der Molekulardiagnostik gerecht werden. Derzeit laufen die ersten Performance-Tests.

Seit Anfang dieses Jahres können mehr Hamburger Firmen ähnliche Erfolgsgeschichten schreiben. „Scaleup Hamburg“ ist jetzt ein durchgängiges Service-Angebot von Hamburg Invest, das sich an hiesige KMU richtet. Geplant ist, 25 bis 30 Betriebe durch den Venture-Clienting-Prozess zu begleiten. Für förderfähige kleine und mittelständische Unternehmen sind die Service-Bausteine kostenlos.


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