Die Peter Döhle Schiffahrts-KG muss wie viele Reedereien für die Emissionen ihrer Schiffe Zertifikate erwerben – auch für jene Containerfrachter, die sie an andere Firmen verchartert hat. „Das seit 2024 geltende Emissionshandelsregime der EU, kurz EU-ETS, stellt für viele Unternehmen eine Herausforderung dar“, erklärt Albrecht Grell, Managing Director der OceanScore GmbH.
In Hamburg existieren zahlreiche Netzwerke, Inkubatoren und Förderprogramme für innovative Geschäftsideen. „Startup City Hamburg“ ist die offizielle Plattform der Stadt. Sie vernetzt Gründende, Investierende und Unternehmen. Unter www.startupcity.hamburg findet sich ein Überblick von Beratungsangeboten bis hin zu Events. In der „Cross Innovation Class“ der Hamburg Kreativ Gesellschaft wiederum entwickeln hochschulübergreifende Teams aktuell Prototypen zu nachhaltiger Innovation für IKEA, OTTO, tesa und TUI Cruises. Es geht dabei um pragmatische, nutzenzentrierte Lösungen. Beim Final Pitch am 9. Juli im Design Zentrum Hamburg werden die Ergebnisse präsentiert. Zur Anmeldung geht es hier.
Mit seiner Firma hat er einen „Compliance Manager“ entwickelt, der – wie etwa für die Reederei Döhle – die komplexen Zahlungs- und Reportingprozesse zwischen EU-Anforderungen und den eigenen Handelspartnerschaften in einem System managt. „Wir organisieren den finanziellen Teil der Regulatorik“, so Grell. „Ein Unternehmen wie Döhle weiß so auch jederzeit über seine Risiko-Exposition Bescheid und kann aufgrund dessen strategische Entscheidungen treffen. So wird die Regulatorik vom Problem zur Chance.“
Die 2020 gegründete OceanScore GmbH zählt zu jenen innovativen Hamburger Firmen, die Nachhaltigkeit mit digitalen Lösungen vorantreiben. Entstanden ist das Start-up aus der Erkenntnis heraus, dass das Zusammenspiel von Nachhaltigkeit und Daten in der Schifffahrt stark an Relevanz gewinnt. Mit ihrem ersten Produkt, der Plattform „ShipReview“, erstellten sie Nachhaltigkeitsanalysen für Handelsflotten.
„Die Nachfrage war schnell sehr hoch“, erzählt Grell. Mehrere Finanzierungsrunden sicherten Professionalisierung und Wachstum. So wurde auch der globale Verband der Seehäfen (IAPH) auf OceanScore aufmerksam und beauftragte die Firma mit der Administration ihres „Environmental Ship Index“ (ESI): Rund 7000 Schiffe und 100 Häfen sind Mitglied in diesem Incentive-Programm, das Anreize für Emissionsreduktion schafft. Mit ihrem „Compliance Manager“ ist OceanScore international Marktführer und beschäftigt 50 Mitarbeitende mit Sitz in Deutschland, Japan, Singapur, Portugal, Griechenland und Polen.
Ein starker nachhaltiger Innovationsmotor ist auch die GreenTech-Szene der Hansestadt: Laut dem „Hamburg Startup Monitor 2026“ gehören 22 Prozent der jungen Unternehmen zu diesem Sektor, deutlich mehr als der Bundesdurchschnitt mit 16 Prozent. Das 2022 gegründete GreenTech-Start-up Boomerang etwa bietet ein Mehrwegsystem für Verpackungen an, um den Online-Handel ressourcenschonender zu gestalten. Seine wiederverwendbaren Boxen und Beutel bestehen aus Recyclingmaterialien und können über ein Pfandsystem genutzt werden, das von einer IT-Plattform zentral gesteuert wird.
Auf das Thema Verpackung setzt auch das Start-up one.five von Martin Weber und Claire Hae-Min Gusko. Sie kombinieren Künstliche Intelligenz mit Materialforschung, damit Firmen schneller maßgeschneiderte Verpackungslösungen zur Marktreife bringen können. Dabei setzt one.five auf bio- und papierbasierte Materialien, um fossile Kunststoffe zu ersetzen. In einer Serie-A-Finanzierungsrunde konnten Weber und Gusko Anfang 2026 für die weitere Entwicklung 14 Millionen Euro einsammeln.
Wichtige innovative Impulse setzt auch ein Unternehmen wie die vilisto GmbH. Die drei Gründer Christoph Berger, Lasse Stehnken und Christian Brase haben erkannt, dass Nichtwohngebäude oftmals ineffizient beheizt werden. Daher entwickelten sie ein KI-gestütztes Wärmemanagement, das bedarfsorientiert funktioniert: Selbstlernende Heizkörperthermostate erkennen dank Bewegungssensoren, wenn jemand im Büro anwesend ist – und heizen erst dann. Ein System, das mehr als 30 Prozent Heizkosten und CO2-Emissionen sparen kann.
Hinter vielen Start-ups in Hamburg, die Nachhaltigkeit im Fokus haben, stecken Gründende, die Know-how und Passion vereinen. So wie Julius Pröll, CEO und Co-Founder von repath. „Während meines Studiums habe ich festgestellt, dass viele Ergebnisse aus dem Umweltbereich in der Forschung bleiben“, erklärt Pröll. Seine Idee war es, Daten zum Klimawandel für konkrete Geschäftsentscheidungen zu nutzen, damit Unternehmen wissen, wo sie investieren, wie sie Standorte absichern und was sie in ihren Nachhaltigkeitsberichten ausweisen müssen.
Repath analysiert, welche Umweltfaktoren ein Unternehmen prägen und welche Risiken zum Beispiel durch Extremwetterereignisse entstehen. Dazu kombiniert das Start-up Daten mit einer eigenen Software. Zur Umsetzung nutzt es auch verschiedene KI-Bausteine.
Etwa „Machine Learning“, um Daten zu verfeinern. Dass KI selbst einen hohen Energieverbrauch verursacht, ist Julius Pröll bewusst. „Wir betreiben keine eigenen KI-Server“, sagt er. „Der Umgang damit ist bei uns ein aktiv diskutiertes Thema.“
Die Kundschaft von repath reicht vom Transportgewerbe bis hin zu Wind- und Solarparks. Für alle beantwortet repath die Fragen: Wie stark ist ein Standort von Hitze, Hochwasser oder Sturm betroffen – heute und in 20 oder 30 Jahren? Und welche Maßnahmen lohnen sich?
Wenn etwa ein Logistikunternehmen vor einer Investition wissen möchte, welcher Standort bei steigenden Hochwasserpegeln zuerst ausfällt, ermittelt repath, ob sich Schutzmaßnahmen vor Ort rechnen oder eine Verlegung die bessere Option wäre. „Unternehmen können auf diese Weise frühzeitig aktiv werden, Standorte absichern und auch finanzielle Schäden reduzieren“, so Pröll. In diesem Fall bedeutet digitale Innovation vor allem auch: Schutz des eigenen Betriebes.
