Geld sparen mit Verrechnung

Im Mai wählte die Redaktion die von Fares und Youmna Hobeiche gegründete Netzwerk-Plattform Troc Circle zum „HW-Start-up des Monats“. Sie unterstützt Unternehmen dabei, Geld zu sparen. Kosten werden gesenkt, indem Rechnungen zwischen mehreren Nutzern verrechnet werden, ohne dass Geld fließt (Netting). Auf diese Weise können Firmen Rechnungen einfacher und schneller einziehen und begleichen.
Troc Circle
Fares und Youmna Hobeiche starteten im kalifornischen Silicon Valley und gründeten später in Hamburg die Netzwerk-Plattform Troc Circle

Von Frank Schlatermund, 13. Mai 2024

An welche Zielgruppe wenden Sie sich mit Ihrem Unternehmen oder, kurz gefragt, wer sind ihre Kunden?

Unsere Hauptzielgruppe sind unter anderem Fertigungsunternehmen mit komplexen Lieferketten. Diese haben oft viele offene Rechnungen und Zahlungen zu verwalten, was zu Cashflow-Problemen führen kann. Die Netting-Lösung von Troc Circle kann dabei helfen, diesen Prozess zu rationalisieren und den Cashflow zu verbessern.

Auch Logistikunternehmen mit verflochtenen Beziehungen gehören zu unseren wichtigsten Kunden. Ähnlich wie Fertigungsunternehmen arbeiten diese oft mit mehreren Partnern und Rechnungen. Troc Circle unterstützt sie dabei, Zahlungen zwischen verschiedenen Partnern zu verrechnen und so den Prozess zu vereinfachen.

Das Silicon Valley stellt eine einzigartige Herausforderung dar.

 

Ebenfalls im Blick haben wir B2B-Unternehmen mit hohen Fremdkapitalkosten. Jedes B2B-Unternehmen, das hohe Zinsen für Kredite oder andere Finanzierungsformen zahlt, kann von der Troc-Circle-Netting-Plattform profitieren. Durch die Reduzierung der Notwendigkeit externer Finanzierung trägt Troc Circle dazu bei, dass diese Firmen ihre Gesamtkosten senken.

Weitere Kunden von uns sind B2B-Unternehmen, die von integrierten Finanzlösungen profitieren. Die Zusammenarbeit mit einem FinTech-Unternehmen, das „Buy-now-pay-later“-Dienste für B2B-Geschäfte anbietet, deutet beispielsweise darauf hin, dass dieses Unternehmen möglicherweise daran interessiert ist, seinen Markt auf Firmen auszuweiten, die von gebündelten Finanzdienstleistungen profitieren könnten. Kurz gesagt: Troc Circle richtet sich an B2B-Unternehmen, wobei der Schwerpunkt auf Betrieben liegt, die mit komplexer Rechnungsverwaltung und/oder hohen Fremdkapitalkosten zu kämpfen haben.

Gegründet haben Sie Ihr Unternehmen im kalifornischen Silicon Valley. Was hat Sie bewogen, nach Hamburg umzuziehen?

Genauer gesagt, haben wir im Silicon Valley in Sunnyvale angefangen. Dort nahmen wir am internationalen Start-up-Programm „Plug and Play“ teil. Es war eine fantastische Gelegenheit, sich mit verschiedenen Unternehmen, Risikokapitalfirmen und anderen Start-ups zu vernetzen und zusammenzuarbeiten.

Das Silicon Valley stellt jedoch eine einzigartige Herausforderung dar. Während es relativ einfach ist, dort Fuß zu fassen und anfängliches Interesse zu wecken, erweist sich der Abschluss von Geschäften als schwierig. Unserer Erfahrung nach ist es im Silicon Valley zwar einfach, Türen zu öffnen, sie aber tatsächlich geöffnet zu halten, ist die eigentliche Hürde.

Auf der Suche nach Expansionsmöglichkeiten kristallisierte sich Hamburg als ein sehr attraktiver Markt heraus. Die Stadt verfügt über ein starkes Fundament an B2B-Unternehmen und bietet somit einen soliden und wachstumsfördernden Boden. Darüber hinaus haben wir in Hamburg qualifizierte Arbeitskräfte gefunden, die perfekt geeignet sind, zum Erfolg von Troc Circle beizutragen.

Letztendlich war das InnoFinTech-Programm der ausschlaggebende Faktor. Dieses Programm hat die finanzielle Lücke bei der Gründung von Troc Circle in Hamburg maßgeblich geschlossen. Wir sehen das aufstrebende Start-up-Ökosystem Hamburgs angesichts der starken Unterstützungsstrukturen als potenziellen Konkurrenten zum Silicon Valley. Hier glauben wir, dass wir aufgrund der Nähe zu unseren Zielunternehmen schneller eine Markteinführung erreichen können.

Derzeit ist im FinTech-Bereich zu beobachten, dass sich Investoren eher zurückhalten. Wirkt sich das auch auf Ihr Unternehmen aus? Und wenn ja: Wie gehen Sie damit um?

Ähnlich wie andere Start-ups der Branche haben auch wir die Auswirkungen des kürzlich zurückgegangenen Interesses von Risikokapitalgebern an FinTech-Unternehmen definitiv gespürt. Als Reaktion darauf haben wir einen strategischen Ansatz gewählt, um unsere Runway zu verlängern. Als Start-up haben wir unsere Abhängigkeit von neuen Finanzmitteln verringert, indem wir wiederkehrende Kosten minimiert haben. Wir konzentrieren uns auf Projekte, die sich selbst tragen und ihre eigenen Ausgaben decken.

Die Zukunft von FinTech sehen wir optimistisch.

 

Zudem legen wir weniger Wert auf opportunistische Projekte, die Kosten ohne garantierte Einnahmen verursachen. Ressourcen lenken wir stattdessen auf Initiativen mit klaren Wegen zur Rentabilität. Die Zukunft von FinTech sehen wir optimistisch. Obwohl der Markt nach dem Investitionsboom der Jahre 2022 und 2023 etwas Zeit zur Anpassung benötigt, glauben wir an eine erneute Zunahme des Interesses. Das hohe Volumen an früheren Investitionen muss erst reifen und Renditen erwirtschaften, bevor es wieder das gleiche Spitzenniveau erreicht.

Troc Circle bereitet sich aktiv auf die erwartete erneute Investitionswelle im Jahr 2025 vor. Durch die Verlängerung unserer Runway und die Konzentration auf profitable Projekte sind wir gut positioniert, um vom nächsten Aufschwung im FinTech-Markt zu profitieren.


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