So klappt der Umbau

Auch kleine Betriebe können finanzielle Hilfen für die Transformation ihres Unternehmens zu mehr Nachhaltigkeit erhalten. Kostenlose Beratungsstellen helfen weiter.
R.Heegeler/Mediaserver Hamburg
Per StadtRAD zum nächsten Termin – Nachhaltigkeit beginnt bei den eigenen Mobilitätsformen.

Von Eric Leimann, 3. August 2022

Sind Umweltschutz-Fördergelder nur etwas für Konzerne und Mittelstand? Die klare Antwort: nein. Selbst kleinste Unternehmen können sich nachhaltig aufstellen und unterstützen lassen – wie das Beispiel der Hamburgerin Doris Lindner zeigt. Mit freien Partnern, dem „lindnerteam“, berät das Ein-Frau-Unternehmen seit mehr als 30 Jahren Kunden wie BMW, Deutsche Bahn oder ADAC, insbesondere zu Fragen von Innovation und Nachhaltigkeit. Wäre es dabei nicht stimmig, selbst nachhaltig aufgestellt zu sein? Aber wie geht man vor als kleines Unternehmen, das weder Produktionshalle noch Fuhrpark in Richtung Energieeffizienz trimmen kann?

Doris Lindner_c_Uwe Steinert
Uwe Steinert
Doris Lindner, Inhaberin von lindnerteam

Lindner wurde im Herbst 2021 auf dem ITS-Weltkongress „Mobilität der Zukunft“ auf die Handelskammer-Initiative „UmweltPartnerschaft Hamburg“ aufmerksam: „Schon auf der Messe bekam ich eine informative Erstberatung, die mich motivierte, lindnerteam als UmweltPartner Hamburg differenziert beraten und zertifizieren zu lassen. Meine Intention war, eine freiwillige Selbstverpflichtung für ressourcenschonende Arbeitsweise selbst umzusetzen, da ich seit Jahren meine Kunden für deren Nachhaltigkeits-Projekte und ESG-Strategien in Beratungsmandaten unterstütze.“

So wie Lindner kann sich jedes Hamburger Unternehmen von den Umweltberater:innen der Handelskammer coachen lassen und vor allem Fördergelder nutzen. Bis zu 30 Prozent der Kosten vieler Nachhaltigkeitsmaßnahmen werden bezuschusst. Vorausgesetzt, sie gehen über die gesetzlich vorgeschriebenen Mindeststandards hinaus. Klassische „Projekte“ wären der Umstieg auf nachhaltigere Heizungen, LED-Beleuchtung oder E-Mobilität.

Es können aber auch abstraktere Maßnahmen sein – wie bei Doris Lindner. Zunächst ist sie mit ihrem Büro von Uhlenhorst in die Hamburger Neustadt umgezogen, was bei ihrer Kundschaft wegen der zentraleren Lage für eine kürzere Anfahrt sorgte. Auch ihre eigenen Wege legt die Unternehmensberaterin nur noch mit der Bahn oder – in Hamburg – mit dem Fahrrad zurück. „Büro- und Betriebsmittel kaufe ich mit Umweltgütesiegeln ein, Frischwaren für Bewirtung im Büro stammen von Hamburger Wochenmärkten und konzentrieren sich auf regionale Produkte aus dem Hamburger Umland. Auch Kaffee und Tee beziehe ich von Röstereien und Händlern hier vor Ort.“

Fördermittel in Höhe von 30 Prozent hat Lindner außerdem im Rahmen der Fördermaßnahme „Hamburg Digital“ für „circalind“ beantragt und erhalten. Hinter „circalind“ verbirgt sich ein digitales Werkzeug für Entscheiderinnen und Entscheider in Unternehmen, Institutionen und Organisationen, das zum Beispiel eine ressourcenschonende Arbeitskultur fördern und den CO2-Ausstoß durch Reduzierung von Geschäftsreisen senken soll. Rund 700 Hamburger Firmen lassen sich pro Jahr von den Umweltberater:innen der Handelskammer coachen.

Die Umweltberater:innen der Handelskammer sind per E-Mail oder telefonisch unter 36138-979 zu erreichen. Die Förderlots:innen der IFB können Sie per E-Mail kontaktieren oder auch direkt für eine digitale Beratung buchen. Telefonisch ist das Beratungsteam unter 24846-533 zu erreichen. Die Handelskammer empfiehlt zudem die IHK-Recyclingbörse, wenn Sie zum Beispiel neue Verwertungsmöglichkeiten für Ihre Abfälle oder Reststoffe suchen oder selbst verwertbare Stoffe benötigen, um Ihre Anlagen optimal auszulasten. Über den IHK-ecoFinder, Deutschlands größtes Portal für Umweltfirmen, finden Sie nachhaltig arbeitende Partnerunternehmen.

Es ist ein kostenloses Angebot, das übrigens nicht nur auf Fördertöpfe aus Landesmitteln verweist, sondern auch – je nach Projekt – auf Gelder des Bundes, wie sie beispielsweise das BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) vergibt. In seltenen Fällen, das betrifft meist jedoch größere Betriebe, kommen auch EU-Mittel infrage. Teilweise lassen sich sogar Mittel kombinieren. Die Umweltberater:innen der Handelskammer sehen sich ob ihres 360-Grad-Blickes über sämtliche Fördertöpfe in Sachen Nachhaltigkeit als erste Anlaufstelle für interessierte Hamburger Unternehmen.

Am leichtesten und unkompliziertesten, so ihre Erfahrung, lassen sich Landesmittel organisieren. Vergeben werden sie durch die Hamburgische Investitions- und Förderbank (IFB). Da es auch hier sehr unterschiedliche Fördertöpfe gibt, beraten die Förderlotsinnen und Förderlotsen des landeseigenen Kreditinstitutes ebenfalls kostenlos. Übrigens auch dort mit Empfehlungen und Verweisen zu anderen Landes-, Bundes- oder EU-Programmen. Wer noch nicht so genau weiß, wie er den eigenen Betrieb nachhaltiger und energieeffizienter gestalten kann, findet über die Beratungsangebote der Handelskammer und der IFB einen Einstieg.

Darüber hinaus vermittelt die Kammer Termine für die Energieberatung im Mittelstand des BAFA. Dabei rechnen Energiefachleute auf die Kilowattstunde genau aus, welche Einsparmöglichkeiten es im Betrieb geben könnte. Durch solche und ähnliche Aktivitäten wurden bereits 1550 Unternehmen Teil der „UmweltPartnerschaft Hamburg“. So wie Doris Lindner und ihre Unternehmensberatung, die mit ihrem neuen Umwelt-Zertifikat nicht nur gegenüber der Kundschaft, sondern auch dem eigenen Gewissen gegenüber bestens aufgestellt ist – und Nachhaltigkeit in der Praxis lebt.

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