Sportmetropole Hamburg

Sport wird als Wirtschaftsfaktor immer wichtiger – von Großevents, die Tourismus und Image der Stadt fördern, bis zum Breitensport. Eine neue Studie nennt bemerkenswerte Zahlen.
Der World Triathlon Hamburg ist ein seit 2002 jährlich stattfindendes Sportevent, das mit mehr als 10 000 Menschen am Start und mehr als 250 000 Zuschauenden an beiden Wettkampftagen zusammen zu den größten Triathlon-Wettkämpfen der Welt zählt.
Henning Angerer
Der World Triathlon Hamburg ist ein seit 2002 jährlich stattfindendes Sportevent, das mit mehr als 10 000 Menschen am Start und mehr als 250 000 Zuschauenden an beiden Wettkampftagen zusammen zu den größten Triathlon-Wettkämpfen der Welt zählt.
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Von Eric Leimann, 2. April 2026 (HW 2/2026)

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Mike Schaefer
Der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Michael Berlemann ist Wissenschaftlicher Direktor des HWWI.

Welche wirtschaftliche Bedeutung hat der Sport für Hamburg? Mit dieser Frage beschäftigt sich eine Anfang Februar präsentierte neue Studie des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitutes (HWWI).

Das positive Ergebnis für die nicht immer leicht zu erfassende – weil komplex verzweigte – Branche: Die gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung des Sportsegmentes summierte sich 2023 auf 5,3 Milliarden Euro. Und jeder Euro, der in Hamburg im Sport ausgegeben wird, generierte eine Bruttowertschöpfung von 2,40 Euro.

Die Branche strahlt also stark auf andere Wirtschaftszweige ab. Unter anderem profitieren Gastronomie, Hotellerie, Einzelhandel, Veranstaltungstechnik und Medien, die über Sportereignisse berichten. Wer Sportveranstaltungen besucht oder selbst an ihnen teilnimmt, benötigt entsprechende Ausrüstung. Vor, während und nach dem Event wollen die Zuschauenden gegebenenfalls essen und trinken – und auch die Teilnehmenden brauchen Verpflegung. Wer von auswärts kommt, benötigt eventuell ein Hotel. Und mit einem Trip zum Bundesligaspiel, Marathon oder Triathlon, den Cyclassics oder dem Tennisturnier am Rothenbaum lässt sich auch Shopping oder ein Musical-Besuch verbinden, was wiederum für Umsatz sorgt.

Laut der Studie generierten etwa die ADAC Cyclassics im August 2025 insgesamt knapp 2,6 Millionen Euro an touristischen Ausgaben – davon mehr als eine Million Euro allein für Verpflegung. Einen Monat zuvor, beim World Triathlon Hamburg, waren es rund zwei Millionen Euro. All diese Veranstaltungen dienen zudem als eine Art Werbesendung für Hamburg. Allein die TV-Berichterstattung zu den Cyclassics erreichte laut Veranstalter 1,87 Millionen Zuschauer.

Stiftung Auch die 2002 von der Handelskammer und der Hansestadt gegründete Stiftung Leistungssport stärkt dem Sport den Rücken. Sie fördert Hamburger Sportverbände, -vereine und -institutionen in den Bereichen Talentmanagement, Nachwuchsförderung und Spitzensport. Außerdem unterstützt sie Programme zur Entdeckung junger Talente, verbessert Trainingsbedingungen durch Mitfinanzierung von Trainerstellen, Sportgeräten und Trainingslagern und begleitet Spitzenathletinnen und -athleten über TEAM HAMBURG auf dem Weg zu Olympischen und Paralympischen Spielen. Ziel ist es, Hamburg als attraktiven Standort für leistungsorientierten Sport langfristig zu profilieren.

Ähnlich überdurchschnittlich ist ein anderer Kennwert: der Beschäftigungsmultiplikator. Mit 2,3 fällt er beim Sport ähnlich hoch wie bei der Bruttowertschöpfung aus. Ein Arbeitsplatz im Sportsektor sichert also insgesamt 2,3 Arbeitsplätze. Laut Schätzung des HWWI hingen 2023 in der Hansestadt insgesamt 14 744 Hamburger Arbeitsplätze mit Sport zusammen – während 6284 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte direkt in der Branche arbeiteten.

