Olympia in Hamburg

Soll sich Hamburg für Olympia bewerben? Das weltweit größte Sportereignis wäre jedenfalls eine große Chance für Hamburg und ganz Norddeutschland – etwa durch Milliardeninvestitionen, die langfristigen Nutzen brächten.
Das Hamburger Olympia-Konzept will die Infrastruktur stärken und das Potenzial vorhandener Orte für die Spiele nutzen – etwa die Dove Elbe oder das Heiligengeistfeld. Modernisierte Sporthallen stehen später dem Breitensport zur Verfügung.
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Das Hamburger Olympia-Konzept will die Infrastruktur stärken und das Potenzial vorhandener Orte für die Spiele nutzen – etwa die Dove Elbe oder das Heiligengeistfeld. Modernisierte Sporthallen stehen später dem Breitensport zur Verfügung.
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Von Eric Leimann, 2. April 2026 (HW 2/2026)

Richtet Hamburg im Jahr 2036, 2040 oder 2044 die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele aus? Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) bereitet derzeit eine Bewerbung für gleich drei Jahrgänge vor – und neben München, Berlin und der Region Rhein-Ruhr hat auch die Hansestadt ein Bewerbungskonzept eingereicht. Ende September kürt der DOSB den endgültigen deutschen Kandidaten. Zuvor stimmt die Hamburger Bevölkerung am 31. Mai in einem Referendum über die Bewerbung ab.

Dabei ist die Stadt bemüht, besondere Akzente zu setzen: Wie das Olympia-Konzept ausführt, sollen die Spiele in Hamburg kompakt, nachhaltig und stadtnah werden, fern jeder Gigantomanie. Rund 85 Prozent der Wettkampfstätten, so die Planung, liegen in einem Radius von sieben Kilometern. Das sorgt für emissionsarme Mobilität und eine einzigartige Stimmung mitten in der Stadt.

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BDO
Andrea Bruckner, Vorsitzende des Vorstands bei BDO

Wie in Paris 2024 sollen die schönsten und ikonischen Orte der Metropole in Szene gesetzt werden. Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung sind dabei oberstes Gebot.

Die Stadt will rund 100 Sportstätten modernisieren und neue ins Stadtbild integrieren. „78 Prozent der Wettkampfstätten bestehen bereits, 22 Prozent werden temporär errichtet, zum Beispiel das Beachvolleyball-Stadion auf dem Heiligengeistfeld“, wirbt das Konzept.

Dabei sind keine Neubauten allein für die Spiele geplant. Das neue Leichtathletikstadion im Volkspark soll unabhängig vom Erfolg der Kandidatur entstehen, das geplante Olympische Dorf in Bahrenfeld später zum Wohnen genutzt werden. Zudem will sich Hamburg – Stichwort Paralympics – zur barriereärmsten Metropole Deutschlands entwickeln und eine „olympische Generation“ durch intensive Sportförderung bei Kindern prägen.

Olympia als Chance für Hamburg

Was bringt Olympia der Hansestadt? Das Olympia-Konzept betont unter anderem den Beitrag, den die Spiele für Inklusion und Lebensgefühl, Arbeitsplatzsicherung und Klimaschutz leisten könnten. Die Metropole würde Fachkräfte und Touristen anlocken – und „durch Olympia eine grünere Stadt werden“.

Wir sind davon überzeugt, dass Olympische Spiele in Hamburg ein großer Erfolg werden könnten.

Andrea Bruckner

Besonders hervorgehoben werden die massiven Investitionen in Sportstätten, Freizeitanlagen und Wohnraum – also in Projekte mit langfristigem Nutzen für die Stadt. Laut dem Mitte März veröffentlichten Finanzierungskonzept sind dafür 1,3 Milliarden Euro geplant. Für die Organisation und Veranstaltung der Spiele selbst rechnet das Papier mit Kosten von 4,8 Milliarden Euro, prognostiziert aber Einnahmen von 4,9 Milliarden Euro.

