Banking zum Wohlfühlen

In der neuen Reihe „HW-Start-up des Monats“ stellt die HW-Redaktion junge, kreative Unternehmen aus Hamburg vor. Den Anfang macht die von Cornelia Schwertner und Bianca Steinke gegründete Brygge GmbH. Die Plattform soll älteren Menschen das Online-Banking erleichtern.
Brygge GmbH
Die Brygge-Gründerinnen Cornelia Schwertner (li.) und Bianca Steinke

Von Frank Schlatermund, 2. Mai 2023

Wie würden Sie Ihr Start-up jemandem, der noch nie davon gehört hat, in einem Satz beschreiben, und wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Brygge ist ein Profit-for-Impact-FinTech, das die Altersdiskriminierung in der Finanztechnologie beendet und Verbraucherrisiken in der zweiten Lebenshälfte minimiert. Mit unserer Web-App bieten wir Banking zum Wohlfühlen für den finanziellen Alltag – angepasst an die digitale Erfahrung unserer Nutzer.

Eine spannende Idee allein reicht für eine Gründung nicht aus.

Cornelia Schwertner und Bianca Steinke

Durch werbefreies Finanzwissen und präventiven Verbraucherschutz wollen wir neue finanzielle Sicherheit für eine Gruppe von Menschen bieten, die wesentlich häufiger Ziel von Betrug und Abzocke wird. Die Beobachtung, dass die Finanzindustrie die Hälfte des Marktes aus den Augen verloren hat, wenn es um technologische Chancen geht, war ebenfalls ausschlaggebend für die Idee.

Was sollten andere Gründer wissen, bevor Sie starten? Teilen Sie gern eine Weisheit mit uns.

Eine spannende Idee allein reicht nicht. Man braucht vor allem Umsetzungsstärke, Durchhaltevermögen und alle Faktoren einer guten Resilienz. Deshalb hilft es auch sehr, wenn man eine große persönliche Leidenschaft für seine Mission mitbringt.

Wir selbst sind als Gründer zudem Experten für den Markt, in dem wir uns bewegen und für die Technologie, die wir als Basis für den Produktstart brauchten. Vorherige Rollen in der Geschäftsführung haben uns zusätzliche Sicherheit gegeben. Das ist alles kein Muss, hilft aber sehr.

Wie finanziert sich Ihr Unternehmen aktuell und was braucht es im nächsten Jahr am dringendsten?

Wir blicken als Gründer auf langjährige Karrieren zurück und konnten daher zunächst eigene Mittel investieren. Diese wurden im Gründungsjahr durch Business Angels ergänzt. Seit 2022 sind wir zudem sehr dankbar für zwei Förderprogramme der Stadt Hamburg beziehungsweise der Hamburgischen Investitions- und Förderbank (InnoFounder & InnoFinTech), die auch maßgeblichen Anteil an unserem Marktstart vor vier Monaten hatten.

Illustration Brygge GmbH
Brygge GmbH
Der Firmenname „Brygge“ ist eine Mischung aus dem dänischen Wort „Hygge“ („Gemütlichkeit“) und dem deutschen Wort „Brücke“.

Eine weitere Förderung konnten wir für 2023 durch ein Sozialunternehmer-Programm für uns gewinnen, das unter anderem von Google.org unterstützt wird. Ein weiteres globales Female Founder Programm der UBS unterstützt uns derzeit, neue Netzwerke für unser Funding zu erschließen. Wir sind offen für neue Investoren – seien es Privatinvestoren, Family Offices oder auch sehr gern strategische Partner, die vielleicht sogar Erfahrung mit der Zielgruppe haben.

Unsere Hauptherausforderung als junges, sozial engagiertes Unternehmen ist natürlich die Sichtbarkeit und der Vertrauensaufbau bei Menschen – gerade wenn es um das Thema Finanzen geht. Wir freuen uns also, wenn wir Unterstützer und Multiplikatoren für unsere Mission finden. Großes Potenzial liegt zum Beispiel in Kooperationen mit Partnern, die pflegende Angehörige oder auch gesetzliche Betreuer unterstützen. Denn mit unserem Tandem-Banking bieten wir Entlastung für den Betreuungsalltag, wenn Personen bereits ihre Bankvollmacht abgegeben haben.

Cornelia Schwertner und Bianca Steinke hatten bereits viel Erfahrung in der Finanz- und Tech-Branche gesammelt, bevor sie 2021 Brygge gründeten. Bei der Gründung entschieden sie sich bewusst für den Standort Hamburg. Sie sehen das große Potenzial der Stadt als Vorzeige-Standort für soziale und ökologische Innovationen. Brygge wirkt in verschiedenen Initiativen für eine gute Zukunft mit. Das Team engagiert sich unter anderem in den Vereinen Finanzplatz Hamburg sowie der Hamburger Regionalgruppe von SEND (Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland).

Update, 9. Februar 2024 Cornelia Schwertner gab gerade in einem LinkedIn-Post bekannt, dass sich das Brygge-Geschäftsmodell ändern soll – sie und  Bianca Steinke wollen Brygge in eine gemeinnützige GmbH (gGmbH) umwandeln. Die HW stellte diese Sonderform der GmbH vor: „Aktiv für soziale Ziele“.

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