Bildung ist bekanntlich das halbe Leben. Und weil Berufstätige normalerweise nach einem Drittel ihrer Lebenszeit grundlegend ausgebildet sind und eher selten noch einmal umschulen, besteht der Arbeitsalltag anschließend in der Regel aus der Anwendung des Erlernten.
Flankiert wird das angeeignete Wissen im Idealfall allerdings von Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen – zwei wichtige Wege zum Wissen, die besonders im Bereich der Nachhaltigkeit buchstäblich existenziell werden. Mit „Nachhaltigkeit“ gemeint ist das, was unseren Planeten auf lange Sicht bewohnbar hält und obendrein noch Umsatz generiert.
Doch der Reihe nach. Arbeiten im Einklang mit Umwelt, Natur und Klima sei „heute verbindlicher Bestandteil der beruflichen Ausbildung“, weiß René Grothkopp als Leiter des Handelskammer-Teams „Prüfungsehrenamt Industrie, Technik, IT, Verkehr“. Allerdings variiere die Tiefe. Während „Sustainability“, wie Nachhaltigkeit weltweit meist heißt, in einigen Berufen bereits „systematisch verankert“ sei, seien die Bezüge in anderen „eher allgemein“ oder „noch nicht vollständig integriert“.
Es ist ein Prozess, der bereits seit mehr als 20 Jahren anhält, meint Grothkopp. Bis er vollständig abgeschlossen ist, sind über die Lehr- oder Studienjahre hinaus also Fort- und Weiterbildung vonnöten. Auch die Handelskammer biete Beratungen im Bereich Nachhaltigkeit und Energieeffizienz an und fördere die Ausbildung zum Energie-Berater. Konkrete Weiterbildungsmaßnahmen allerdings finden in der Handelskammer Hamburg Bildungs-Service gGmbH (HKBiS) statt, einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft der Handelskammer.
Wer sich dort etwa zum Controller oder zur Notfall- und Krisenmanagerin qualifizieren lässt, bekommt Umwelt- und Klimaschutzaspekte im Betriebsablauf mitgeliefert. Bei aller Kürze tiefer in die Materie dringen demgegenüber drei- bis sechsstündige Online-Sprints zu Themen wie Nachhaltigkeitsberichterstattung oder EU-Taxonomie ein.
Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Energieeffizienz werden zusehends Teil des Berufsalltages. Seit 2021 schlägt sich das auch zwingend in den Prüfungsverordnungen nieder. Um das Tempo auf dem Weg zur Klimawende zu steigern, sind Fort- und Weiterbildungsangebote allerdings unerlässlich. Die Handelskammer sorgt generell für fachliche Qualifikationen aller Art. Umweltspezifischer bildet ihre gemeinnützige GmbH HKBiS fort und weiter, etwa mit diesen Seminaren: Nachhaltigkeit im Unternehmen, Klimaschutzmanager IHK, Nachhaltigkeitsmanager IHK und IHK-Online-Sprint. Auch das Bundesinstitut für Berufsbildung BiBB listet diverse Maßnahmen auf, ebenso der TÜV Nord.
Wirklich ans „ökologisch Eingemachte“ geht hingegen das Seminar „Nachhaltigkeit im Unternehmen“. Über drei Tage hinweg richtet sich dieses an Geschäftsführung und Führungskräfte, die in ihrem Betrieb für das Thema verantwortlich sind, erklärt Andrea Siebert, HKBiS-Leiterin für Produktentwicklung, eines der zentralen Angebote.
Gleiches gelte für den 55-stündigen Intensivkurs zum Klimaschutzmanager, der sich ebenfalls an Leitungsebenen entsprechender Fachleute richtet. Und wer die Zeit für beide Formate hat, erhält Siebert zufolge noch ein zusätzliches Zertifikat zum Nachhaltigkeitsmanager. All das sind sinnvolle Ergänzungsmaßnahmen des wachsenden Angebotes im Ausbildungssektor des dualen Systems, für den allein die Handelskammer jährlich rund 16 000 schriftliche Prüfungen durchführt.
Bundesweit sind es Jahr für Jahr Hundertausende, denen in den regionalen Kammern Kenntnisse in Sachen Nachhaltigkeit mit auf den Berufs- und Lebensweg gegeben werden – teilweise in neuen oder novellierten Ausbildungsberufen, zu denen seit August 2021 neben Sicherheit, Gesundheit oder Digitalisierung auch Umweltschutz und Nachhaltigkeit gehören.
Mit der reinen Berufsausbildung im angestrebten Job ist es aber nicht getan. Armin Grams, Leiter des Handelskammer-Geschäftsbereiches „Fachkräfte und Lebenslanges Lernen“, verweist auf die betriebliche Eigenverantwortung – auch wenn es im Zweifel nicht prüfungsrelevant sei: „Ein Unternehmen kann immer mehr machen, als in der Ausbildungsordnung steht.“
Eine Möglichkeit bestehe seit zehn Jahren beispielsweise darin, Azubis in speziellen Workshops als Energie-Scouts zu qualifizieren, wozu ein konkretes Nachhaltigkeitsprojekt im jeweiligen Ausbildungsbetrieb zähle.
Und das scheint mit Blick auf die komplexe Gegenwart auch notwendiger denn je. Nicht nur, aber vor allem auch aufgrund der wirtschaftlichen Lage setzen Unternehmen aktuell andere Prioritäten wie steigende Kosten, Fachkräftemangel und KI, meint HKBiS-Produktentwicklerin Andrea Siebert.
Nachhaltigkeit werde da „oft als Pflicht- oder Regulierungsthema gesehen“. Weshalb die Nachfrage nach entsprechender Weiterbildung derzeit stagniere. „Langfristig jedoch“, da ist sich Andrea Siebert sicher, „wird sie deutlich an Bedeutung gewinnen.“ Denn gute Fort- und Weiterbildung ist fast schon die halbe Klimawende.
