Zu Gast in Harburg

Auf ihrer zweiten Station nach Altona machte die Veranstaltungsreihe „Handelskammer on tour“ gestern Halt im siebten Bezirk südlich der Elbe. Fazit aller Beteiligten: In Harburg spielt die Wirtschaftsmusik der Zukunft.
Unter anderem diskutierten bei „Handelskammer on tour“ in Harburg Ex-Bahnchef Prof. Dr. Rüdiger Grube, Handelskammer-Hauptgeschäftsführer Dr. Malte Heyne und Handelskammer-Präses Prof. Norbert Aust. Harriet von Waldenfels übernahm die Moderation (v. li.)
Kati Jurischka/HK Hamburg
Unter anderem diskutierten bei „Handelskammer on tour“ in Harburg Ex-Bahnchef Prof. Dr. Rüdiger Grube, Handelskammer-Hauptgeschäftsführer Dr. Malte Heyne und Handelskammer-Präses Prof. Norbert Aust. Harriet von Waldenfels übernahm die Moderation (v. li.)
Anzeige - Position 1

Von Jan Freitag, 16. April 2026

©Kati Jurischka-HK Hamburg_011
Kati Jurischka/HK Hamburg
Gruppenfoto (v. li.): Wienke Reynolds, Harriet von Waldenfels, Prof. Dr. Rüdiger Grube, Franziska Wedemann, Arnold Mergell, Prof. Norbert Aust, Dr. Malte Heyne, Christian Carstensen, Prof. Dr. Irina Smirnova, Sebastian Ströbel und Heinz Strunk

Hamburg hat sieben Bezirke, die sich – wenig überraschend – um die Stadtmitte herum gruppieren. Dass Harburg der letzte Bezirk ist, sieht Christian Carstensen positiver, als es klingt: „Und heute sind wir sogar die Nummer zwei“, sagte der Bezirksamtsleiter an einem traumhaft schönen Frühlingstag in traumhaft schöner Kulisse.

Nach dem Auftakt in Altona im Juli vergangenen Jahres machte die Handelskammer auf ihrer Rundreise durch Hamburgs Wirtschaftsräume nun im Speicher am Kaufhauskanal Halt. Und dort wurde unter dem 199 Jahre alten Gebälk deutlich: Harburg muss sich hinter den ersten sechs Bezirken keinesfalls verstecken.

Das weiß auch Dr. Malte Heyne. „Hamburg ist Deutschlands größter Industriestandort“, so der Handelskammer-Hauptgeschäftsführer beim Abschlusspanel. „Und Harburg ist ein wichtiger Faktor.“ Warum genau, wurde gestern Nachmittag deutlich. Zahlreiche Gäste aus Politik und Verwaltung, Gewerbe und Bildung, Kultur und Gesellschaft folgten „Handelskammer on tour“ zwischen Betonbrutalismus und windschiefem Fachwerk, um über das Zukunftstrio „Innovation, Standortentwicklung, Resilienz“ zu diskutieren.

©Kati Jurischka-HK Hamburg_004
Kati Jurischka/HK Hamburg
Die unterschiedlichen Gesprächsrunden waren stets gut besucht.

Ganz nach dem Motto ihrer Standortinitiative „Hamburg 2040: Wie wollen wir künftig leben – und wovon?“, nimmt die Handelskammer gerade den Nachwuchs ins Visier. Gründende wie beispielsweise Wienke Reynolds (Lignopure) und Jan Henri Kalinowski (ChefTreff).

Im Panel „Erfolgreiche Start-ups geben Tipps und Wissen“ teilten diese die Schlüssel ihres persönlichen Erfolges. „Du musst nicht der Beste sein, aber anpassungsfähig, flexibel und neugierig“, riet etwa Jan Henri Kalinowski, CEO des bundesweit führenden Vernetzungsportals, seiner Alterskohorte um die 30.