Dabei würde sich der Bund maßgeblich an der Finanzierung von Infrastrukturmaßnahmen beteiligen. „Sollte eine andere Bewerberregion den Zuschlag für die Ausrichtung der Spiele erhalten, würden diese Mittel dorthin und nicht nach Hamburg fließen“, heißt es im Olympia-Konzept: Hamburg könne auf die Chance, die Olympia bietet, nicht verzichten.

Positiv sehen die Spiele auch viele Betriebe: „78 Prozent der Hamburger Unternehmen sprechen sich für Hamburg als Austragungsort Olympischer Sommerspiele aus. Das ist ein starkes und eindeutiges Signal“, erklärte bereits am 9. April 2025 Handelskammer-Präses Prof. Norbert Aust. Dabei betonte er: „Wichtig ist, dass wir eine Olympia-Bewerbung als Teil einer ambitionierten und umfassenden Zukunftsstrategie für ein wettbewerbsfähiges, dynamisches und lebenswertes Hamburg 2040 verstehen. Denn die Ausrichtung der Spiele wäre ein Katalysator für die Entwicklung unseres gesamten Standortes.“

Spiele als Wachstumstreiber

Eine der Firmen, die Hamburgs Olympiabewerbung zu 100 Prozent unterstützen, ist BDO. Mit über 3250 Mitarbeitenden in 28 Büros gehört sie zu den führenden Dienstleistern in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung und Unternehmensberatung – und fördert schon seit Langem den Hamburger Sport.

Wann die Olympischen und Paralympischen Spiele an welchen Austragungsorten stattfinden, entscheidet das Internationale Olympische Komitee (IOC) in Partnerschaft mit dem Internationalen Paralympischen Komitee (IPC). Für 2028 wurde Los Angeles bestimmt, für 2032 das australische Brisbane. Da das IOC unter Präsidentin Kirsty Coventry aus Simbabwe vermutlich auf eine „kontinentale Rotation“ setzen wird, könnte 2036 wieder Asien dran sein. Auch über erstmalige Spiele in Afrika 2036 oder 2040 wird spekuliert. Demnach wäre spätestens 2044 wieder Europa an der Reihe – und damit vielleicht Hamburg, das sich aber zunächst im nationalen Vorentscheid im September 2026 durchsetzen müsste.

„Wir sind davon überzeugt“, erklärt Vorstandsvorsitzende Andrea Bruckner, „dass Olympische Spiele in Hamburg gerade mit Blick auf die wirtschaftliche Komponente ein großer Erfolg werden könnten. Insbesondere das lokale und regionale Handwerk, die Industrie, der Hafen und nicht zuletzt der Tourismus würden stark profitieren.“

Das Motto der Bewerbung „Chance für alle“ bringe das sehr gut auf den Punkt. „Denn nicht nur die Wirtschaft würde profitieren, auch Infrastruktur- und Mobilitätsprojekte bekämen neue Schubkraft“, so die Managerin. Tatsächlich könnte eine erfolgreiche Olympiabewerbung für den Standort zum bedeutenden Wachstumstreiber werden.

So erklärt etwa Prof. Michael Berlemann, Leiter des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitutes (HWWI) und Mitautor einer neuen Studie zur wirtschaftlichen Bedeutung des Sports: „Es ergäben sich Effekte, die weit über die Spiele hinaus wirken könnten. Auch der Bekanntheitseffekt könnte wichtig sein. Die Hamburger glauben ja immer, jeder in der Welt kenne ihre Stadt. Dem ist aber gar nicht so. In Amerika oder Asien sind Berlin, München und vielleicht noch Frankfurt wegen des Flughafens viel präsenter. Die Sichtbarkeit der in der Tat sehr schönen Stadt Hamburg würde sich durch Olympia auf einen Schlag erhöhen.“

Sicher ist jedenfalls: Mit einer Olympia-Ausrichtung würde die gesellschaftliche Bedeutung des Sports in Hamburg deutlich zunehmen. Projekte wie die „Active City“ bekämen eine ganz neue Dynamik. Und nicht zuletzt könnte das Event für ein positives Gemeinschaftsgefühl in der Stadt sorgen – vielleicht sogar für ein „Sommermärchen“ wie die Fußball-WM 2006.


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