Moderne Stadien und Arenen, die im Alltag dem Breiten- und Spitzensport zugutekommen, ermöglichen zudem Großveranstaltungen abseits des Sports, die große wirtschaftliche Kraft entfalten können. Als Popstar Taylor Swift während ihrer „Eras“-Tour im Juli 2024 zwei Konzerte in Hamburg gab, stiegen die hiesigen Gastronomieumsätze im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent, die Ausgaben für Unterkünfte um neun Prozent. Ökonomen prägten für diese kurzfristigen wirtschaftlichen Effekte solcher Mammutevents auf  Hotellerie, Gastronomie, Einzelhandel und Image des Aufführungsorts sogar den Begriff „Swiftonomics“.

Prof. Michael Berlemann, Leiter des HWWI und Mitautor der Sportstudie, ist überzeugt, dass „Sport als Wirtschaftsfaktor lange Zeit unterschätzt wurde, weil er als Querschnittsbranche mit vielen anderen Branchen verwoben ist“. Doch mit der Anzahl der direkten, indirekten und induzierten Arbeitsplätze rangiere er nur knapp hinter Airbus, dem größten privatwirtschaftlichen Arbeitgeber der Stadt. „Gäbe es also keinen Sport in Hamburg, wäre es in etwa so, als fiele der größte Arbeitgeber weg“, betont der Wirtschaftswissenschaftler.

Fitnessbegeisterte Großstadt

Die Hansestadt ist aber auch unabhängig von sportlichen Großveranstaltungen im positiven Sinne „fitnessverrückt“. Laut einer aktuellen Studie gab es 2024 insgesamt 245 Fitnessstudios im Stadtgebiet, also rechnerisch eine Anlage für 7796 Personen. Hamburg liegt damit an der Spitze der Bundesländer und weit über dem Durchschnitt (9277 Personen pro Anlage). Rund 324 000 Menschen trainierten 2024 in Hamburg in einem Fitnessstudio: 17 Prozent der Bevölkerung – mehr als in jedem anderen Bundesland (Deutschland gesamt: 13,8 Prozent).

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Thomas Panzau
Beim „Kids Race“ im Rahmen der Cyclassics gingen 2025 mehr als 200 Kinder und Jugendliche im Alter von 2 bis 12 Jahren an den Start.

Hinzu kommen die Mitglieder der Hamburger Sportvereine. Nach dem Corona-bedingten Mitgliederschwund auf knapp 500 000 im Jahr 2022 meldete der Hamburger Sportbund (HSB) im Februar einen neuen Rekord: 621 468 sportbegeisterte Menschen, davon 176 855 unter 18 Jahren, seien Mitglied in den 864 Mitgliedsorganisationen des HSB – die meisten beim HSV und dem FC St. Pauli. Diese dienen auch als Aushängeschild für die Stadt, die ja neben ihrer überaus sportbegeisterten Bevölkerung auch hochklassige Sportevents zum Ansehen und eine Reihe von Bundesligisten bietet – nicht nur im Fußball, sondern auch in Sportarten wie Schach, Hand- und Basketball, Polo, Cricket oder Hockey.

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Die Ungarin Anna Bondár bei den MSC Hamburg Ladies Open: Auch Tennis ist in der Hansestadt ein enormer Wirtschaftsfaktor.

Die Hamburger Politik fördert den Trend zur aktiven Bewegung. So wollen die Regierungsparteien auch massiv in die Sportinfrastruktur investieren. Zwischen 2024 bis 2030 sollen allein 480 Millionen Euro „in den Neubau von Sporthallenfeldern und die Sanierung von 30 Sporthallen“ fließen, so der aktuelle Koalitionsvertrag vom April 2025.

Eine Reihe konkreter Ziele und Aufgaben legt auch das Programm „Active City“ von 2022 fest – von der regelmäßigen Ermittlung des Sportstättenbedarfes über die Einrichtung von Aktivzonen bis hin zur Förderung von Sportanlagen sowie Schul‑, Vereins-, Betriebs- und Leistungssport. Die Strategie soll zudem die Attraktivität Hamburgs als lebenswerte, gesunde und sozial integrierte Großstadt weiter erhöhen.

Doch woher kommt eigentlich Hamburgs Sportbegeisterung? Michael Berlemann hat dazu eine Vermutung: „Es ist eine Mischung aus Standortvorteilen, Mentalität und Förderung. Eine grüne Stadt wie Hamburg, dazu mit viel Wasser, lädt natürlich zum Sport ein. Hinzu kommt, dass die Politik den Sport seit Langem fördert. Aber nur dann, wenn man sieht, dass man damit auf eine sportbegeisterte Bevölkerung trifft, stellt man diese Möglichkeiten zur Verfügung.“ Und er betont: „Man braucht auch aus unternehmerischer Sicht Orte mit dem Mindset Hamburgs, damit man sagt: Ja, hier investiere ich in den Sport.“


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