Weil das grundsätzlich nicht einfach ist, empfahl Kalinowski dem Publikum noch Durchhaltevermögen. „Aufgeben ist keine Option.“, forderte Wienke Reynolds zu seiner Rechten. Ihr Tipp: „Learning by doing, aber die Hausaufgaben machen.“ Abseits vom wirtschaftsethischen Faktor „Purpose“ rät sie jedoch ebenso dringend zur aufgeschlossenen Nutzung moderner Technik.

Ihr Harburger Biotech-Unternehmen veredelt Nebenprodukte der Holzverarbeitung in fossile Ersatzstoffe. Um wie Lignopure buchstäblich nachhaltigen Erfolg zu haben, rät Reynolds zur Künstlichen Intelligenz als Standardwerkzeug – von der Strategie über das Marketing bis hin zum Herstellungsprozess.

©Kati Jurischka-HK Hamburg_009
Kati Jurischka/HK Hamburg
Wie schon bei der Auftaktveranstaltung von „Handelskammer on tour“ im vergangenen Jahr in  Altona, nutzten die Gäste die Möglichkeit zum Austausch auch in Harburg.

Nur so, da sind sich Kalinowski und Reynolds einig, könne Hamburg den Marktführern München und Berlin das Wasser reichen. Im Zeichen der Krisen, der Kriege und der Standortkonkurrenz lauten die Zauberworte nördlich wie südlich der Elbe Transformation, Netzwerk, Wissenschaft und Nachhaltigkeit – am besten in Kombination.

Wenn Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Kultur aufeinandertreffen und über die Zukunft eines ganzen Bezirkes sprechen, dann ist das mehr als ein Netzwerktreffen, sondern „Handelskammer on tour“. Unter diesem Motto machte die Rundreise nach dem Auftakt 2025 in Altona jetzt Halt in Harburg. Mit dabei unter anderem Ex-Bahnchef Prof. Dr. Rüdiger Grube, TU-Vize Prof. Dr. Irina Smirnova, Handelskammer-Vizepräses Kathrin Haug, Arnold Mergel, Geschäftsführer HOBUM Oleochemicals.

Ein gutes Beispiel dafür versammelte sich anschließend im alten Getreidesilo. Aus Ralf Grotes exzellenter, in Harburg ansässiger Technischen Universität Hamburg (TUHH) hervorgegangen, hat sich Tyll Uteschs Start-up COLIPI mit dem Gummihersteller Continental verbündet, um aus dessen CO2-Emissionen klimaneutrales Öl herzustellen.

„So sieht zukunftstaugliche Innovation aus“, lobte Werkleiter Dirk Stuhrmann das Verschmelzen dreier Welten in Harburg. Und dafür, das untermalte Prof. Norbert Aust am Abend mit einer Anekdote, dürfe auch die Weltstadt des Understatements gelegentlich groß denken.

Nach der Wahl zum Handelskammer-Präses vor sechs Jahren wollte Aust sich in Harburg vorstellen. Doch da die Distanzregeln der Corona-Pandemie volle Pkw seinerzeit verboten hatte, fuhr das dreiköpfige Team im roten Doppeldeckerbus zum siebten Bezirk. „Das war mir fast peinlich“, erinnerte sich der Präses lachend.

©Kati Jurischka-HK Hamburg_029
Kati Jurischka/HK Hamburg
Bei schönem Wetter verlagerte sich die Veranstaltung auch in den Außenbereich.

Aber es hinterließ Eindruck. Bei Franziska Wedemann etwa. Denn die Geschäftsführende Gesellschafterin der WIK Wedemann Immobilienkontor GmbH & Co KG und Vorsitzende des „Wirtschaftsvereins für den Hamburger Süden“ empfand den Bus-Auftritt als absolut angemessen.

„Wir bewahren hier ja nicht die Asche“, sagte sie gestern über Hamburgs jüngstes Stadtviertel. „Wir geben das Feuer weiter Und vor allem betrachten wir den Standort aus Sicht der Unternehmen.“

Nur so, darüber herrschte im Speicher am Kaufhauskanal bei Drinks und Snacks auch an den Infoständen von InnovationsKontaktStelle (IKS) über Gründungsberatung, HKBiS und Commerzbibliothek bis hin zum Innovations- und Patent-Centrum (IPC) Konsens, sei Harburg für 2040 gerüstet.

Bevor der „eingeborene“ Schriftsteller und Schauspieler Heinz Strunk den Abend abrundete, bat ein Zugezogener folglich um mehr Selbstbewusstsein. „Man muss Glück auch erkennen“, so TV-„Bergretter“ Sebastian Ströbel 20 Jahre nach seiner „Einwanderung“ aus Bayern. Deshalb sollte man es „in die Köpfe der Leute hier bekommen, wie geil unser Bezirk ist“. Egal, ob Nummer sieben oder Nummer zwei.

FOTOGALERIE

©Kati Jurischka-HK Hamburg_007
Kati Jurischka/HK Hamburg
Tyll Utesch, COLIPI, Julia Offen, Handelskammer,  Ralf Grote, Technische Universität Hamburg, und Dirk Stuhrmann, Continental (v. li.)
©Kati Jurischka-HK Hamburg_028
Kati Jurischka/HK Hamburg
Ein DJ sorgte beim Netzwerken für musikalische Unterhaltung.
©Kati Jurischka-HK Hamburg_002
Kati Jurischka/HK Hamburg
Jan Henri Kalinowski, ChefTreff, Handelskammer-Vizepräses Kathrin Haug, Wienke Reynolds, Lignopure (v. li.)
©Kati Jurischka-HK Hamburg_001
Kati Jurischka/HK Hamburg
Bei „Handelskammer on tour“ konnten sich Interessierte persönlich beraten lassen.
©Kati Jurischka-HK Hamburg_025
Kati Jurischka/HK Hamburg
Schriftsteller und Schauspieler Heinz Strunk mit Harriet von Waldenfels
©Kati Jurischka-HK Hamburg_026
Kati Jurischka/HK Hamburg
Der Speicher am Kaufhauskanal ist in Harburg eine bekannte und beliebte Event-Location.
©Kati Jurischka-HK Hamburg_022
Kati Jurischka/HK Hamburg
Schauspieler und Autor Sebastian Ströbel im Gespräch mit Harriet von Waldenfels vom NDR
©Kati Jurischka-HK Hamburg_006
Kati Jurischka/HK Hamburg
Um den Gästen in den hinteren Reihen die Bühne näherzubringen, wurden die Podiumsdiskussionen auch über Bildschirme übertragen.
©Kati Jurischka-HK Hamburg_020
Kati Jurischka/HK Hamburg
Arnold Mergell,  Geschäftsführer HOBUM Oleochemicals, und Franziska Wedemann, Geschäftsführende Gesellschafterin WIK Wedemann Immobilienkontor GmbH & Co KG und Vorsitzende des „Wirtschaftsvereins für den Hamburger Süden“
©Kati Jurischka-HK Hamburg_012
Kati Jurischka/HK Hamburg
Zum Abschluss der Veranstaltung wurden viele Fotos gemacht.
Utesch©Kati Jurischka-HK Hamburg
Tyll Uteschs Start-up COLIPI hat sich mit dem Gummihersteller Continental zusammengetan.

1938 eingemeindet, vereinen Harburgs 17 Stadtteile wie kein anderer Bezirk Industrie mit Natur, Wissenschaft mit Gewerbe, Landwirtschaft mit Urbanität. Auf 125,4 Quadratkilometern entstand vom Innovationspark Harburg über Technische Universität und Fraunhofer-Center bis hin zum Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt ein beispielloses Biotop kreativer Start-ups.


Anzeige - Position 2
Beteiligen Sie sich an der Diskussion:
Ihr Name wird mit ihrem Kommentar veröffentlicht.
Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.
Das Kommentarformular speichert Ihren Namen, Ihre E-Mail-Adresse und den Inhalt, damit wir die auf der Website abgegebenen Kommentare verfolgen können. Bitte lesen und akzeptieren Sie unsere Website-Bedingungen und Datenschutzerklärungen, um einen Kommentar abzugeben.
0 Kommentare
Inline Feedbacks
View all comments
Anzeige - Position 3